Die bundesweite Aktion Maria 2.0 macht in Bad Säckingen Schule: Für Sonntag, 19. Mai, lädt eine Gruppe von Frauen aus der Seelsorgeeinheit zu der Aktion „Wir haben eine Stimme“ vor dem Münsterportal ein. Die Organisatorinnen betonen, dass ihr Vorhaben nicht gegen die katholische Kirche gerichtet sei, vielmehr treibe sie die Sorge um deren Zukunft um.

Links und rechts des Haupteingangs wird eine Klagemauer aus Steinen (aber ohne Mörtel) aufgeschichtet. Sie versperrt den Zutritt zum Münster nicht, soll aber die Aufmerksamkeit auf die Aktion lenken. Zudem ist die Mauer mit Öffnungen versehen, so dass die Besucher ihre Klagen und Wünsche aufschreiben und die zusammengerollten Zettel der Klagemauer anvertrauen können. Die ganze Aktion ist mit Dekan Peter Berg abgesprochen.

Danijela Landes, Andrea Koubik, Waltraud Wunderle, Sonja Spieldenner und Roswitha Thesing (von links) organisieren eine Aktion vor dem Münstereingang unter dem Motto „Wir haben eine Stimme“.
Danijela Landes, Andrea Koubik, Waltraud Wunderle, Sonja Spieldenner und Roswitha Thesing (von links) organisieren eine Aktion vor dem Münstereingang unter dem Motto „Wir haben eine Stimme“. | Bild: Michael Gottstein

Während im Münster die gewohnte Sonntagsmesse stattfindet, veranstalten die Frauen im Pfarrgarten eine „etwas andere Maiandacht„ mit Meditationstexten zu Maria und anderen Themen. Dabei möchten sie mit den Anwesenden ins Gespräch kommen. Es besteht die Möglichkeit, eine Petition an den Freiburger Erzbischof Stephan Burger zu unterzeichnen, deren Forderungen lauten: Zugang von Frauen zu allen Weiheämtern der Kirche, Aufhebung des Zölibats, Exkommunikation von Priestern, die Missbrauch begangen haben, und Ausrichtung der Kirche an der heutigen Lebensrealität.

Frauen wünschen sich eine moderne Kirche

Die Organisatorinnen Andrea Koubik, Roswitha Thesing, Danijela Landes, Sonja Spieldenner, Stefanie Brand und Christine Wurche von der Heilig-Kreuz-Gemeinde sowie Waltraud Wunderle aus Wallbach wurden von der „Aktion Maria 2.0“ in Münster (Westfalen) und ähnlichen Projekten in Lauchringen und Freiburg inspiriert. Diese Vorbilder waren aber nur ein Anstoß, denn: „In der katholischen Kirche gärt es schon lange“, so Waltraud Wunderle. Auch bei der Aktion „Wünsch Dir was“ hätten sich viele eine modernere Kirche gewünscht, berichtet Andrea Koubik: „Wir engagieren uns, weil wir glauben und eine Zukunft für die Kirche möchten.“

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Die Kirche solle Heimat bieten und nicht ausgrenzen, erklären die Frauen mit Blick auf die Forderung, wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen. Auch fordern sie ein konsequenteres Vorgehen bei Missbrauchsfällen. „Missbrauch gibt es natürlich auch in anderen Organisationen und in Familien, wo die Dunkelziffer besonders hoch ist“, so Waltraud Wunderle. „Aber ausgerechnet in der Kirche, die den Menschen Schutz bieten soll, darf so etwas einfach nicht vorkommen.“ Roswitha Tesing wünscht sich, dass Priester, die sich des Missbrauchs schuldig gemacht hätten, automatisch der weltlichen Justiz gemeldet würden. Was den Zölibat und die Frauenweihe betrifft, „glaube ich nicht, dass sich so schnell etwas ändern wird“, meint Waltraud Wunderle, und Andrea Koubik ergänzt: „Wir tun es für unsere Kinder, vielleicht erleben die es noch.“

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