„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, sang einst Udo Jürgens. Revolutionär meinte er, dass er eben in diesem Alter besonders viel Spaß haben werde. Die Gündelwanger Räuber können das nur unterschreiben. Sie feiern am kommenden Freitag und Samstag ihren 66. Geburtstag.

„Man muss auch einmal andere Wege gehen“, sagt Räuberhauptfrau Martina Schaller, um die sich die Getreuen aus ihrem Vorstand zur Vorbereitung der großen Feier geschart haben. Mit zwei Zunftabenden, einem eigenen Räuberschnaps, Festzelt und mehreren Tanzflächen, DJ Padi und echten Räuberschatzkisten wird daraus am 18. und 19. Januar ein rauschendes Fest.

Das ist wörtlich zu nehmen, denn nach den wichtigsten Eigenschaften der Räuber gefragt, wird augenzwinkernd die Trinkfestigkeit genannt. Freilich ginge es auch um den Spaß an der Freude, um Zusammenhalt und Tradition. Offensichtlich muss man auch sonst einiges ertragen können.

Narrenmutter Sibylle Lehmann (hinten, links) und Hauptmann Georg Hofmeier (Mitte), der 25 Jahre bis 2017 die Räuber anführte, wiederholten auch 2013 das Ritual der Auslosung des Fasnachtsmottos.
Narrenmutter Sibylle Lehmann (hinten, links) und Hauptmann Georg Hofmeier (Mitte), der 25 Jahre bis 2017 die Räuber anführte, wiederholten auch 2013 das Ritual der Auslosung des Fasnachtsmottos. | Bild: Gudrun Deinzer

Im Vorstandsrund erinnert sich Ingo Stegerer an die Zeit, als er im jugendlichen Alter mit von der Partie war. „Wir hatten eine Geschichte mit Indianern. Klaus Mogel war an den Marterpfahl gefesselt, wir haben ihn daran hinausgetragen. Wir waren noch nicht so kräftig und haben den Klaus voll an den Türstock gedonnert.“ Andrea Brendle weiß aus Erzählungen, dass ihr Vater Walter, wohl bei gleicher Gelegenheit, auf den Boden gefallen war. Tatsächlich hat es einige Zeit gedauert, bis sich eine Tradition entwickelt hatte. Die schöne Holzmaske etwa gibt es erst seit Mitte der 1970er Jahre. Der Lenzkircher Holzbildhauermeister Heiner Stoll war mit dieser Ur-Holzmaske beauftragt, die sowohl den grimmigen als auch den schelmischen Räuber in sich vereint. Die meisten der heute kursierenden Holzmasken hat Herbert Hofmeier geschnitzt.

So verändert sich die Larve: Die Urform der Räubermaske (rechts) und die aktuelle Maske (links).
So verändert sich die Larve: Die Urform der Räubermaske (rechts) und die aktuelle Maske (links). | Bild: Wolfgang Scheu

Der Urgündelwanger ist weit über die Region hinaus bekannt. Gemeinsam mit seiner Frau hat er das Heimatmuseum Hüsli bei Grafenhausen-Rothaus Jahrzehnte lang gehütet, dort auch viele Prominente empfangen. Vor allem hat sich Herbert Hofmeier aber mit den Schnitzfiguren des SchlüHüWaNa-Pfades vom Hüsli zum Schlüchtsee unsterblich gemacht. Am Gündelwanger Dorfplatz hat er mittlerweile eine Vereinsstele aufgestellt, auf der alle Gündelwanger Vereine thematisiert sind – und natürlich hat der Räuber eine herausragende Stellung. Die Zusammenarbeit der Vereine – in diesem größten Bonndorfer Teilort nicht immer selbstverständlich – gehört heutzutage fest zum Programm.

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„Alle Vereine helfen uns bei unserem Jubiläumsfest“, freut sich Räuberin Martina Schaller. Zur Erinnerung an geschichtliche Zeiten liegen haufenweise Fotos auf dem Tisch, denn eine Galerie soll den Festivitäten einen historischen Rahmen verleihen. Gemeinsam wird geknobelt, wer dies oder das sein könnte. Zwei Namen fallen immer wieder: „Da müssen wir den Herbert Hofmeier fragen, und der Bruno Zehnder könnte es auch wissen“, meint Martina Schaller. Albert Hofmeier und diese Beiden sind die bisher einzigen Ehrenmitglieder der Räuber.

Termin: Jubiläumsfeier 66 Jahre Räuber­zunft Gündelwangen, Schule Gündelwangen, Freitag, 18. Januar, 20.11 Uhr Zunftabend; Samstag, 19. Januar, 18 Uhr Jubiläumsempfang, 19 Uhr zweiter Zunftabend.

Die Gündelwanger Räuberzunft

  • Räuberhauptmänner: Erich Schnurr gründete vor 66 Jahren gemeinsam mit sechs Weggefährten die Räuber­zunft „Gundilo“. Herbert Hofmeier führte die Gruppe bis 1985. Während Bundeswehrzeit und Interimsfunktion als Narrenvater führte Kurt Strittmatter gut drei Jahre lang die Räuber an. Ein Vierteljahrhundert war vornehmlich Georg Hofmeier der Hauptmann, eine kurze Episode lang Ingo Stegerer. Seit 2017 ist die langjährige Vize-Räuberin Martina Schaller am Ruder.
  • Räubermaske: 1972 entstand die erste Maske aus Polyester, entwickelt von Herbert und Hugo Hofmeier.
  • Räuberzunft: Seit 1982 ist sie Mitglied der Narrenvereinigung Kleggau und seit 1991 ein eingetragener Verein.
  • Häs: Zunächst aus Sofadecken gefertigt, folgte der sogenannte Samträuber. Zur Maske gab es selbst gefärbten Stoff, der zum heutigen Häs führte.
  • Räuberwappen: Herbert Hofmeier und Erich Schnurr entdeckten im Löffinger Heimatmuseum das Originalwappen des „Edlen Heinrich von Gündelwangen“ aus dem Jahr 1170. Später übernahm dies auch der Gündelwanger Narrenrat.
Gudrun Deinzer