Münsterpfarrer Dekan Peter Berg stellte gleich zu Beginn der Vincentius-Hauptversammlung die Kardinalfrage: „Wohin steuert der Verein?,“ fragte der Vorsitzende und deutete schon mal an, dass große Umbrüche bevorstehen. Soviel vorweg: Die Zukunft des Vincentiusvereins, jahrzehntelang größter Player im Bad Säckinger Kurgeschehen, wird künftig eng verknüpft sein mit dem Gesundheitscampus. Die Mitglieder nahmen das bei der Hauptversammlung am Mittwoch mit Erleichterung zur Kenntnis. Denn mit den Fortschritten bei der Campusentwicklung kommt auch der Verein wirtschaftlich wieder in ruhigere Fahrwasser. Da hängt eines mit dem anderen zusammen. Vor allem die Insolvenz der Rehaklinik schlug ins Kontor. Nach einem Verlust von 225.000 Euro in 2017 wird der Verein das aktuelle Jahr wohl mit einem kleinen Plus schließen, freute sich Vincentius-Vorstand und Bürgermeister Alexander Guhl.

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Bedeutung des Vereins: Es war ein unruhiges Jahr, konstatierte der Vorstand. Und es hätte für den katholischen Verein auch anders ausgehen können. So stand etwa auch die Abwicklung als eine Variante im Raum – nämlich dann, hätte das Josefshaus Herten das Bad Säckinger Pflegeheim St. Marienhaus übernommen. Doch heute steht fest: Das Heim wird Bestandteil des neuen Gesundheitscampus und zwar weiterhin unter dem Schirm des Vincentiusvereins. Die Übergabe des Heimes an Herten, worüber verhandelt wurde, wäre zusammen mit dem Rückzug aus der Rehaklinik ein massiver Bedeutungsverlust des Vereins gewesen.

Die Klinik St. Marienhaus in der Waldshuter Straße in Bad Säckingen. Die Immobilie ist in die Jahre gekommen. Ab kommendem Jahr schreibt die Heimbauverordnung Einzelzimmer vor. Deshalb soll es nun einen Neubau beim Spital geben.
Die Klinik St. Marienhaus in der Waldshuter Straße in Bad Säckingen. Die Immobilie ist in die Jahre gekommen. Ab kommendem Jahr schreibt die Heimbauverordnung Einzelzimmer vor. Deshalb soll es nun einen Neubau beim Spital geben. | Bild: Nitzsche, Viktoria

St. Marienhaus: Das Pflegeheim mit seinen 80 Betten läuft unter Volllast und war 2018 annähernd dauerhaft zu 100 Prozent belegt, berichtete Hartmut Fricke, der als Heimleiter seinen letzten Jahresbericht vorlegte. Fricke hatte im Zuge der angestrebten Kooperation mit dem Josefshaus Herten neben dem Marienhaus auch das Franziskusheim geleitet. Nachdem sich die Kooperation zerschlagen hat, gibt er die Leitung des Marienhauses zum 31. März ab. Freilich hinterlässt er ein bestelltes Haus. So hat das Marienhaus wesentlichen Anteil, dass das Ergebnis des Vincentiusvereins in den schwarzen Zahlen bleibt. Die Nachfrage nach Pflegeplätzen sei enorm, sagte Fricke, gerade in der Kurzzeitpflege. Der Bedarf werde angesichts des demographischen Wandels weiter steigen.

Zukunft des Marienhauses: Im Marienhaus herrscht enormer Investitionsstau. Hintergrund: Künftig müssen laut Heimbauverordnung Einzelzimmer angeboten werden. Das Problem soll sich mit einem Neubau auf dem Campus erledigen. Die erst kürzlich gegründete Campus GmbH wird den Neubau erstellen, der Vincentiusverein mietet sich dort ein, berichtete Guhl. Dabei soll die Größenordnung von 80 Betten erhalten bleiben. Eine Bündelung von Pflegeheim und künftiger Alters-Reha auf dem Campusgelände sei ein wichtiger Baustein des Konzeptes, so Guhl. Der bisherige Marienhaus-Standort in der Innenstadt soll dem Stadtentwicklungsgebiet zugeschlagen werden. Es handelt sich um ein „Filetstück“, hatte Guhl schon an anderer Stelle gesagt. Er kann sich für die künftige Gestaltung einen Architektenwettbewerb vorstellen. Inhaltlich werde es wohl eine Mischnutzung geben mit Wohnen, Handel und Dienstleistung. Die Immobilie gehört dem Vincentiusverein.

