Die Räder der Busse und die Motoren der Fähren stehen am Dienstag, 29. September, in und um Konstanz einen ganzen Tag lang still. Die Mitarbeiter der Stadtwerke Konstanz treten in den Warnstreik, nachdem die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sie dazu aufgerufen hat. Das kündigen die Gewerkschaft und die Stadtwerke jeweils in Pressemitteilungen an.

Verdi begründet den Streik mit vermutlich erheblichen Auswirkungen auf die Menschen in und um Konstanz so: Die Arbeitgeber, vertreten durch den kommunalen Arbeitgeberverband, seien nicht bereit gewesen, „ihren Katalog an Verschlechterungen in den Tarifverhandlungen zurückzuziehen“.

Streik in Konstanz und Freiburg

Nachdem in den vergangenen Wochen bereits in anderen Städten gestreikt wurde, wird nun der öffentliche Verkehr in Freiburg und Konstanz bestreikt. In Konstanz werden dabei rund 100 Beschäftige der Stadtwerke bei Bus und Fähre dazu aufgerufen ab drei Uhr morgens ihre Arbeit niederzulegen, so Verdi.

„Wir müssen jetzt ein klares Signal an die Arbeitgeber senden“, sagt Gabriele Fieback, Verdi-Fachsekretärin. „Für eine Verbesserung und Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs stehen wir bereit, für eine Verschlechterung nicht.“ Die Arbeitgeber hätten Verdi durch ihr Verhalten zu diesem Schritt gezwungen. Man hoffe, dass der Widerstand der Beschäftigten von den Arbeitgebern verstanden werde und sie zum Einlenken veranlasse.

Bus- und Fährebetrieb wird eingestellt

Bei den Konstanzer Stadtwerken gehen die Verantwortlichen davon aus, dass zahlreiche Mitarbeiter des Bus- und Fährbetriebs ihre Arbeit in der Nacht zum Dienstag für 24 Stunden niederlegen. Das betreffe sowohl das Busliniennetz der Stadtwerke ebenso wie den Fährverkehr zwischen Konstanz und Meersburg.

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Die Folgen dürften schwerwiegend sein. Der Bus ist ein Rückgrat des öffentlichen Verkehrs für Konstanz. Laut Christopher Pape, Pressesprecher der Stadtwerke, nutzten im Jahr 2019 über 14 Millionen Fahrgäste den städtischen Bus. „Auf der Fähre nach Meersburg verzeichneten wir 2019 über 4 Millionen Fahrgäste und über eine Million Autos„, so Pape. Nach den Corona-bedingten massiven Einbrüchen im März und April waren die Fahrgastzahlen laut Christopher Pape im Sommer und zuletzt auch wieder angestiegen.

Für die Stadtwerke eine Ausnahmesituation

Etliche der Busfahrer und Fähremitarbeiter sind Mitglied bei der Dienstleistungsgesellschaft Verdi. Die Stadtwerke gehen davon aus, dass zumindest diese Mitarbeiter dem Streikaufruf folgen. Die Folge sind erwartete große Ausfälle im öffentlichen Nahverkehr. „Das wird eine Ausnahmesituation„, so Pape. „Für unsere Fahrgäste ist das schwierig, aber es ist leider unumgänglich.“

Archivbild: Auch im April 2018 streikten die Mitarbeiter der Fähre zwischen Konstanz-Staad und Meersburg.
Archivbild: Auch im April 2018 streikten die Mitarbeiter der Fähre zwischen Konstanz-Staad und Meersburg. | Bild: Rau, Jörg-Peter

Ab 3.45 Uhr am Dienstagmorgen sollten die Fahrgäste der Busse deshalb versuchen, auf andere Verkehrsmittel wie Züge, Regionalbusse oder ,wo immer möglich, auf das Fahrrad umzusteigen, oder Fahrgemeinschaften zu bilden. Die Stadtwerke machen außerdem darauf aufmerksam, dass für den Bus ausgestellte Fahrscheine auch im Seehas zwischen dem Bahnhof Wollmatingen und dem Hauptbahnhof Konstanz gültig sind.

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Der Fährebetrieb zwischen Konstanz und Meersburg wird komplett eingestellt. Der Streik beginnt um 4.50 Uhr am Dienstag und endet am frühen Mittwochmorgen. Fahrgäste mit dem Auto müssen deshalb den Umweg von bis zu 60 Kilometern um den gesamten Überlinger See über die Straße in Kauf nehmen.

Das sind die Alternativen

Fahrradfahrer und Fußgänger können auf einen Ersatzverkehr mit dem Schiff MS „Uhldingen“ der Bodensee-Schiffsbetriebe ausweichen. Wichtig dabei: Das Schiff pendelt nicht zwischen den beiden Fähranlegern, sondern zwischen dem Hafen Konstanz (Innenstadt) und dem BSB-Hafen Meersburg (östlich der Stadt).

Das Schiff fährt in Konstanz um 6.00 Uhr, 7.30 Uhr, 9.00 Uhr, 10.30 Uhr, 12.30 Uhr, 14.00 Uhr, 15.45 Uhr und 17.15 Uhr und 19.00 Uhr. Von Meersburg legt die MS „Uhldingen“ um 6.45 Uhr, 8.15 Uhr, 9.45 Uhr, 11.15 Uhr, 13.15 Uhr, 15.00 Uhr, 16.30 Uhr, 18.15 Uhr und 19.45 Uhr in Richtung Konstanz ab. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Personenschifffahrt Giess und Giess von Wallhausen nach Überlingen zu nutzen. Diese Schiffe fahren nach regulärem Fahrplan.

Streit um den Tarifvertrag

Zum Hintergrund teilt die Gewerkschaft Verdi mit: In den Tarifverhandlungen am 16. September für die 6.400 Beschäftigen im kommunalen ÖPNV hätten die Arbeitgeber zum Abschluss der Gespräche statt einem Angebot zwei Seiten mit Vorschlägen für Verschlechterungen des Tarifvertrages vorgelegt. Damit sollten die Forderungen von Verdi gegenfinanziert werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

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Die Dienstleistungsgewerkschaft hatte den kommunalen Arbeitgeberverband daraufhin aufgefordert, die Maßnahmen zurückzunehmen und die Gespräche wieder aufzunehmen. Dem soll jetzt der Warnstreik Nachdruck verleihen.

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