Es erinnert ein bisschen an Schichtdienst: 130 Gläubige aus der Region kommen regelmäßig zu festen Zeiten in die Klosterkirche Marienburg Ofteringen zur ewigen Anbetung. Seit 160 Jahren ist ununterbrochen jemand da, um zu Gott zu beten, dies ist ein Alleinstellungsmerkmal, darauf sind die Gläubigen im Wutachtal sehr stolz.

Auch Gläubige von außerhalb beteiligen sich

Bis 1995 hatten sich die Schwestern diese Aufgabe untereinander geteilt, seither dürfen auch Gläubige außerhalb des Klosters die ewige Anbetung wahrnehmen.

Seit 160 Jahren besteht die ewige Anbetung im Kloster Marienburg Ofteringen.
Seit 160 Jahren besteht die ewige Anbetung im Kloster Marienburg Ofteringen. | Bild: Yvonne Würth

Dass sich während der Corona-Pandemie neue Gläubige dieser Anbetungsgemeinschaft angeschlossen haben, freut die beiden Schwestern Daniela und Klara, denn einige der Anbeter sind verstorben: „Es sind nicht viele neue, aber sie sind jung, das gibt uns Hoffnung, dass es weitergeht.“

Am zweiten Samstag im Juni traf sich nach der Corona-Pause die Anbetungsgemeinschaft zum Gottesdienst und zur heiteren Kaffeerunde im Klosterhof. Mit dabei waren auch Werner und Hildegard Strittmatter (beide 70 Jahre alt) aus Schwerzen und Alexandra Parusel (47) aus Häusern. Alle drei sprachen mit dieser Zeitung über ihre Motivation zur ewigen Anbetung.

Warum kommen Gläubige zur ewigen Anbetung?

„Für mich war es Dankbarkeit, dass ich so alt geworden bin, dass es mir im Leben gut gegangen ist“, erläutert Werner Strittmatter. Seit drei Jahren ist er zusammen mit seiner Frau von 1 bis 3 Uhr nachts am Montag in der Klosterkirche: „Es gibt erst eine halbe Stunde Stille, dann singen und beten wir miteinander, da halten wir uns nicht zurück.“

Das Ehepaar Hildegard und Werner Strittmatter aus Schwerzen beteiligt sich intensiv an der ewigen Anbetung im Kloster Ofteringen.
Das Ehepaar Hildegard und Werner Strittmatter aus Schwerzen beteiligt sich intensiv an der ewigen Anbetung im Kloster Ofteringen. | Bild: Yvonne Würth

Das Aufstehen nach dem ersten Schlaf ab 22 Uhr falle beiden nicht schwer. „Für die Seele ist es gut, eine Auszeit zu nehmen. Warum, was ist wichtig, was kommt auf dich zu, was kann ich Gott hinlegen. Das ist meine Motivation.“ Selbstverständlich ist für ihn die Unterstützung für Pfarrer Karl Boll, der wie er aus Schwerzen stammt.

„Ich habe meine Mutter, vorher Schwiegermutter und Vater als Pflegefall gehabt. Meine Mama ist vor drei Jahren gestorben“, erläutert seine Frau Hildegard Strittmatter. Seither ist dem Ehepaar die Nachtanbetung möglich. „Dazugekommen bin ich über die Frauengemeinschaft, irgendwann hast du gemerkt, die Stunde tut dir gut und die fehlt dir nie“, jeden zweiten und fünften Donnerstag im Monat von 9 bis 10 Uhr betet sie außerdem alleine seit vielen Jahren.

Die Schwestern Passionistinnen, Schwester Klara (links) und Schwester Daniela (rechts) freuen sich über neue Anbeter im Kloster ...
Die Schwestern Passionistinnen, Schwester Klara (links) und Schwester Daniela (rechts) freuen sich über neue Anbeter im Kloster Marienburg Ofteringen. | Bild: Yvonne Würth

„Wobei ich am Anfang oft einen Widerstand gegen diese Stunde gehabt habe, im Geschäft hat sich ein Kunde auf genau diese Zeit angemeldet, aber mittlerweile ist das kein Problem, die Stunde fehlt dir nicht, man schafft nachher schneller oder ist motivierter.“

Vor der Pandemie waren die Frauen in Gruppen zur Klosterkirche gefahren. „Wir sind einfach im Glauben, und da sucht man sich Orte, wo man Kraft tanken kann und zur Ruhe kommt. An so einem Ort ist es einfach ein besonderer Geist, wie auch in Assisi, das kannst du nicht so direkt beschreiben.“

Alexandra Parusel gesellte sich zur 130-köpfigen Anbetungsgemeinschaft, als sie von Freiburg nach Häusern gezogen war während der Pandemie.
Alexandra Parusel gesellte sich zur 130-köpfigen Anbetungsgemeinschaft, als sie von Freiburg nach Häusern gezogen war während der Pandemie. | Bild: Yvonne Würth

„Ich habe jetzt viel mehr Zeit und möchte Gott wieder heilig halten, wo er häufig vergessen wird. Das bringt den Segen auch anderen“, erläutert Alexandra Parusel. Sie zog während der Pandemie von Freiburg nach Häusern und betet seither gerne am Donnerstagmittag von 11.30 bis 13 Uhr in der Klosterkirche Ofteringen: „Es ist ein besonderer Ort, die Kirche ist so eingebetet und hat eine Gebetsatmosphäre, wie eigentlich eine Kirche sein muss.“

Gibt es auch Ausnahmen von der Regel?

Eine Ausnahmeregelung gibt es seit 2002. Die Professorin Alma Luise Elisabeth von Stockhausen war eine deutsche Philosophin und Gründerin der Gustav-Siewerth-Akademie in Weilheim-Bierbronnen sowie Trägerin des päpstlichen Gregorius-Urden.

Sie wollte das Erlebnis der ewigen Anbetung fortführen nach einer stillen Woche im Kloster Ofteringen. Seither findet in der Nacht von Samstag auf Sonntag die ewige Anbetung nicht in Ofteringen, sondern in Heroldsbach statt: „Das ist im Sinne der Gebetsbruderschaft, wie es sie früher unter Klöstern gab“, erläutert Pfarrer Karl Boll.

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