Herr Hofmeier, Sie sind seit 50 Jahren Räuber. Was sind denn Ihre frühesten Erinnerungen an die Fasnacht?

Das ist natürlich schon sehr lange her. Angefangen hat das mit dem Vater, die Mutter war nie dabei. Er war beim Narrenrat und ist Traktor gefahren mit dem Hänger hintendran für die Räuber, und ich bin dabei gesessen.

Wissen Sie seit wann Sie die Maske haben?

Das ist ja schon die zweite. Früher hat man eine ganz einfache gehabt, aus einem viel leichteren Material. Mein erstes Häs habe ich gehabt, als ich schon aus der Schule draußen war. Damals hat es dazu gehört, dass man im Dorf zur Fasnacht geht. Bei den Fasnachtsspielen habe ich auch schon mal mitgemacht, damals.

Wo haben Sie in Gündelwangen gewohnt?

Gegenüber der alten Schule, da hatte ich praktisch keinen Schulweg. Das war damals aber nicht wie heute, dass man so viel Ferien gehabt hat. Im Sommer hat man beim Heuen helfen müssen. Dafür hat man von der Schule frei bekommen. Und im Herbst gab es so Dinge wie Erdäpfelernte.

Wenn Sie so nah an der Schule gelebt haben, hat Sie der Lehrer ja ständig im Blick gehabt.

Ja natürlich. Und wenn man etwas angestellt hat, hat man dem Lehrer helfen müssen, Holz schleppen und solche Sachen. Für den Pfarrer Andris musste man auch arbeiten, wenn man etwas angestellt hat, beispielsweise wenn man beim Rauchen erwischt worden ist.

Wo hatten Sie den Tabak oder die Zigaretten her?

Da gab es früher noch einen Laden bei der Post, wo heute noch der Briefkasten ist. Ein kleines bisschen Geld hat man sich schon zusammengesammelt. Von der Oma hat man meistens ein klein wenig bekommen, so ist es ja heute auch noch.

Sie hatten ja Landwirtschaft, was gab es denn alles?

Am Anfang hat man ja gar keinen Traktor hat, da ist alles mit den Kühen oder dem Stier gemacht worden. Angebaut haben wir Getreide. Das meiste haben wir davon daheim behalten. Im Speicher gab es eine Dreschmaschine, das war eine Arbeit für den Winter. Der Vater hat die Frucht dann in die Mühle nach Wellendingen gebracht und dafür dort Mehl mitgenommen, und die Mutter hat davon das Brot gebacken.

Also haben Sie die Gündelwanger Mühle gar nicht mehr in Betrieb erlebt?

Nein, nicht mehr als Mühle. Die Wirtschaft gab es damals noch. Die Kinder sind da aber nicht ’rein gekommen. Wenn der Vater einmal gegangen ist, ist er eher in den „Kranz“ gegangen.

Und wie war das an Fasnacht, was war Ihr persönlicher Höhepunkt?

Wir sind schon auf Narrentreffen gegangen, und dann war es die Fasnacht selbst, hier im Ort. Am Schmotzigen Dunschtig ist man aber nicht hier geblieben, da ist man vom Vorderdorf bei den Sigwarts bis nach Holzschlag gezogen und wieder zurück. Abends war dann noch der Hemdglunker, meistens im „Hirschen“. Heute ist er ja im Clubhaus.

Was machen Sie denn heute noch mit bei der Fasnacht?

Wenn ich Schüler fahre am Schmotzigen Dunschtig, bin ich ja den ganzen Tag unterwegs und komme erst abends heim. Dann trinke ich noch ein Bier und damit ist die Sache erledigt.

Seit wann fahren Sie Bus?

Das mache ich schon drei Jahre lang, seit ich Rentner bin. Auf diese Weise habe ich noch einen Ausgleich. Man kann nicht einfach aufhören und gar nichts mehr machen. Das sind zwei Tage in der Woche. Jetzt im Herbst ist noch etwas dazu gekommen. Morgens fahren wir zuerst nach Boll, damit die Kinder nach Donaueschingen in die Schule kommen, oder ins Kolleg. Dann fahre ich nach Dillendorf, über die Alp nach Bettmaringen und fahre die Schüler nach Eggingen, die in Wutöschingen in die Schule gehen. Dann geht es wieder nach Boll und um 9.13 Uhr fahre ich von Stühlingen nach Blumberg.