Bild: Müller, Cornelia

Rehaklinik: Das Haus ist seit August 2017 in Planinsolvenz. Die Belegzahlen sackten ab April 2107 dramatisch ab. Peter Mast, seit Frühjahr 2018 neuer Geschäftsführer, gab bei der Hauptversammlung Anlass zu Optimismus. Er erwarte nach der Gläubigerversammlung die Beendigung der Insolvenz im Januar. Danach wird auch bei der Rehaklinik GmbH der große Umbau starten. Wie das Marienhaus besteht auch im Reha-Gebäude an der Schneckenhalde ein großer Investitionsbedarf. Geschäftsführer Mast plant deshalb für das Rehaklinikum einen Umzug ins bisherige Krankenhausgebäude, das nach jetziger Planung um ein viertes Geschoss erweitert werden soll. Die derzeitige Rehaklinik mit ihrem 17.000 Quadratmeter großen Grundstück hat die Stadt Bad Säckingen kürzlich für rund drei Millionen Euro gekauft. Damit sollte verhindert werden, dass die Immobilie im Insolvenzverfahren abgestoßen wird, um Gläubiger zu befriedigen. Dadurch werden sich auch die Eigentumsanteile an der Rehaklinik ändern. Nach Abschluss der Insolvenz soll der bisherige Mehrheitsgesellschafter Vincentiusverein nur noch mit 24 Prozent beteiligt sein, die Stadt mit 76 Prozent. Mithin würden sich die Besitzverhältnisse gewissermaßen umkehren.

Die Rehaklinik Bad Säckingen hofft, die Insolvenz im Januar abschließen zu können. Die Klinik soll nach Planungen zum Gesundheitscampus ins ehemalige Spitalgebäude ziehen.
Die Rehaklinik Bad Säckingen hofft, die Insolvenz im Januar abschließen zu können. Die Klinik soll nach Planungen zum Gesundheitscampus ins ehemalige Spitalgebäude ziehen. | Bild: Gerber, Andreas

Belegung Rehaklinik: Die Belegung der Klinik ist nach Worten des Geschäftsführers seit Monaten hervorragend: „Seit Mai machen wir Gewinne, mit denen wir nicht gerechnet haben." Die 160 Betten seien auf weiten Strecken belegt, der Mitarbeiterstab, der im Zuge der Insolvenz abgebaut worden sei, komme an seine Grenzen und müsse wieder aufgestockt werden.

Das Spital Bad Säckingen im Herbst 2018: Im EG sollen mit der Verwirklichung des Campus Verwaltung, Empfang sowie Facharztpraxen und Operationssäle für ambulante OP Platz finden, in den oberen Geschossen die Rehaklinik.
Das Spital Bad Säckingen im Herbst 2018: Im EG sollen mit der Verwirklichung des Campus Verwaltung, Empfang sowie Facharztpraxen und Operationssäle für ambulante OP Platz finden, in den oberen Geschossen die Rehaklinik. | Bild: Reinhardt, Lukas

Gesundheitscampus: Fest stehen als Teilnehmer die Rehaklinik und das Marienhaus. Noch in diesem Jahr will Mast entschieden haben, ob das frühere Spitalgebäude saniert oder abgerissen wird. Er favorisiere eine Sanierung. Für diesen Fall sehen die weiteren Schritte so aus: Die Rehaklinik soll im bisherigen Spitalgebäude Platz finden. Das Gebäude wird aufgestockt. Ein Neubau, der die Lücke zwischen Spital und Aqualon-Therme schließen soll, nimmt das Altenpflegeheim Marienhaus auf. Im Neubau soll auch die neue Alters-Rehabilitation untergebracht werden. Sie wird Bestandteil der Rehaklinik sein, die ihre bisherigen Indikationen Orthopädie und Rheumatologie um die Geriatrie erweitern will. Im Spitalgebäude (Erdgeschoss) sind zudem mehrere Facharztpraxen geplant sowie die kassenärztliche Notfallpraxis an Wochenenden. Eingerichtet werden Operationssäle für ambulante OP. Geplant sind zudem eine DRK-Rettungswache, Apotheke, Therapiepraxen, Hebammenpraxis, Sanitätshaus sowie Kindergarten und Personalwohnungen. Im kommenden Jahr werden die Arbeiten für die Um- und Neubauten ausgeschrieben.