Der Schock im Fricktal und in der Nordwestschweiz saß tief, als Novartis im September 2018 angekündigt hatte, schweizweit innerhalb von vier Jahren 2150 Stellen abzubauen – 700 davon am Standort Stein. Einen derart massiven Stellenabbau hat die Region noch nie erlebt. Die Nachricht dämpfte auch die Freude, für die Novartis just einen Monat zuvor im Fricktal gesorgt hatte: Ende August 2018 gab der Pharmakonzern bekannt, in den Standort Stein bis zu 90Millionen Franken zu investieren und bis zu 450 Arbeitsplätze im boomenden Bereich Zell- und Gentherapien zu schaffen.

Heute, 13 Monate später, ist der Restrukturierungsprozess angelaufen. Am Standort Stein wurden bislang „rund 120 Vorankündigungen und Kündigungen ausgesprochen“, wie Novartis-Sprecher Satoshi Jean-Paul Sugimoto auf Anfrage der „Aargauer Zeitung“ sagt. Bislang wurden neun Kündigungen ausgesprochen. Novartis hat sich im Sozialplan dazu verpflichtet, eine Kündigung vier Monate vorher anzukündigen; erst danach werden Kündigungen mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten ausgesprochen.

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Sechs Mitarbeitende haben laut Sugimoto das Unternehmen bislang in eine Frühpensionierungslösung verlassen, neun haben eine externe Anstellung angenommen und für 21 gab es eine interne Lösung. „Bis heute hat niemand das Unternehmen ohne Lösung verlassen“, versichert der Konzernsprecher. Die meisten der 21 Mitarbeitenden, die immerhalb des Konzerns eine neue Aufgabe fanden, arbeiten weiterhin am Standort Stein.

Es bleibt bei den Zahlen

Immer wieder hörte man in den vergangenen Monaten die Hoffnung, dass der Stellenabbau vielleicht weniger drastisch ausfällt als im vergangenen Jahr angekündigt. Dies wird nicht der Fall sein; Sugimoto bestätigt gegenüber der „Aargauer Zeitung“ die angekündigten Abbauzahlen. „Die im letzten Jahr angekündigten Veränderungen werden wie geplant bis Ende 2022 umgesetzt“, sagt der Sprecher weiter.

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Novartis unterstützt die Mitarbeitenden dabei laut Sugimoto mit verschiedenen Maßnahmen. Dazu zählen Überbrückungslösungen für Mitarbeitende, die älter als 55 Jahre sind, Vorruhestandslösungen für Mitarbeitende im Alter über 58 Jahre, interne und externe Versetzungen und Platzierung auf offene Stellen. „Die frühzeitige Kommunikation mit den betroffenen Mitarbeitenden, die starke Unterstützung mit spezifischen Trainingsmöglichkeiten sowie das Novartis Career Center ermöglichen das Finden von Anschlusslösungen bereits in einer frühen Phase“, ist Sugimoto überzeugt. Für voraussichtlich fast 70 Prozent der bisher betroffenen Positionen in den Rheintalwerken Basel, Schweizerhalle und Stein konnten laut Sugimoto bereits Lösungen gefunden werden beziehungsweise sind solche geplant.

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Besonders hart trifft eine Kündigung ältere Mitarbeitende; sie finden in der Regel nur schwer eine neue Stelle. Für Mitarbeitende über 50 Jahre habe man eine Formel vereinbart, „welche die Abgangsentschädigung erhöht, was eine längere Suche auf dem Arbeitsmarkt oder eine alternative Anstellung auf tieferem Lohnniveau auszugleichen hilft“, sagt Sugimoto.

155 Stellen wurden neu geschaffen

Ein Teil der Mitarbeitenden, die ihren bisherigen Job in Stein verlieren, kommt in der neuen Produktionsanlage für Zell- und Gentherapien in Stein unter. Bislang wurden hier 155 Stellen aufgebaut; „bis zu weitere 295 neue Stellen stehen in Aussicht“, so Sugimoto.

Der Aufbau der neuen Produktionslinie wird im Sommer 2021 abgeschlossen sein. „Bisher konnte der Großteil dieser neu geschaffenen Stellen mit internen Kandidaten besetzt werden“, sagt Sugimoto. Die Anstrengungen für die Umschulung und Platzierung von betroffenen Mitarbeitenden werden dabei „intensiv wahrgenommen“.

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Einen Lichtblick ganz anderer Art gab es für 29 Mitarbeitende am Standort Stein: Das Unternehmen Novartis verkaufte in diesem Jahr ihren Pilot-Plant-Betrieb im Werk Stein, inklusive Infrastruktur und Anlagen, an den Chemie- und Pharmakonzern Lonza. Dies deshalb, weil die Anlagen ungenügend ausgelastet waren.

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„29 Mitarbeitende traten im Zuge dieses Verkaufs zu Lonza über“, erklärt Sugimoto. Er wertet es als „erfreulich“, dass für einige betroffene Mitarbeitende eine Lösung gefunden wurde und auch die Infrastruktur weiter genutzt wird. „In diesem Sinn steht dieser Verkauf als Symbol dafür, dass wir alles unternehmen, um für die von Restrukturierung betroffenen Mitarbeitenden Alternativen für eine potenzielle zukünftige Beschäftigung zu schaffen“, hält Sugimoto fest.

Eine ähnliche Lösung hat Novartis kürzlich für ein Produktionsgebäude in Schweizerhalle angekündigt. Die Käuferin dort ist das Agrarunternehmen Syngenta.

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