Die Gündelwanger Räuber feiern am kommenden Wochenende ihren 66. Geburtstag. Ein Blick in die Historie des Narrenvereins fördert Erstaunliches und Amüsantes zu Tage – beispielsweise was es mit der „Vogelsuppe“ auf sich hat, die Bruno Zehnder ehemals kreierte.

Kreativ: Zu den Leib- und Magenrezepten gehört auch heute noch für Bruno Zehnder die sogenannte „Vogelsuppe“.
Kreativ: Zu den Leib- und Magenrezepten gehört auch heute noch für Bruno Zehnder die sogenannte „Vogelsuppe“. | Bild: Gudrun Deinzer

Während Ehrenmitglied Herbert Hofmeier, der die meiste der momentan kursierenden Holzmasken schnitzte, und Albert Hofmeier, ebenfalls Ehrenmitglied, eher im Hintergrund wirken, darf Bruno Zehnder mit Fug und Recht als „Rampen-Räuber“ bezeichnet werden. „Ich hab schon immer auf der Bühne etwas gemacht“, meint das dritte Ehrenmitglied der Räuber im Gespräch eher bescheiden, dabei gehören seine Vorträge bei den Zunftabenden heute noch zu den Höhepunkten. „Ich bin schon noch aufgeregt. Aber wenn ich mich verhasple, tue ich so, als würde das dazu gehören“, meint er.

Legendäre Rolle

Legendär war Bruno Zehnders Rolle als unmäßig dicker Leibkoch von Haile Selassie, der überdies mit dem ganzen Harem angereist war. Die „Vogelsuppe“ hat er zubereitet, wohlgemerkt mit ausgestopftem Vogel, Apfelmus, Linzertorte, Hering, Essiggurke, Zitrone und Kaffee – um nur einige Zutaten zu nennen. „Sportler mit und ohne Titel schlucken sie als Dopingmittel“, gibt sich Zehnder heute noch überzeugt, um sich gleich zu korrigieren, „die war ungenießbar.“ Deshalb hatte Zehnder seinerzeit eine Ersatzsuppe gekocht und dem Helferteam kredenzt.

Räuberzunft Gundilo

Auch eine Erfahrung aus neuerer Zeit eignet sich dazu, in die Geschichtsschreibung des Vereins einzugehen. Man hatte sich am städtischen Ferienprogramm beteiligt unter Federführung von Wanderführer Ernst Albert. Natürlich bot es sich an, die Kinder in die Schlucht zum sagenumwobenen Räuberschlössle zu leiten. Schließlich war es dieses Räuberschlössle, das den einstigen Gündelwanger Bürgermeister, Albert Schöperle, anregte, in diese Richtung zu weisen, bei der Suche nach einer heimatverbundenen Fasnachtfigur. Sieben junge Männer griffen damals die Anregung auf und gründeten unter Leitung von Erich Schnurr zunächst die Räuberzunft „Gundilo“.
 

Suche nach Schatzkiste

An ihrer Heimstatt also, erwarteten die Räuber vor zwei Jahren die Bonndorfer Ferienkinder. Ein bisschen spukten sie bei deren Eintreffen. Um den mitgebrachten Schatz so authentisch wie möglich präsentieren zu können, baumelte die Schatzkiste hoch über der Wutach am schroffen Felsen. Und – es kam, wie es kommen musste: Die Kiste stürzte ab. Walter Brendle konnte den Ferienausflug retten. Den steilen Wanderweg stieg er hinab, suchte und fand die Schatzkiste tatsächlich wieder, schleifte sie ein weiteres Mal auf das schauerliche hoch gelegene Räuberschlössle. Dort enttarnten sich die grimmigen Räuber und zeigten ihre schelmische Seite und das dahinter stehende weiche Herz: Denn die Kiste wurde geöffnet und der süße Inhalt den Kindern als Stärkung serviert. Eine Vielzahl kleiner Räuberkisten – verziert von Räuber-Künstler Herbert Hofmeier – wird nun beim Jubiläum im Zusammenhang mit einer Schätzfrage, bei der es natürlich auch etwas zu gewinnen gibt, eine Rolle spielen. In historischer Zeit waren die Festivitäten im „Lamm“, wo mit Kanonen geschossen wurde. „Das war als kleiner Bub mein erstes Erlebnis mit den Räubern“, erinnert sich der ehemalige Räuberhauptmann Herbert Hofmeier. Später feierte man im „Kranz“ und seit 1983 ist die Heimstatt der Gündelwanger Räuber die Schule.