Der Verein Loti Nördlich Lägern ohne Tiefenlager mischt sich weiter in die Diskussion um den Standort eines atomaren Tiefenlagers in unmittelbarer Grenznähe in der Schweiz ein, ist in der Regionalkonferenz vertreten und begleitet das laufende Sachplanverfahren kritisch. Das wurde auf der Hauptversammlung im schweizerischen Kaiserstuhl deutlich.

Der Vorstand des Vereins Loti (von links): bisherige Schriftführerin Lucia Gillessen, Vorsitzende Rosi Drayer, neuer Schriftführer Max Töpfer, Vorsitzende Astrid Andermatt, Beisitzer Felix Spuler und Werner Ebnöther.
Der Vorstand des Vereins Loti (von links): bisherige Schriftführerin Lucia Gillessen, Vorsitzende Rosi Drayer, neuer Schriftführer Max Töpfer, Vorsitzende Astrid Andermatt, Beisitzer Felix Spuler und Werner Ebnöther. | Bild: Sabine Gems-Thoma

An der Spitze stehen weiterhin die Co-Vorsitzenden Astrid Andermatt (Lengnau) und Rosi Drayer (Hohentengen). Gute Resonanz gab es auf eine Infoblatt-Aktion 2017 zur Information der Öffentlichkeit, durch die der Verein neue Mitglieder und Spenden erhielt, informierte die Vorsitzende Rosi Drayer. In der Regionalkonferenz wurde erreicht, dass mit Weiach und Stadel Haberstal weiterhin zwei Oberflächenanlagen für ein mögliches geologisches Tiefenlager in Betracht zu ziehen sind, bis die Belange der Geologie und des Grundwasserschutzes geklärt sind.

Bürger können ihre Bedenken äußern

In der sogenannten Vernehmlassung wurde Stellung zu den Ergebnissen der Etappe zwei bezogen und an den Informationsveranstaltungen dazu an einem Stand informiert sowie eine Bürgerstellungnahme vorbereitet, von der viele Gebrauch machten. „Es war den Bürgern wichtig, damit ein Zeichen des Widerstandes zu setzten“, sagte Drayer.

Besuche in Würenlingen und Bülach geplant

Auch zukünftig, so Astrid Andermatt, will man die Kampagnen-Arbeit fortsetzen und die Vernetzung mit anderen Umweltorganisationen pflegen. Geplant ist ein Besuch des Zwilag (Zwischenlager für radioaktive Abfälle in Würenlingen) und die Besichtigung eines Bohrplatzes der Nagra bei Bülach. Zum Abschluss der Etappe zwei gibt es eine Infoveranstaltung des BFE (Bundesamt für Energie) am 29. Januar in Bülach und am 31. Januar in Jestetten. Herzlich aus ihrem Amt als Schriftführerin verabschiedet wurde Lucia Gillessen, neu gewählt Max Töpfer.

Messergebnisse im Gemeinderat

Derzeit erwartet man die Ergebnisse der 3D-Seismik-Messung, die auch in Hohentengen durchgeführt wurde. Ende des Jahres ist mit einem Entscheid des Bundesrats über den weiteren Verbleib der Standorte Jura Ost, Zürich Nordost und Nördlich Lägern im Verfahren zu rechnen.

Den Verein Loti finden Sie hier im Internet.

Der Sachstand bei der Endlagersuche

  1. Worum geht es im laufenden Sachplanverfahren? Bis voraussichtlich zum Jahr 2030 soll in der Schweiz eine Entscheidung des Bundesrats über den Standort eines geologischen Tiefenlagers für schwach- und mittelradioaktive (SMA) und für hochradioaktive Abfälle (HAA) oder ein Kombilager gefällt werden. Derzeit befindet sich das Verfahren am Ende der Etappe zwei (von drei Etappen), in der es um die Einengung auf mindestens zwei Standorte pro Lagertyp geht. Die Entscheidung des Bundesrats wird Ende 2018 erwartet.
  2. Welche Standorte sind noch im Rennen? Die Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) hat 2015 die ursprünglich sechs Standortvorschläge auf zwei Standorte, Zürich Nordost und Jura Ost, eingeengt. Auch Nördlich Lägern wurde zurückgestellt. Das Ensi (Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat) sah eine Zurückstellung von Nördlich Lägern nicht durch Messdaten begründet, sodass Nördlich Lägern im Verfahren blieb.
  3. Warum wurde der Standort Nördlich Lägern zunächst zurückgestellt? Die Nagra wies darauf hin, dass in allen drei im Verfahren befindlichen Standortgebieten sichere HAA-Tiefenlager gebaut werden können. Die Zurückstellung von Nördlich Lägern begründete die Nagra mit eindeutigen sicherheitstechnischen Nachteilen dieses Gebiets gegenüber Jura Ost und Zürich Nordost, da dort die Realisierung eines Tiefenlagers im Opalinuston in großer Tiefe sehr anspruchsvoll sei. Daraufhin wurden 2016 auch im Bereich Nördlich Lägern 3D-seismische Messungen durchgeführt. Erste Resultate sollen demnächst im Gemeinderat Hohentengen vorgestellt werden.
  4. Was passiert in den Regionalkonferenzen? Hier können Behörden, Bevölkerung und Organisationen mitwirken und ihre Interessen und Anliegen ins Verfahren einbringen. Unter anderem wurde über die Vorschläge der Nagra zur Installierung der Oberflächenanlagen (OFA) in den Standortregionen diskutiert, in denen in Zukunft der radioaktive Abfall angeliefert und umverpackt werden soll. Im Bereich Nördlich Lägern fand der Antrag vom Verein Loti Zustimmung, nicht wie vom BFE (Bundesamt für Energie) nur einen OFA-Standort auszuwählen, sondern an den beiden Standorten Weiach und Haberstal festzuhalten, bis die Untersuchungen im Rahmen der Etappe drei und die Belange des Grundwasserschutzes geklärt sind. Der Standort Weiach liegt nur einige Hundert Meter von Hohentengen entfernt.
  5. Was sind grundsätzliche Kritikpunkte? Für den Standort Nördlich Lägern ist die Mächtigkeit des Opalinustons in der erforderlichen Tiefe für ein atomares Tiefenlager nicht gegeben. Der Grundwasserschutz wird durch die Oberflächenanlagenstandorte Weiach und Stadel/Haberstal beeinträchtigt. Die deutsche Seite wird nicht in dem Maße beteiligt, wie sie betroffen ist.