Im Enkendorf regt sich Protest gegen die geplante Bebauung einer etwa drei Hektar großen Wiesenfläche im südlichen Bereich des Ortsteils. Nach den ersten Plänen der Stadt sollen auf der Fläche zwischen der Enkendorfstraße und der Tierklinik bis zu 54 Einzel-, Doppel- und Mehrfamilienhäuser entstehen, in denen etwa 270 Menschen leben könnten. Einwohner des Enkendorfs sprechen schon von einer „Trabantenstadt“ und „Klein-Manhatten“ und kündigen gegenüber unserer Zeitung ihren Widerstand gegen die Pläne an.

Was ist geplant?

Das Gebiet „Habiken“ ist neben einer Erweiterungsfläche für den Meierhof das letzte Wohnbaugebiet, das im Wehrer Flächennutzungsplan von 2006 ausgewiesen ist. Die Nachfrage nach Baugrundstücken ist – nicht nur in Wehr – ungebrochen hoch. Waren es vor etwa zehn Jahren vor allem private Bauherren, die Einfamilienhäuser bauten, zieht seit einigen Jahren auch die Nachfrage nach Bauplätzen für den Geschosswohnungsbau stark an. Deshalb hat sich die Stadt entschlossen, im Gebiet Habiken eine Mischbebauung zu ermöglichen. Für drei Varianten hat die Stadtverwaltung dem Gemeinderat nun Pläne vorgelegt. Die von der Stadt favorisierte Variante sieht eine Bebauung mit 23 Einzelhäusern, 22 Doppelhäusern, vier Reihenhäusern und fünf Mehrfamilienhäusern vor.

Widerstand aus dem Enkendorf

Rund 35 Anwohner und Grundstücksbesitzer aus dem Enkendorf haben sich nun zusammengeschlossen und Widerstand gegen die Pläne angekündigt. „Das wird eine regelrechte Trabantenstadt und wird den dörflichen Charakter des Enkendorfs zerstören“, kritisiert ihr Sprecher Oliver Amthor. Dass in Wehr eine große Nachfrage nach Baugrundstücken herrsche, bestreitet er nicht. Allerdings kritisiert er die hohe Dichte und die Art der geplanten Bebauung: „Mit einer dörflichen Bebauung hat das nichts mehr zu tun“, so Amthor zu den insgesamt 45 Einzel- und Doppelhäusern. Gerade einmal 450 Quadratmeter beträgt die durchschnittliche Grundstücksgröße, hinzu kämen mindestens fünf Wohnblocks in der Mitte. Amthor rechnet sogar mit einem sechsten Mehrfamilienhaus, das statt der geplanten Reihenhäuser gebaut werden könnte. Er erinnert an das Baugebiet Große Zelg, wo die ursprünglich geplanten Reihenhäuser aufgrund der mangelnden Nachfrage nicht gebaut wurden und der Bebauungsplan deshalb nachträglich noch einmal geändert wurde.

Anwohner fürchten mehr Verkehr

Die dichte Bebauung werde für das gesamte Enkendorf Folgen haben, befürchten die Anwohner. „270 neue Einwohnern bedeuten 200 zusätzliche Autos„, rechnet Oliver Amthor vor. „Wo sollen die hin?“ Problematisch sei auch, dass das Wohngebiet nur mit einer einzigen Zufahrtsstraße erschlossen werden soll. Nicht nur die direkten Anwohner würden dadurch mit zusätzlichem Verkehr belastet, sondern das gesamte Enkendorf, das mit mehr Durchgangsverkehr rechnen muss. „Der dörfliche Charakter des Enkendorfs wird mit Gewalt kaputt gemacht“, so Amthors Befürchtung. „Die Verstädterung eines Dorfs stößt hier übel auf.“

Am südlichen Rand des Enkendorfs – in der Verlängerung der Wuhrstraße – soll ein neues Baugebiet entstehen. Viele Anwohner sehen dies kritisch. Bild: Justus Obermeyer
Am südlichen Rand des Enkendorfs – in der Verlängerung der Wuhrstraße – soll ein neues Baugebiet entstehen. Viele Anwohner sehen dies kritisch. Bild: Justus Obermeyer | Bild: Obermeyer, Justus

Kritik üben die Anwohner auch am intransparenten Vorgehen der Stadtverwaltung. Zwar habe es Gespräche mit den Grundstücksbesitzern gegeben, in welchen Dimensionen die Bebauung geplant werde, sei bislang aber weitgehend im Dunkeln geblieben, so Amthor. Viele Anwohner fürchteten nun, dass der Bebauungsplan über ihre Köpfe hinweg beschlossen werden solle. Deshalb wollen sie sich schon im Vorfeld zu Wort melden und ihren Protest ankündigen. „Wenn das erst einmal beschlossen wurde, kann man nicht mehr viel ändern. Da müssen wir uns nichts vormachen“, fürchtet Amthor. In der Sitzung am Dienstag geht es freichlich noch nicht um einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan, sondern lediglich um einen „Sachstandsbericht“.

Nicht alle wollen verkaufen

Laut Stadtverwaltung hat sich in Gesprächen mit den Grundstücksbesitzern „eine gewisse Mitwirkungsbereitschaft gezeigt“, wie es in der Gemeinderatsvorlage für Dienstag heißt. Das sieht Oliver Amthor differenzierter: „Ich weiß von vier bis fünf Grundstücksbesitzern, die auf keinen Fall verkaufen wollen. Einer hat zwar zugestimmt, will nun aber seine Zusage zurückziehen.“ Einige hätten bereits Anwälte eingeschaltet. Angeboten wurde den Eigentümern bislang ein Kaufpreis von 60 Euro pro Quadratmeter, diese werde von vielen Eigentümern aber als zu niedrig angesehen. In der Sitzungsvorlage der Stadtverwaltung heißt es hierzu: „Aus Sicht der Verwaltung handelt es sich hierbei aber um ein sehr gutes Angebot. Es darf nicht aus den Augen verloren werden, dass ein Hauptziel der Entwicklung des Baugebiets die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in der derzeit prekären Wohnraumsituation ist. Daher sollte an diesem Angebot festgehalten werden, da es nicht zielführend ist, Wohnraum zu schaffen, der für eine breite Schicht der Bevölkerung nicht bezahlbar ist.“

Wohndichte im Vergleich

Im Habiken sollen auf einer Fläche von etwa drei Hektar bis zu 54 Einzel-, Doppel-, und Mehrfamilienhäuser entstehen. Zum Vergleich: Im letzten städtischen Baugebiet Breit II in Öflingen entstehen derzeit auf ebenfalls drei Hektar Fläche 36 Einzel- und Doppelhäuser. Auf der Großen Zelg war das Verhältnis ähnlich: Im ersten Teil entstanden auf 3,5 Hektar 40 Einzel-, Doppel-, und Mehrfamilienhäuser, im Teil zwei auf gut einem Hektar 14 Bauplätze und im dritten Teil auf 2,7 Hektar 30 Plätze für Einfamilienhäuser.

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