Die Investition von 130 Millionen Euro an der Robert-Bosch-Straße im Singener Industriegebiet vollzog sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren nahezu lautlos. Das weltweit agierende Pharmazieunternehmen Takeda mit Sitz in Japan hat damit die Voraussetzungen für die Herstellung eines Impfstoffs gegen eine Viruserkrankung mit dem Namen Dengue geschaffen. Bis zum Beginn der Produktion wird es allerdings noch eine Weile dauern. Wie ein Unternehmenssprecher bei der Vorstellung der neuen Fabrik sagte, wird die Zulassung des Impfstoffs voraussichtlich erst im Sommer nächsten Jahres beantragt. Bis dahin werden vor allem die komplexen Abläufe für die sterile Herstellung des Produkts und deren Gefriertrocknung erprobt.

Kompetenz der Mitarbeiter gibt den Ausschlag

Eben der versierte Umgang mit diesen Techniken sind nach Unternehmensangaben ein wesentlicher Grund für die Standortentscheidung gewesen. Thomas Wozniewski hob als Global Manufacturing & Supply Officer beim gestrigen Festakt aus Anlass der Fabrik-Fertigstellung hervor, dass die langjährige Erfahrung und Kompetenz der Mitarbeiter maßgeblich für die Unternehmensentscheidung waren. Dadurch entstehen 200 der insgesamt 1000 Arbeitsplätze am Takeda-Standort in Singen. Die Bedeutung der Mitarbeiter bei der Investitionsentscheidung stellte auch Christophe Weber als Präsident und CEO von Takeda in den Mittelpunkt seiner Rede.

So sieht die neue Fabrik in der Robert-Bosch-Straße aus. Es wird von bestehenden Takeda-Gebäuden flankiert und ist deshalb beispielsweise von der viel befahrenen Georg-Fischer-Straße nicht zu sehen.
So sieht die neue Fabrik in der Robert-Bosch-Straße aus. Es wird von bestehenden Takeda-Gebäuden flankiert und ist deshalb beispielsweise von der viel befahrenen Georg-Fischer-Straße nicht zu sehen. | Bild: Tesche, Sabine

Dem flotten Bau der neuen Produktionsstätte ging eine lange, letztlich sich über Jahrzehnte hinziehende Forschungstätigkeit voraus. Die Isolierung des ersten von insgesamt vier Stämmen des Dengue-Virus datiert aus den 1960er Jahren, die Suche nach einem Impfstoff beziehungsweise die Überlegungen zu einer Fabrikationsanlage reichen nach Angaben von Unternehmenssprechern zehn Jahre zurück.

1000 Dengue-Fälle in Deutschland

Der Bedarf steht dabei längst nicht mehr in Frage. Takeda beruft sich dabei auf Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wonach sich weltweit pro Jahr rund 400 Millionen Menschen mit dem Virus infizieren, in mehr als 20 000 Fällen enden die daraus folgenden Erkrankungen mit dem Tod. Und Rajeev Venkayya, der bei dem Pharma-Unternehmen die Position eines President Global Vaccine Business Unit einnimmt, geht von einer wachsenden Bedrohung aus. Prinzipiell muss demnach die Hälfte der Erdbevölkerung mit einer Dengue-Infektion rechnen, er berichtete dabei auch von inzwischen festgestellten Fällen in Tokio und Florida. In Deutschland gibt es nach Angaben von Carsten Köhler vom Tropenmedizinischen Institut in Tübingen im Jahr rund 1000 Fälle von Dengue-Fieber.

Video: Tesche, Sabine

Die politische Dimension medizinischer Versorgung beschrieb Takeshi Yaki als Botschafter Japans in der Bundesrepublik Deutschland. Der Diplomat ordnete den Neubau der Fabrik in die Strategie zur Globalgesundheit seines Landes ein, das sich um die Jahrtausendwende für eine intensive Beschäftigung mit den Gefahren weltweiter Infektionskrankheiten entschieden habe. Durch wachsende Mobilität und den Klimawandel geht der Botschafter von einer wachsenden Verbreitung des Dengue-Virus aus.

OB Häusler freut sich über die Steuern

In den globalen Sichtweisen und Gesundheitsstrategien spielten allerdings auch die Stadt Singen und Oberbürgermeister Bernd Häusler eine Rolle. Thomas Wozniewski hob das unkomplizierte Miteinander beim Bau der Fabrik hervor und der OB machte seinerseits aus seinem Herzen keine Mördergrube: Er freut sich über die Standortreue des Unternehmens, die Arbeitsplätze und die Einnahmen insbesondere aus der Gewerbesteuer.

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Ein Global Player im Kampf gegen ein global sich ausbreitendes Virus

  • Takeda: Das japanische Pharmaunternehmen hat in Deutschland Standorte in Berlin, Konstanz, Oranienburg und Singen mit insgesamt mehr als 2300 Mitarbeitern. Mit etwa 1000 Mitarbeitern, von denen sich zirka 40 in einer Ausbildung befinden, ist Singen die größte Niederlassung. Der Standort ist spezialisiert auf gefriergetrocknete Pulver und „halbfeste Darreichungsformen“ – das sind zum Beispiel Cremes oder Salben. Weltweit ist das Unternehmen in 80 Ländern engagiert, es forscht unter anderem in den Bereichen Onkologie, Gastroenterologie und Neurowissenschaften.
  • Zur Geschichte des Unternehmens: Die Ursprünge der Takeda GmbH in Singen gehen auf die 1979 gegründete Byk-Guldenwerke Chemische Fabrik AG zurück. 2002 firmierte das Unternehmen zu Altana um, im Jahr darauf wurde die Arzneimittelproduktion um die Gefriertrocknung erweitert. 2007 folgte die Übernahme von Altana durch das Unternehmen Nycomed, das wiederum im Jahr 2011 durch Takeda übernommen wurde. Die jetzige Einweihung eines neuen Fabrikationsgebäudes ist die zweite Großinvestition, bereits 2015 wurde in einem neuen Gebäude die Produktion aufgenommen.
  • Das Dengue-Virus: Nach Unternehmensangaben wird das Dengue-Fieber von vier verschiedenen Arten (sogenannten Serotypen) mit typischen Fiebersymptomen ausgelöst. Angesteckt werden können Menschen jeden Alters, bislang kommen Infektionen vor allem in tropischen und subtropischen Klimazonen vor. Die Verbreitung nimmt aber dramatisch zu: 1970 wurden Dengue-Infektionen in neun Ländern festgestellt, inzwischen sind es 120. Auch in Teilen der USA und Europa kam es zu Fällen von Dengue-Infektionen, wobei die zunehmende Urbanisierung, Flugreisen, das Bevölkerungswachstum sowie der Klimawandel als ursächlich angesehen werden.