Der spätgotische Staffelgiebelbau auf der gegenüberliegenden Seite des Bad Säckinger Rathauses, in dem heute eine Straßenbauabteilung des Regierungspräsidiums Freiburg untergebracht ist, ist eines der markantesten, stadtbildprägenden Gebäude.

Die Fürstäbtissin Agathe Hegenzer von Wasserstelz, beauftragte den Stiftsbaumeister Peter Bye im Jahr 1565 für den „Alten Hof“ eine neue repräsentative Residenz zu erbauen. Zwei bemerkenswerte Werke der Steinmetzkunst an diesem Gebäude haben einen geschichtlichen Hintergrund. So gestaltete Peter Bye, der auch Steinmetz war, das Portal aus Kalkstein mit breitem Kielbogen und feinen Profilrippen, sowie der Jahreszahl 1571 und zwei eingemeißelten Wappen.

Wappen zweier Fürstäbtissinnen

Die Jahreszahl 1571 deutet dabei nicht etwa auf die Vollendung des Gebäudes hin, sondern markiert den Wechsel in der Regierung des Stiftes von der im Jahr 1571 verstorbenen Fürstäbtissin Agathe Hegenzer von Wasserstelz zu Maria Jacobea von Sulzbach, die im gleichen Jahr als Nachfolgerin gewählt wurde. Daher sind die Wappen beider Fürstäbtissinen im Portalbogen dargestellt. Auch wenn die Bauzeit von drei Jahren angegeben wird, so kann davon ausgegangen werden, dass die Fürstäbtissin von Sulzbach einen wesentlichen Anteil an der Vollendung des Bauwerks hatte.

Eingangsportal mit Wappen der Fürstäbtissinen Agathe Hegenzer von Wasserstelz und der Maria Jacobea von Sulzbach.
Eingangsportal mit Wappen der Fürstäbtissinen Agathe Hegenzer von Wasserstelz und der Maria Jacobea von Sulzbach. | Bild: Karl Braun

Ein besonders sehenswertes Relief aus Buntsandstein befindet sich im Giebel des Gebäudes zur Rheinseite. Abgebildet ist der heilige Fridolin mit dem Ursus. Dieses kunstfertige Relief verdeutlicht einerseits die Verehrung des Heiligen aber auch den besonderen Rang des zum Fridolinsstift gehörenden Bauwerks. Gefertigt wurde die Relieftafel von dem aus Straßburg stammenden Basler Meister Hans Michel.

Bekannter Künstler

Am 5. November 1580 hat dieser Künstler die überlebensgroße Statue des römischen Feldherrn Lucius Munatius Plancus dem Basler Rat als Geschenk übergeben. Es geschah aus Dankbarkeit für die gewährte Aufnahme in das Basler Bürgerrecht. Die farblich gefasste Steinplastik steht im Innenhof des Basler Rathauses. Durch die vielseitigen Kontakte, die das adelige Stift pflegte, konnte der Künstler für die Ausschmückung der Residenz gewonnen werden. Am Ostermontag, 2. April 1575, wurde die Relieftafel mit dem Fuhrwerk aus Basel abgeholt, was durch eine Rechnungsnotiz belegt ist.

Bevor mit der Säkularisierung 1806 das Ende der glanzvollen Epoche des adeligen Damenstiftes besiegelt wurde, drohte bereits die Aufhebung des Stiftes durch die kirchlichen Reformgesetzte von Kaiser Joseph II.

Relieftafel des Basler Künstlers Hans Michel mit dem heiligen Fridolin und dem Ursus.
Relieftafel des Basler Künstlers Hans Michel mit dem heiligen Fridolin und dem Ursus. | Bild: Karl Braun

Noch bevor das kaiserliche Dekret von 1785 in Säckingen eintraf, unternahm die letzte regierende Fürstäbtissin Maria Anna von Hornstein-Göffingen im Alter von 62 Jahren die beschwerliche Reise nach Wien, denn sie wollte sich nicht mit der Auflösung des Stiftes abfinden. Durch ihr beherztes Auftreten und ihr Verhandlungsgeschick gelang es, Kaiser Joseph II. umzustimmen und die bereits verfügte Aufhebung des Stiftes zurückzunehmen.

Großherzogliches Bezirksamt zieht ein

Etwa zwei Jahrzehnten konnte sie noch in dem Gebäude residieren, bis bald darauf das großherzogliche Bezirksamt einzog. Ab 1814 sind die Namen der Amtsvorsteher des Bezirksamts bekannt, die den Titel Oberamtmann führten.

Interessant ist eine Begebenheit unter Adolf Leiber als Oberamtmann und Josef Viktor Scheffel als Rechtspraktikant, der ebenfalls in dem Gebäude arbeitete. Scheffel musste sein Dienstzimmer mit dem Aktuar Steinmann teilen, der jede Lebenslage meisterte, in dem er vor sich her murmelte „Sei mir heute nichts zuwider“. Dieser Spruch ist in gotischer Schrift auf der bemalten Fassade des Hauses der Fuchshöhle auf dem Münsterplatz zu sehen.

Ab 1939 erhielt das Bezirksamt Säckingen die neue Bezeichnung „Landkreis Säckingen“. Im stadtbildprägenden Gebäude arbeiteten nach 1945 drei Säckinger Landräte, ehe mit der Kreisreform am 1. Januar 1973 der Landkreis Säckingen aufgelöst wurde. 1974 belegt eine Abteilung der Straßenbauverwaltung des Regierungspräsidiums die ehemalige Residenz der Fürstäbtissinen.

Das könnte Sie auch interessieren