Eggingen – Ziel der Gemeindereform der frühen 70er Jahre in Baden-Württemberg war die Schaffung von großen, starken Gemeinden, die von Fachkräften verwaltet werden und der Bevölkerung möglichst hohe Leistungen bringen können. Die Entstehung der Gemeinde Eggingen erfolgte am 1. Dezember 1971,

Eggingen wurde als „Erchinga“ im Jahr 884 erstmals urkundlich erwähnt, besteht gemäß Funden von Keltengräbern unterhalb der ehemaligen Burg bereits schon vor der Römerzeit. „Es wurde im Laufe der Zeit allen Verantwortlichen in Untereggingen und Obereggingen klar, dass eine Selbstständigkeit der beiden verhältnismäßig kleinen Gemeinden auf Dauer nicht zu erhalten sei“, schreiben Siegfried Hasenfratz und Hans-Wolf Kaczmarczyk in der ersten Ausgabe der Chronik von Eggingen 1973. Die Fusionsprämie für den freiwilligen Zusammenschluss betrug 500.000 DM.

Nachdem der ehemalige Bundestagsabgeordnete Anton Hilbert aus Untereggingen vom Landratsamt Waldshut eine Berechnung der Mehrzuweisungen und Unterlagen über die im Kreis Waldshut erfolgten Gemeindezusammenschlüsse im Mai 1971 angefordert hatte, ergriff der CDU-Ortsverband Eggingen am 19. Juni 1971 die Initiative und lud Bürgermeister und Gemeinderäte von Ober- und Untereggingen sowie Pfarrer Allgaier und Anton Hilbert zu einer gemeinsamen Besprechung ein über die Folgen, die sich aus dem Gesetz zur Gemeindereform für beide Dörfer ergeben. Vorsitzender Hans-Wolf Kaczmarczyk leitete jene denkwürdige Sitzung, in der frei und offen über alle Probleme gesprochen wurde und die zweifelsohne den Durchbruch zu einem gemeinsamen Tun und Handeln brachte. Missverständnisse konnten ausgeräumt werden, und es ergab sich für die Beteiligten überraschend, dass keine wichtigen Gründe einem Zusammenschluss entgegenstehen. Es wurde sogar eine überaus große Übereinstimmung festgestellt. Die Anwesenden waren sich sofort darüber einig, dass es keine Eingemeindung vom kleineren Obereggingen nach Untereggingen geben solle, sondern dass man beide Gemeinden auflösen und dann eine neue Gemeinde bilden wolle. Der erste Gemeinderat sollte mit sechs Sitzen (Untereggingen) und vier Sitzen (Obereggingen) gebildet werden. Da bei wichtigen Entscheidungen eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist, könne so das etwa 330 Einwohner zählende Obereggingen von Untereggingen mit rund 850 Einwohnern nicht überstimmt werden. Die Bürgeranhörungen im Anschluss brachten in Untereggingen eine Mehrheit von 95 Prozent und in Obereggingen von 67,5 Prozent der Abstimmenden für diese Lösung.

  • In letzter Minute: Mit dem Landratsamt wurden die genauen Vereinbarungen über den Zusammenschluss überprüft, dieser wurde vom Regierungspräsidium überprüft und genehmigt. Beide Gemeinderatsgremien stimmten einstimmig für die Vereinbarung, wonach das Regierungspräsidium den 1. Dezember als Tag der Rechtswirksamkeit bestimmt hatte. Eine Wende in der Gemeindereformpolitik der Landesregierung hatte ergeben, dass ab sofort nur noch Zusammenschlüsse mit dem Zentralort genehmigt werden, beinahe wäre die Neugründung von Eggingen gescheitert. Dies konnte in letzter Minute dank einer Intervention in Stuttgart verhindert werden, an der Anton Hilbert und Bürgermeister Paul Hauser beteiligt waren. Wie wichtig der Zusammenschluss sein sollte, das zeigte sich später bei Verhandlungen in Stuttgart über die Beibehaltung der Selbstständigkeit von Eggingen.
  • Erster Bürgermeister: Zum ersten Bürgermeister von Eggingen wurde Paul Hauser am 20. Februar 1972 gewählt. Sein Nachfolger ist seit 11. März 2004 Karlheinz Gantert.

Viele Bürger engagieren sich für die Gemeinde

Eggingen (ywü) Seit der Gemeindereform vor 50 Jahren hat Eggingen seine Attraktion mit zahlreichen Projekten kontinuierlich gesteigert. Die „Gemeinde mit Charme“, hat inzwischen 1798 Einwohner, die sich in den neuen Baugebieten zwischen den ehemaligen Dörfern Unter- und Obereggingen sowie in den neuen Baugebieten Bergäcker I bis III und Rosenäcker angesiedelt haben.

  • Projekte seit der Gemeindereform: Das Dorfzentrum mit Kindergarten (Neubau 1972), Gemeindehalle (Neubau 1978, Sanierung 2009 bis 2018 in mehreren Abschnitten), Einsegnungshalle (Neubau 1987), Grundschule (Neubau 1994) und der Spiel- und Parkanlage am Mauchenbach mit Hochwasserschutz wird täglich stark frequentiert. Für die Jugend zählen die Seilbahn über den Mauchenbach, die Skateranlage und das Soccerfeld zu den beliebtesten Treffpunkten. Doch auch ältere Bewohner spazieren regelmäßig durch die neue Dorfmitte oder kneippen im Mauchenbach.

Nicht nur im Dorfzentrum hat sich in den vergangenen 50 Jahren viel getan. Zu nennen sind hier der Sportplatz mit Vereinsheim (Neubau 1984, Sanierung mit Photovoltaik-Anlage 2011, Kunstrasenplatz 2018/2019), die Einweihung der Umgehungsstraße B314 (1987), der Umbau des Schwimmbads in eine Naturbadesee-Anlage (2001, Sanierung Badesteg und Kleinkinderbecken 2012), Neubau des Hochbehälters mit Sanierung der Wasserversorgung, Neubau des Vereinsheims am Kanal der Guggenmusik Mühlbach-Bazis Eggingen (2003), die Eröffnung der Nordic-Walking-Strecke (2006) sowie kleine, aber notwendige Errungenschaften wie die Erdgasversorgung, Bahnhaltestelle und Sanierung der Himmelstreppe (alle 2007), die regelmäßigen Sanierungen von Straßen wie der Mettinger Straße und der Kirchenvorplatz (2012) und der DSL-Anschluss (2012).

Wie stark sich heute die stolzen Egginger für ihre Gemeinde engagieren, sei hier an drei Beispielen genannt:

Den Zusammenschluss der beiden ehemaligen Gemeinden Ober- und Untereggingen führen die Egginger Narren seit Ehrennarrenvater Andy IV Hinnenberger (1996 bis 2006) deutlich sichtbar vor. Die Sagengestalten „Krutbettjäger“ mit Fuchs (Obereggingen) und „Basler“ mit Blindschleiche (Untereggingen) zieren gleichberechtigt das bemalte Weißhäs. Naturschützer jeden Alters zeigten sich aktiv bei der Bachumlegung, als Fische und Krebse vor dem Austrocknen gerettet wurden, im Zuge der Maßnahmen für die Spiel- und Parkanlage mit Hochwasserschutz.

Eine Bürgerinitiative ist aktuell dabei, den Weg vorzubereiten für einen Schwimmbadverein. Dies ist notwendig durch den Deutschlandweiten Mangel an Badeaufsichtskräften. Eine Selbstverantwortung jedes Mitglieds mit besonderem Blick auf die jungen Badegäste und zahlreichen Schwimmkursen werden dies möglich machen.