So etwas Ähnliches wie Aufbruchstimmung war heute im Kreistag Waldshut beim Thema Gesundheitscampus zu spüren. Landrat Martin Kister wie auch Bad Säckingens Bürgermeister Alexander Guhl wollen jetzt schnell die nächsten Schritte einleiten. Der Kreistag gab mit vier Enthaltungen dazu grünes Licht.

  • So geht es weiter: Die erste Realisierungsstufe soll nun folgen. Diese beinhaltet das Fachärzte-Zentrum sowie die ambulante Notfallversorgung. Landrat Martin Kistler sagte: „Wir geben jetzt Gas“. Denn es gebe ein großes Mieterinteresse für den Gesundheitscampus, so Kistler. Diesen Sommer sollen den interessierten Ärzten entsprechende Angebote unterbreitet werden, berichtete Michael Schaaf von GöK-Consulting. Die Beratungsfirma treibt für Stadt Bad Säckingen und Landkreis die Planung des Campus voran.
Weiter weg geht fast nicht. Am anderen Endes des Landkreises tagte der Kreistag Waldshut heute Nachmittag in der Schwarzwaldhalle in Grafenhausen. Gleichwohl waren aus Bad Säckingen zahlreiche Besucher mit dem Bus angereist, den der Förderverein Pro Spital gechartet hatte.
Weiter weg geht fast nicht. Am anderen Endes des Landkreises tagte der Kreistag Waldshut heute Nachmittag in der Schwarzwaldhalle in Grafenhausen. Gleichwohl waren aus Bad Säckingen zahlreiche Besucher mit dem Bus angereist, den der Förderverein Pro Spital gechartet hatte. | Bild: Andreas Gerber
  • Fachärzte-Zentrum: Sind die Mietverträge in trockenen Tüchern, stünde die erste Säule des Campus zumindest fest – nämlich das geplanten Fachärzte-Zentrum, das die Fachbereiche Allgemeinmedizin, Kardiologie, Radiologie, Gynäkologie, Orthopädie, Neurologie und ambulantes Operieren beinhalten soll. Es soll im Campus drei bis vier OP-Säle geben.
  • Notfallversorgung: Gleichzeitig soll es auch mit der Notfallversorgung vorangehen. Ebenfalls im August sei laut Michael Schaad außerdem ein Termin mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) avisiert, um die ambulante Notfallversorgung im Campus zu klären. Diese soll laut Planung von der KV betrieben werden. Damit wären Notfallversorgung und Fachärztezentrum unter Dach und Fach.
  • Zentrum für Altersmedizin: Die zweite Baustufe wäre dann – möglicherweise ab dem kommenden Jahr – die Realisieurng des Zentrums für Altersmedizin mit der so genannten intersektoralen Versorgung – also der bereichsübergreifenden Versorgung von alten Menschen und zwar medizinisch, rehabilitativ und pflegerisch. Rehabilitation und Pflege scheint dabei weniger das Problem. Guhl und Kistler berichteten allerdings, dass der medizinische Teil, also die stationären Akutbetten für Geriatrie beim Ministerium nicht auf Begeisterung gestoßen seien. Allerdings sei man von den Vertretern des Ministeriums auf ein förderfähiges Alternativmodell mit medizischen Pflegebetten für Kurzzeit- und Übergangspflege hingewiesen worden. Die Akut-Betten seien nicht rundweg abgelehnt worden, sagte Guhl auf Nachfrage des FDP-Fraktionssprechers Klaus Denzinger. Die stationären Betten, so haben man geraten, müssten bei den Indikationen nachgebessert werden. Allerdings sei im Ministerium gleichzeitig auch zur Kenntnis genommen worden, dass es in den beiden Landkreisen Lörrach und Waldshut erhebliche Versorgungslücken in der Altersmedizin und Altersversorgung gebe, die gelöst werden müssten. Darin lägen Chancen.
  • Eile geboten: Jedenfalls wurde gestern deutlich, dass Landrat und Bad Säckinger Bürgermeister nicht mehr warten wollen, bis das Ministerium auch die letzte Kleinigkeit abgesegnet hat. „Wir haben in Stuttgart grundsätzlich für das medizinische Konzept Lob erhalten“, sagte Kistler, deshalb wolle man jetzt mit den Vorbereitungen zur ersten Baustufe starten. Auch Guhl unterstrich noch einmal den Zeitdruck und wies auf die Notwendigkeit hin, die Frage der Gesellschaft und der Trägerschaft des Campus zu klären. Darüber wie auch über die Frage von Neubau oder Sanierung des alten Spitalgebäudes wurde heute nichts gesagt. Allerdings hatte Guhl schon letzte Woche im Bad Säckinger Gemeinderat gefordert, dass es zu diesen beiden Themen noch vor der Sommerpause Klarheit geben müsse.
  • Stimmen aus dem Kreistag: Für die Fraktion der Freien Wähler rekapitulierte deren Sprecher Michael Thater, dass der Gesundheitscampus erst im November 2017 beschlossen wurde und das Projekt heute – neun Monate später – bereits so konkret sei. Das sei zeitlich im „Idealbereich“, befand der Wehrer Bürgermeister. Auch dem vom Ministerium vorgeschlagenen Alternativplan für Kurzzeit- und Übergangspflegebetten im künftigen Campus konnte er Erfreuliches abgewinnen. Genau diese Betten würden noch stärker fehlen als solche für Akutgeriatrie. „Ich kann jetzt nur alle motivieren, dran zu bleiben“, sagte Thater an den gesamten Kreistag.
    Auch Ruth Cremer-Ricken, Fraktionssprecherin der Grünen, fand, dass „der Weg jetzt stimmt“. Als positive Punkte nannte sie die Notfallversorgung, das Fachärztezentrum, die Pflegebetten auch für Kurzzeit und Übergang in Kombination mit der Rehabilitation. In der Akutgeriatrie müsse nachgebessert werden. Aber alles in allem sei sie „zuversichtlich,“ sagte Cremer-Ricken.