Sie haben Maurer gelernt und waren beim Bauhof der Stadt Bonndorf. Was haben Sie dort gemacht?

Vom Friedhof über Tiefbauarbeiten, habe ich eigentlich alles gemacht, was so angefallen ist.

Hatten Sie da den Personenbeförderungsführerschein schon?

Nein. Den habe ich gemacht nachdem ich in Rente gegangen bin. Ich hatte das in einer Anzeige gelesen und mich dafür gemeldet. Man verdient etwas dazu und man kommt auch noch ’raus.

Das ist ja eine ganz andere Arbeit, als die, die Sie früher gemacht haben. Macht Ihnen die Arbeit Freude?

Auf jeden Fall. Mit den Schülern komme ich auch gut zurecht. Am Anfang muss man sagen, wo es lang geht, aber das funktioniert schon. Einer von den Schülern nennt mich immer ‚Herr Busfahrer‘, das ist nett.

Hier in Ihrer Küche in Gündelwangen hängen einige Bilder, die Ihre Enkel gemalt haben. Sie haben die Schulzeit von Ihren Kindern erlebt, erleben jetzt die von Ihren Enkeln. Was war denn anders in Ihrer Zeit?

Früher war es ganz anders. Auch zum Pfarrer hat man ein ganzes Verhältnis gehabt. Man musste in die Kirche, und nach der Kirche hat es immer noch Christenlehre gegeben. Heute gehen die Kindern nur noch in die Kirche, wenn sie Weißen Sonntag haben, und später sieht man sie nicht mehr. Also der Pfarrer und der Lehrer, die haben beide eine rechte Macht gehabt. Heute haben die Schüler Englisch, das hatten wir nicht. Früher hat man nur Rechnen gehabt. Heute haben die Schüler Mathe, da kommt man ja gar nicht mehr mit, bei dem das die machen. Ich glaube, die Schüler heute müssen mehr für die Schule machen. Bei uns waren ja auch alle Klassenstufen in einer Klasse.Von der ersten bis vierten Klasse gab es Nachmittagsschule und von der fünften bis achten Klasse war das Vormittagschule.

Sie haben elf Geschwister gehabt, waren selbst der älteste. Wenn Sie Streiche ausgeheckt haben, war das vor allem mit den Geschwistern?

Nein, das hat man eher mit den gleichaltrigen Kollegen aus der Schule gemacht. In der Nacht zum 1. Mai haben wir Dinge, die herum gestanden sind, verräumt. Und einmal sind wir auch erwischt worden vom alten Herrn Schaller, als wir mit einem Streichholz im Klingleknopf Dauerklingeln ausgelöst haben.

Ganz frisch ist zu Ihnen ins Haus nun Internet gelegt worden. Können Sie sich noch daran erinnern, als es das erste Telefon gab?

Oh je. Wir haben lange kein Telefon gehabt. Wenn wir etwas zusammen gemacht haben, hat man sich bei uns daheim getroffen, aber erst wenn gelernt war und man fertig geholfen hatte.

Sie hatten auch Kühe, Schweine, Hühner.

Ja und früher haben wir auch Ziegen gehabt. Denen haben wir immer Zeitung gegeben und die haben sie gefressen. Das war der größte Spaß damals. Butter hat man selber gemacht und Milch auch weggegeben. Die Milchzentrale war damals hier im Haus, wo heute die Narren ihren Schopf haben.

War Ihr Vater Landwirt im Haupt- oder im Nebenerwerb?

Im Nebenerwerb, der hat noch bei der Gemeinde Gündelwangen gearbeitet.

Sie erinnern sich also noch an die Zeit, in der Gündelwangen selbständig war?

Ja. Gündelwangen hat damals wenigstens schon einen Unimog gehabt, mit einem Bagger hintendran. Den hat dann Bonndorf geerbt. Hier war ja schon alles gemacht gewesen. Die Kläranlage beispielsweise war schon fertig. Aber insgesamt war es schon ein richtiger Schritt damals.