Die Eisengießerei ENA, ein Albbrucker Traditionsunternehmen, ist seit Mitte des vergangenen Jahres insolvent – zum dritten Mal und diesmal wohl auch endgültig. Nach der Einstellung des Betriebs und dem Verkauf der Grundstücke an einen privaten Investor biete sich jetzt, so Bürgermeister Stefan Kaiser im Gemeinderat, für die Gemeinde die Möglichkeit, das an der B 34 gelegene Gelände städtebaulich neu zu gestalten.

Eine städtebauliche Chance

Auch im Zusammenhang mit der Aufstellung des Bebauungsplans „Konversion Papierfabrik“ ergäbe sich jetzt die Chance, das Erscheinungsbild Albbrucks dauerhaft zu beeinflussen und neu zu prägen. Daher schlug Stefan Kaiser vor, das Planungsbüro Baldauf in Stuttgart zu beauftragen, ein städtebauliches Konzept zu erarbeiten, welche Nachnutzungen auf dieser Fläche infrage kämen und welche in Zukunft ausgeschlossen werden sollten. Die Kosten bezifferte Stefan Kaiser mit 9500 Euro, weitere 40 000 Euro würde der Bebauungsplan kosten.

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Was aber schließlich auf dem Gelände geplant werde, sei allerdings noch nicht bekannt, „jedenfalls nicht das gleiche wie bisher“, stellte Stefan Kaiser fest. „Ein Bebauungsplan wäre jedoch ein wichtiges Signal für den neuen Eigentümer.“

Lothar Schlageter (Freie Wähler) wandte dagegen ein, dass man schon vorher wissen sollte, was geplant sei. Jedenfalls halte er das Areal, das zwischen der B 34 und der Eisenbahnlinie liege, für eine Wohnbebauung ungeeignet. Auch Rolf Rüttnauer (SPD) meinte, dass 40 000 Euro viel Geld sei, wenn man noch nichts Genaues wisse. Trotz der Einwände folgte der Gemeinderat dem Beschlussvorschlag der Verwaltung und fasste einen Aufstellungsbeschluss für den „Bebauungsplan ENA“.

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Das Unternehmen ENA wurde 1866 als Eisengießerei Nägele gegründet. 1982 wurde das Zweigwerk ENA Guss Erzingen in Betrieb genommen. Zehn Jahre später endete die Ära Nägele Guss und die Firma wurde an einen amerikanischen Unternehmer verkauft. 2013 hatte die Eisengießerei ein erstes Insolvenzverfahren durchzustehen, das positiv verlief. Damals wurde der Zweigbetrieb „Aluminium Guss“ in Erzingen verkauft, der danach als „Aluguss Klettgau GmbH“ weitergeführt wurde.

65 Arbeitnehmer betroffen

In dem 153 Jahre alten Albbrucker Unternehmen wurden Gussteile produziert, die in Schiffsdieselmotoren, Turbinen und im Maschinenbau zum Einsatz kamen. Im Oktober 2017 musste erneut Insolvenz angemeldet werden. Auch diesmal gelang es wieder, den Betrieb im Zuge einer Sanierung an einen Münchner Investor zu veräußern. Aus der ENA wurde die „Gießerei Albbruck“, der Konkurs konnte ein zweites Mal aufgefangen werden. Dass es doch nicht mit der Sanierung klappte, war wohl den veralteten Anlagen zu schulden, eine Folge der Versäumnisse früherer Jahre. Seit Anfang 2018 ist das Unternehmen zum dritten Mal insolvent, diesmal wohl endgültig. Die Produktion ruht seither, betroffen sind die 65 noch verbliebenen Arbeitnehmer.