Bad Säckingen Niedergelassene Ärzte warnen vor Spitalschließung

Die Schließung des Spitals Bad Säckingen bedeutet für die Menschen in der Region eine drastische Verschlechterung der Notfallversorgung. Mit deutlichen Worten warnen 40 niedergelassene Ärzte daher im Hinblick auf die am Mittwoch anstehende Kreistagssitzung vor einem solchen Schritt. Gleichzeitig fordern sie Aufklärung bei der Frage, wie es zu der jetzigen Misere kommen konnte. Hierzu müsse ein Untersuchungsausschuss einberufen werden

Mit deutlichen Worten fordern 40 niedergelassene Haus- und Fachärzte aus der Region die Kreisräte in einem offenen Brief dazu auf, eine Schließung des Spitals Bad Säckingen zu verhindern. Zur Sicherstellung der gesetzlich vorgeschriebenen Notfallversorgung gehöre eine Notfallambulanz, die an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr mit den medizinischen Fachrichtungen Innere Medizin, Chirurgie und Intensivmedizin verfügbar sei, "bis das Krankenhaus Waldshut nachweisen kann, dass es die Versorgung sicherstellen kann". Zugleich erheben die Mediziner schwere Vorwürfe gegen die Geschäftsführer, die politisch Verantwortlichen wie auch die Kontrollgremien Spitalfonds und Kreistag. Letztere hätten die jetzige "katastrophale Wirtschaftslage" mitzuverantworten, weil sie "ihrer Aufsichts- und Kontrollpflicht nicht mit der notwendigen Sorgfalt nachgekommen sind." Die Vorgänge der vergangenen Jahre müssten dringend untersucht werden. Daher plädieren die Mediziner für die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses. 

Werde das Spital Bad Säckingen jetzt geschlossen, sei eine dramatische Verschlechterung der medizinischen Versorgung zu erwarten, denn es sei nicht sicher, ob das Krankenhaus Waldshut in naher Zukunft überhaupt in der Lage sein werde, die internistischen und chirurgischen Patienten nach geltendem medizinischen Standard zu versorgen. "Bis heute ist Waldshut nicht nach ISO-Norm zertifiziert", bemängeln die 40 Unterzeichner des offenen Briefes. Vor allem werde die Notfallversorgung im westlichen Landkreis erheblich schlechter. Bei Schließung der Notfallambulanz in Bad Säckingen werden gesetzliche Fristen künftig regelmäßig überschritten.

Es müsse gar mit "mit einer Schädigung von Patienten gerechnet werden, was offensichtlich vom Gemeinderat in Waldshut nach seiner bereits getroffenen Entscheidung billigend in Kauf genommen wird", kritisieren die Ärzte. Es sei auch zu erwarten, dass auch die Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung schließen werde, und damit für die Bevölkerung an Wochenenden und Feiertagen kein Notdienst mehr vor Ort zur Verfügung stehe.

 

 

"Die Beendigung der Notfallversorgung am Krankenhaus Bad Säckingen ist aus medizinischer Sicht nicht akzeptabel und muss als von politischer Seite akzeptiertes Organisationsverschulden gewertet werden", so die Mediziner. Bei allen weiter führenden Entscheidungen appellieren sie an die Kreisräte, "das Wohl und das Leben" aller Bewohner des Landkreises im Auge zu behalten.

Im Hinblick auf die gegenwärtige Misere sehen die Mediziner auch eine erhebliche Mitschuld beim Kreistag selbst, denn die Kontrollgremien der Spitäler Hochrhein hätten rundherum versagt: "Die von Jahr zu Jahr steigenden Defizite und die mit Absicht herbei geführte Demontage des Krankenhauses in Bad Säckingen ist, soweit uns bekannt, nie bemängelt worden." Die fehlerhafte Buchhaltung sei "spätestens seit zwei Jahren bekannt", aber nie ernsthaft bemängelt worden. Darüber hinaus seien laut dem neuen Geschäftsführer Hans-Peter Schlaudt durch nicht gestellte Rechnungen hohe finanzielle Schäden entstanden und Fördergelder nicht abgerufen worden. Ganz abgesehen davon seien nach der Fusion keinerlei Synergien genutzt worden: "Es wurde offensichtlich von Beginn an darauf hingearbeitet, den Standort Bad Säckingen zu demontieren", so die Ärzte in ihrem Brief.

Auf alle Fälle bestehe "ein berechtigter Aufklärungsbedarf". Um Klarheit zu schaffen und insbesondere auch Gräben zu zuschütten, fordern die Mediziner die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses und eine juristische Prüfung, "ob eine Forderung auf Schadensersatz gegenüber dem Kreis und den Städten Bad Säckingen und Waldshut besteht".

 

Kreistagssitzung

Der Kreistag berät am Mittwoch, 8. November, um 14.30 Uhr in der Rappensteinhalle Laufenburg unter anderem über die Zukunft der Spitäler Hochrhein. Hierzu bietet der Förderverein Pro Spital einen kostenlosen Bustransfer ab Wehr-Bahnhof um 13.15 Uhr an. Der Bus in Rickenbach am Rathaus und fährt dort um 13.35 Uhr nach. Die Rückfahrt startet um 18.30 Uhr. Eine Zugfahrt ab Bad Säckingen nach Laufenburg-West ist um 13.47 Uhr möglich. Der öffentliche Bus fährt vom Bahnhof Bad Säckingen um 13:24 Uhr ab und hält am Schlössle/Heilig-Geist in Laufenburg. Rückfahrt um 19.10 Uhr.

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