Am Montag geht die Schule los und unter den neuen Schülern des Lise-Meitner-Gymnasiums wird auch die zwölfjährige Areej Khayat sein. Das Mädchen ist vor zwei Jahren mit ihrer Familie aus Syrien geflohen und hat sich bestens eingelebt. Nervös ist sie vorm ersten Schultag nicht – oder doch?

Wenn man Areej begegnet, ist das, als würde eine kleine Sonne aufgehen. Das syrische Mädchen versprüht eine Lebensfreude, dass sich das ganze Wohnzimmer der Familie Khayat mit einer positiven Atmosphäre füllt. Nach kurzen Momenten der Schüchternheit erzählt Areej ganz ungezwungen von sich, der Schule und ihrem Leben. Ihr Deutsch ist ausgezeichnet und nur ein einziges Mal stockt sie, als sie von einer Lernwerkstatt aus dem MNK-Unterricht der Grundschule erzählt. „So was wie der Mond oder Mars“, umschreibt sie das gesuchte Wort.Planeten.

Ab Montag geht Areej in die fünfte Klasse des Lise-Meitner-Gymnasiums. „Ich wünsche mir, dass ich gute Freunde haben werde und keiner mich irgendwie nervt. Das wünsche ich mir, und dass ich alle Fächer gut kann“, meint Areej und schiebt nach: „Und ich mich auch daran gewöhne, nicht nur Hausaufgaben zu machen, sondern extra zu lernen, um gute Noten zu bekommen.“ Die schlechteste Note in ihrem Grundschulzeugnis ist überraschenderweise ein Befriedigend (3) in Deutsch, in allen anderen Fächern wurde ihre Leistung mit Gut (2) bewertet, außer in Schrift und Gestaltung, da hat sie ein Sehr Gut (1) bekommen.

Die Familie erreichte Deutschland 2016. Areej hat noch zwei ältere Geschwister. Der älteste Bruder ist tot. Vor der Flucht hatte ihr 51-jähriger Vater Achmad Khayat 30 Jahre lang ein Geschäft für Stoffe in Damaskus betrieben. In Dubai kaufte er Stoffe ein, die er an Schneider und andere Betriebe in ganz Syrien und bis nach Saudi-Arabien verkaufte. Er führte feine Qualität, die nur für Kleidung verwendet wurde. „Jetzt ist alles kaputt“, stellt er fest. Derzeit macht er und Areejs Mutter Zuhour al Masri (44) einen Sprachkurs. Beiden ist es wichtig, ihre Dankbarkeit für die Aufnahme in Deutschland und die erfahrene Unterstützung auszudrücken. Khayat erklärt, dass für ihn das Wichtigste sei, dass er wieder Arbeit findet, um Geld zu verdienen. Vor zwei Jahren wurde Areej in der Lindenschule eingeschult und besuchte dort nach drei bis vier Monaten Deutschkurs eine dritte Klasse. Aufgrund des Umzugs nach Grenzach wechselte Areej auf die Bärenfelsschule, wo sie die 4. Klasse besuchte. „Es macht mir viel Spaß, wenn ich eine Aufgabe kann. Wenn ich lerne und das verstehe, dann mache ich es gerne“, erzählt Areej. „Mathe finde ich echt gut. Kunst und Sport machen mir auch viel Spaß.“ Schwieriger findet sie dagegen Lernwerkstätten. „Die baut die Lehrerin auf. Da sind manche Aufgaben ein bisschen anstrengend und ich musste immer die Lehrerin fragen, bis ich es verstanden habe“, sagt sie.

„In der Sprache bin ich ja nicht supertoll“, meint Areej und erklärt, dass sie in der Grundschule lange Schwierigkeiten mit Grammatik und Wortschatz hatte, so dass sie Aufgaben anfangs alleine nicht verstehen konnte oder lange dafür brauchte. „Wenn es nicht geklappt hat, hat meine Lehrerin mir immer geholfen.“ Sehr hilfreich war, dass Areej in Syrien schon Englischunterricht in der Schule hatte, so dass sie die Lehrerin auch auf Englisch fragen konnte, wenn sie auf Deutsch nicht mehr weiter wusste. Das kluge Mädchen stellt fest: „Das hat auch mein Englisch besser gemacht.“ Schon in der Lindenschule konnte sie wie auf der Bärenfelsschule schnell Freundschaften schließen, einige ihrer Freunde gingen schon letztes Schuljahr auf das Gymnasium. In ihrer Freizeit geht sie mit ihren Freunden Inliner fahren oder schwimmen. Sie liest gerne oder hört Musik von Justin Bieber. „Manche hassen ihn, aber ich finde ihn toll“, erzählt Areej. Auch die Musik von Katy Perry und Selena Gomez mag sie gern. „Ich spiele kein Instrument, aber ich würde gerne Schlagzeug oder Gitarre spielen“, erzählt Areej. Sie dekoriert auch gerne in ihrem Zimmer.

Nervös sei sie vor dem ersten Schultag nicht, meint Areej. Obwohl sie auf Arabisch protestiert, meint Mutter Zuhour lächelnd, dass ihre Tochter schon ein bisschen aufgeregt sei, dass die Schule am Montag los geht. Wie wahrscheinlich alle Fünftklässer eben.