Von einem Dauerbrenner zu sprechen, wäre in diesem Fall unangebracht. Es soll schließlich gerade weniger Treibstoff verbrannt und damit weniger klimaschädliche Emissionen ausgestoßen werden. Dennoch: Das Thema Elektrobusse ist für Konstanz kein neues. Schon vor zwei Jahren bewarben sich die Stadtwerke auf ein Förderprogramm der Bundesregierung – da war vom Klimanotstand in Konstanz noch nicht die Rede.

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Bundesumweltministerium hat Förderung zugesagt

Was damals ausblieb, ist laut Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Reuter kurz vor dem Wochenende eingegangenen: Ein positiver Förderbescheid, diesmal aus dem Bundesumweltministerium. „Wir können im Stadtbusverkehr damit die Zukunft mit batterie-elektrischen Antrieben starten“, erklärt Reuter gegenüber dem SÜDKURIER.

Norbert Reuter, Geschäftsführer der Stadtwerke Konstanz.
Norbert Reuter, Geschäftsführer der Stadtwerke Konstanz. | Bild: Brumm, Benjamin

Zuversichtlich ist Reuter bereits wenige Tage zuvor gewesen. „Wir warten eigentlich nur noch auf die schriftliche Zusage aus dem Ministerium“, sagt er, als er gemeinsam mit Johannes Junge, bei den Stadtwerken Produktmanager für alternative Mobilität, und Busbetriebs-Chef Ralph Stöhr die Elektrobus-Pläne erläutert.

Busse sollen auf den Linien 6, 14 und 15 eingesetzt werden

Nach der Förderzusage soll nun die Lieferung von sechs batteriebetriebenen Bussen und die zugehörige Infrastruktur europaweit ausgeschrieben werden. „Ungefähr ab Herbst 2021 fahren dann voraussichtlich die ersten Elektro-Stadtbusse in Konstanz„, kündigt Reuter an.

Auch die Linien, auf denen diese fahren, stehen laut Ralph Stöhr schon fest: „Vier Fahrzeuge setzen wir auf der Linie 6 ein, dort würde dann kein einziger herkömmlicher Roter Arnold mit Diesel-Antrieb fahren.“ Zwei weitere würden ergänzend auf den Linien 14 und 15 fahren.

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Warum erfolgt die Umstellung auf Elektroantriebe nicht schneller?

Sechs elektrische Rote Arnold von insgesamt knapp 60? Bräuchte es für den großen Schritt in Richtung alternative Antriebe im öffentlichen Nahverkehr in Konstanz nicht mehr Tempo? Kündigen die Verkehrsbetreiber anderer Städte – zuletzt in Berlin mit ungleich größerem Bus-Fuhpark – nicht eine vollständige Umstellung in den nächsten zehn Jahren an? Johannes Junge vergleicht solche Ankündigungen „mit dem Lesen in der Glaskugel“.

Johannes Junge, Produktmanager für alternative Mobilität bei den Stadtwerken Konstanz.
Johannes Junge, Produktmanager für alternative Mobilität bei den Stadtwerken Konstanz. | Bild: Brumm, Benjamin

Von der Kostenfrage abgesehen erwähnt er die rasante Entwicklung im Bereich Elektromobilität: „Erst jetzt können uns die Hersteller mindestens 200 Kilometer Reichweite mit einer Batterieladung nicht nur versprechen, sondern garantieren.“ Dies sei noch vor wenigen Monaten undenkbar gewesen und eine von mehreren Voraussetzung für die Stadtwerke, dass sie ihren Fuhrpark „schrittweise auf batterie-elektrische oder von Brennstoffzellen unterstützte Antriebe umstellt“, ergänzt Norbert Reuter.

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Es gehe in erster Linie darum, dass sich die Fahrgäste auf einen zuverlässigen Busverkehr einstellen können. „Niemandem wäre geholfen, wenn der Bus auf halber Strecke liegen bleibt, weil der Akku leer ist“, sagt Reuter.

Elektrobus ist mehr als doppelt so teuer wie ein Diesel-Hybrid

Weitere Bedingung: Der Hersteller soll eine Niederlassung in Deutschland haben, damit bei Problemen eine schnelle Wartung sichergestellt sei. Vor allem aber sei die Umstellung dann doch eine finanzielle Frage, weshalb ohne Förderung des Bundesumweltministerium auch kein Elektrobus nach Konstanz bestellt worden wäre.

Rund 600.000 Euro koste laut Stadtwerke ein Standard-Elektrobus mit Batterien der neuesten Generation, der vergleichbare Diesel-Hybrid der Abgasnorm Euro 6 circa 250.000 Euro. Der Bund bezahlt 80 Prozent der Differenz und 40 Prozent der Infrastruktur, zum Beispiel für einen Trafo auf dem Betriebshof, wo die Akkus der Elektro-Arnolds über Nacht geladen werden sollen.

Erhöhen sich dadurch die Ticketpreise für den Roten Arnold?

Mehrkosten im Vergleich zum Diesel haben die Stadtwerke laut Norbert Reuter trotz Förderung. In einer Beispielrechnung wird von rund 200.000 Euro je Bus ausgegangen. Bezahlt das der Fahrgast? Reuter: „Wir legen das nicht auf die Tickets um, dafür gäbe es auch keine Bereitschaft.“

Denn, so der Stadtwerke-Geschäftsführer, Umfragen hätten ergeben: Die Kunden seien an der Art des Antriebs nur geringfügig interessiert, ihnen gehe es ums zuverlässige Ankommen. Das wiederum würde mit den neuen Antrieben nicht nur klimaschonender, sondern auch etwas leiser erfolgen.

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