Bad Säckingen – Es sei ein Wechselbad der Gefühle. So beschreibt ein Mitarbeiter von Novartis, was derzeit im Werk Stein abläuft. Erst vor wenigen Wochen kündete das Pharmaunternehmen an, in Stein eine Produktionsanlage für eine neuartige Therapie zu bauen und so zwischen 260 und 450 Stellen zu schaffen. Und nun steht offenbar ein Stellenabbau in anderen Produktionsbereichen bevor. Dieser soll laut Informationen in den nächsten Tagen angekündigt werden.

Mitarbeiter wünschen sich möglichst schnell Klarheit

Wie viele der 1670 Stellen betroffen sein werden, ist unklar. Die Stimmung sei angespannt, sagt der Mitarbeiter. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen. Der Stellenabbau, über den schon seit längerem spekuliert wird, sei ein Damoklesschwert, das über dem Betrieb schwebe. Er wünscht sich vor allem eines: "Möglichst schnell Klarheit."

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Das erwartet auch Bruno Tüscher, Gemeindeammann von Münchwilen. In seiner Gemeinde wohnen etliche, die bei Novartis arbeiten. "Die Mitarbeiter müssen wissen, woran sie sind." SP-Großrätin Elisabeth Burgener erwartet dabei, dass Novartis auch die Region und den Kanton in den Prozess einbindet. Die Politik müsse diesen Einbezug und den Dialog auch selber einfordern, sagt Burgener. Sie weiß, dass dies bei international tätigen Unternehmen schwieriger ist als bei Unternehmen, die auf die Region oder zumindest die Schweiz fokussiert sind. "Gerade im Umgang mit einem Stellenabbau zeigt sich die Verwurzelung", so Burgener. "Wer in der Region verankert ist, geht anders vor."

Auch Auswirkungen auf die badische Seite

Auswirkungen hat ein Stellenabbau aber auch auf die badische Seite. Denn viele Mitarbeiter, die bei Novartis und den anderen Pharmafirmen in Stein, Münchwilen und Sisseln arbeiten, stammen aus dem badischen Raum. Wie viele Einwohner aus Bad Säckingen in Stein arbeiten, kann Bürgermeister Alexander Guhl zwar nicht sagen. Für die Stadt und für die Region wäre ein Abbau aber "sehr unerfreulich". Er hoffe deshalb, dass es sich hier nur um ein Gerücht handle.

Novartis soll verantwortungsbewusst handeln

Auch Guhl erwartet im Fall eines Stellenabbaus, dass Novartis sozial verantwortungsbewusst handelt. Angesichts der geringen Arbeitslosigkeit in der Region geht auch er davon aus, dass viele nicht lange arbeitslos sein würden. "Sollten dann noch Arbeitnehmer einen neuen Arbeitsplatz suchen, stünden für diese die Fachleute der Arbeitsagentur zur Verfügung, um die Betroffenen bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen zu unterstützen", so Guhl.

Keine Gefährdung für Pharma-Standort

Immer wieder fallen in Gesprächen mit Politikern zwei Sätze. Erstens, dass das Unternehmen eine soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden ebenso wie der Region trage und diese auch im Falle eines Abbaus wahrnehmen müsse. So wird ein Sozialplan gefordert. Zweitens fällt häufig der Satz, dass der Stellenabbau zwar für Betroffenene eine große persönliche Tragödie sei, der Pharmaplatz Fricktal aber dadurch nicht gefährdet werde. Grünen-Großrätin Gertrud Häseli geht aber davon aus , dass bei dem Fachkräftemangel eher zu einem Stellenumbau als zu einem Stellenabbau komme. Die Mehrheit der Betroffenen finde sicher schnell wieder eine Stelle. Deutlich schwieriger hingegen ist die Situation für Niedrigqualifizierte.

Zuversicht trotz Hiobsbotschaft

Trotz der "aktuellen Hiobsbotschaft" ist CVP-Großrat Alfons Kaufmann zuversichtlich, dass es in den nächsten Jahren nicht zu einer Abwanderungswelle kommen wird. Die Schweiz biete ein stabiles politisches und wirtschaftliches Umfeld und attraktive Rahmenbedingungen für Firmen, ist er überzeugt.

Es dürfte nicht der letzte größere Stellenabbau oder zumindest -umbau sein, der in und um Stein bevorsteht. Agustoni erwartet, dass dies künftig noch öfters der Fall sein wird. Aber auch er glaubt, wie alle Befragten, an den Standort Stein. Novartis habe hier viel investiert und werde im Fricktal weiterhin auf Forschung und Entwicklung setzen.