Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren traten sie zum ersten Mal im Sigma-Zentrum auf, nämlich zum Auftakt der Reihe „Sigma-Konzerte“ – das Zwillings- und Klavierduo Karolin und Friederike Stegmann. Und zum kleinen Jubiläum „10 Jahre Sigma-Konzerte“ saßen am Mittwochabend im Sigma-Zentrum jetzt zwei Künstlerinnen am Klavier, die inzwischen auch international zu beachtlichen Pianistinnen geworden sind, mit Auftritten auch in Frankreich, Österreich und Italien.

Mit Tastengefühl

Die Zwillingsschwestern aus Lingen im Emsland sind nicht nur mehrfache Bundespreisträger von „Jugend musiziert, sie haben auch beim internationalen TIM (Tournoi International de Musique) in Paris im Finale gegen die internationale Konkurrenz souverän den 1. Preis erhalten. Anmutig und graziös, aber mit zugleich kraftvollem Tastengefühl nahmen sie auch die etwa 80 Besucher im voll besetzten Vortragsraum des Sigma-Zentrums gefangen. Mit hoher Virtuosität schon der Klavierzyklus Nr. 1-6 aus „Walzer op.39“ Johannes Brahms (1833 bis 1897) – gefühlvoll und geschmeidig aber auch schwungvoll interpretiert. Filigran interpretierten die kaum zu unterscheidenden Zwillinge dann das romantische Prelude aus „L`Enfant Prodigue“ von Claude Debussy (1862 bis 1918) – Tastenkünstlerinnen auf höchstem Niveau.

Liszt, Schubert und Rachmaninow

Bei der „Ungarischen Rhapsodie Nr. 2“ von Franz Liszt (1811-1886), eines der berühmtesten Werke des Ungarn, umgeschrieben für Klavier zu vier Händen, verschmolzen die Schwestern dabei nahezu zu einem Körper. Bei einem der schönsten Werke der Klavierliteratur des früh verstorbenen Franz Schubert (1797 bis 1828), die „Variationen über ein Originalthema in As-Dur, D 813“ zeigte das Duo ein ausbalanciertes Wechsel- und Zusammenspiel, teils ergreifend und melancholisch mit einem heiteren und feurigen Finale. Die attraktive und professionelle Bühnenpräsenz der Zwillinge zeigte sich zum Schluss bei der „Polka italienne“, wozu sich der russische Komponist Sergej Rachmaninov (1873 bis 1943) in Italien inspirieren ließ – unüberhörbar wie die Zwillinge mit großem Einfühlungsvermögen mediterrane Melodien in den Raum zauberten.

Anmutig und verspielt

Anmutig und verspielt, aber auch heiter und schwungvoll, konzentriert und graziös sind die Zwillingsschwestern Karolin und Friederike Stegmann in ihrem musikalischen Ausdruck. Die beiden Pianistinnen gingen bei allen vierhändigen Werken mit Harmonie, symbiotisch wirkend, einen musikalischen Dialog ein, der das Publikum im Sigma-Zentrum verzauberte. Mit nicht endenden wollendem Applaus lockten die Besucher das professionelle Klavier-Duo noch einmal zu einer mitreißenden Zugabe in den Vortragsraum.