Der Großteil der Studierenden empfindet seine Situation während der Corona-Pandemie als schwieriger als vorher. Das zeigt eine bundesweite Befragung der Universität Konstanz und des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW).

62 Prozent der knapp 28.600 Befragten gaben dabei an, den Lernstoff nicht oder schlechter bewältigen zu können. Außerdem sagten 44 Prozent, dass sie seltener die Lehrveranstaltungen besuchen. Das größte Problem für die Mehrheit stellt jedoch der fehlende Kontakt zu Kommilitonen dar.

Einfach nur mal andere Gesichter sehen

„An der Uni sind normalerweise immer viele Leute und eine Menge Geschäftigkeit um einen herum. Das vermisse ich am meisten“, berichtet die 20-jährige Lena Reyda. Die Kölnerin studiert Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften im dritten Semester an der Konstanzer Universität.

Lena Reyda vermisst die Menschen und die Geschäftigkeit, die normalerweise an der Uni um einen herum sind.
Lena Reyda vermisst die Menschen und die Geschäftigkeit, die normalerweise an der Uni um einen herum sind. | Bild: Melanie Meyer

Ihr macht zu schaffen, dass sie in ihrem Alltag keine Abwechslungen mehr erlebt: „Das ist eine Art von Langeweile, die ich so davor nicht kannte. So ein Gelangweiltsein von seinem Alltag, von den Kommunikationsarten, die man hat.“

Die freie Zeit während der Pandemie nutzt sie, um ihre Kreativität auszuleben und ihre Hobbys auszubauen. So malt sie heute mehr – was früher eher zu kurz kam. Allerdings wünscht sie sich, sich wieder öfter mit Bekannten austauschen zu können. „Klar vermisst man es zum Beispiel auch, feiern zu gehen, aber ich persönlich finde es am Wichtigsten, einfach nur mal andere Gesichter zu sehen.“

Unbesorgt einen schönen Abend verbringen

Die 23-jährige Lehramt-Studentin Marina Meyer, die aus Tuttlingen stammt, sieht das ähnlich. Die fehlenden sozialen Kontakte seien der große Minuspunkt der Lockdown-Zeit. „Ob das jetzt zum Beispiel ganz klischeehaft feiern gehen ist oder einfach ein Spieleabend. Mal unbesorgt einen schönen Abend gemeinsam zu haben – eben alles, was das persönliche Leben vorher so ausgemacht hat.“

Marina Meyer allein auf dem Uni-Gelände in Konstanz. Die fast ausschließlich digitale Lehre während des Lockdowns ist eine besondere Herausforderung für die Tuttlingerin und ihre Kommilitonen.
Marina Meyer allein auf dem Uni-Gelände in Konstanz. Die fast ausschließlich digitale Lehre während des Lockdowns ist eine besondere Herausforderung für die Tuttlingerin und ihre Kommilitonen. | Bild: Melanie Meyer

Meyer führt seit einigen Jahren eine Fernbeziehung. Auch dies hat sich durch die Corona-Lage verkompliziert, da beispielsweise Fernbusse zeitweise ihren Betrieb einstellten, was die An- und Abreise deutlich schwieriger gestaltete. Da ihr Partner wie sie in einer Wohngemeinschaft (WG) lebe, müsse zudem jeder Besuch vorher mit allen Mitbewohnern abgesprochen und geplant sein.

Die Master-Studentin berichtet außerdem über die vielen Schwierigkeiten, die die digitale Lehre mit sich bringt. Ihr fehle vor allem die Bibliothek der Universität als geordnete Lernumgebung und der damit einhergehende Austausch.

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Die Umsetzung der virtuellen Wissensvermittlung an der Uni sehen Reyda und Meyer zwiegespalten. Vieles laufe zwar dieses Semester deutlich besser als im vorigen, und die Dozenten seien teilweise rücksichtsvoller. So seien sie mittlerweile besser erreichbar und bauten vor allem in kleineren Seminaren mehr Zeit für einen Austausch ein.

Außerdem gebe es in diesem Semester auch mehr digitale Kennenlern- und Kommunikationsmöglichkeiten. Dennoch sagen die Studentinnen, dass sie sich in den Online-Kursen weniger konzentrieren können und ihnen die sonst so lebhaften Diskussionen in Seminaren fehlen.

WG-Leben hat Vor- aber auch Nachteile

Das Leben in den Wohngemeinschaften mit zwei beziehungsweise drei weiteren Studierenden bringt für die beiden jungen Frauen während des Lockdowns sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. „Man ist nicht so einsam und hat immer jemanden zum Reden“, nennt Meyer ein Plus.

Allerdings, so beschreiben es beide, müsse man deutlich mehr Rücksicht auf die anderen nehmen als zuvor. Das betrifft beispielsweise die noch stärkere Einschränkung der eigenen Kontakte, da man auch die Verantwortung für die Mitbewohner tragen müsse.

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„Man ist doppelt und dreifach vorsichtig. Und man trifft damit noch weniger Leute, als wenn man allein wohnen würde“, erklärt Meyer. Darüber hinaus sei nun deutlich mehr Rücksichtnahme in Sachen Lautstärke geboten, damit jeder Mitbewohner ungestört arbeiten und lernen könne.

Den Austausch innerhalb der WG beschreiben Reyda und Meyer als einseitig, da nicht viel passiere, was man den anderen berichten könnte. „Man redet auch einfach wahnsinnig viel über das Coronavirus. Das macht es dann irgendwie noch belastender. Aber das Thema ist halt einfach da“, so Marina Meyer.

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