Bürgermeister Michael Thater reagiert auf die Kritik der Anwohner an der Bebauung des Gebiets Habiken im südlichen Enkendorf. „Die Schaffung von erschwinglichem Wohnraum ist eines der aktuellen Kernthemen unserer Republik“, verteidigt er das Ziel der städtischen Planung. Rund 35 Anwohner hatten die Pläne, die Gegenstand der nächsten Gemeinderatssitzung am kommenden Dienstag sind, heftig kritisiert, weil die Bebauung zu dicht sei und der dörfliche Charakter des Enkendorfs gefährdet werde. (Wir berichten in unserer gestrigen Ausgabe ausführlich.) Die Stadt habe aktuell nur noch einen einzigen eigenen Bauplatz, so Thater. Wenn sie also dem Mangel effektiv zu begegnen, müsse sie neue Baugebiete ausweisen. Hier nennt der Flächennutzungsplan nur noch zwei mögliche Gebiete: Der Meierhof und das Habiken. Wenn die Stadt darauf verzichtet, „dann gibt es keinen zusätzlichen Wohnraum„, sieht Thater nicht nur die Stadtverwaltung und den Gemeinderat, sondern die ganze Gesellschaft in der Pflicht.

Natürlich sei es das gute Recht der Grundstücksbesitzer, hoch zu pokern, um einen möglichst hohen Preis für ihr Land zu erzielen. „60 Euro haben wir noch nie für Bauerwartungsland bezahlt“, sieht er aber die Schmerzgrenze erreicht. „Und weil wir mehr bezahlen müssen, müssen wir auch dichter bauen“, um die Kosten für die Bauherren im Rahmen zu halten. Sollte nach der Erschließungsabrechnung ein Gewinn bei der Stadt verbleiben, will er diesen auf die Grundstücksbesitzer umlegen.

„Es wird kein Dorf geben, sondern ein Wohngebiet“, weist er die Kritik am fehlenden dörflichen Charakter zurück. „Genauso wie das Öflinger Wohngebiet Breit II ein Wohngebiet ist und keine Erweiterung des Dorfkerns.“ Breit II sieht er durchaus als Vorbild – allein schon wegen der zügigen Umsetzung von Grundstücksverhandlungen bis zur Erschließung.

Auch die Kritik der Anwohner, die Stadtverwaltung handele intransparent, weist Thater energisch zurück. Es gehe am Dienstag noch nicht um einen Aufstellungsbeschluss des Gemeinderats, sondern lediglich um einen Sachstandsbericht, nachdem die Stadt bereits zwei Jahre mit den Grundstücksbesitzern im Gespräch sei. „In diesem Stadium ist die Stadt noch nie mit Plänen an die Öffentlichkeit gegangen“, so Thater, der betont, dass es aktuell ja drei Planungsvarianten gebe. Aktuell sei die kritisierte Variante die Vorzugsvariante der Stadt. „Am Dienstag kann das aber ganz anders aussehen“, will er der Diskussion im Rat nicht vorgreifen.

Thater kritisiert seinerseits die Anwohner, dass sie ihre Kritik bislang noch nicht gegenüber der Stadtverwaltung geäußert haben. „Ich möchte gerne miteinander reden – und nicht übereinander“, fordert er die Anwohner zum direkten Gespräch auf.

Die drei Varianten

Bild: Obermeyer, Justus

Variante 1 sieht 19 Einzelhäuser, 18 Doppelhäuser, 4 Reihenhäuser und 5 Mehrfamilienhäuser für insgesamt 242 Menschen vor.

Bild: Obermeyer, Justus

Variante 1a ist mit 23 Einzelhäusern, 22 Doppelhäusern, vier Reihenhäusern und fünf Mehrfamilienhäusern die dichteste. Hier könnten etwa 270 Menschen leben.

Bild: Stadt Wehr

Variante 2 verzichten auf die Mehrfamilienhäuser. Stattdessen gint es 27 Einzelhäuser und 26 Doppelhäuser. Hier wäre Platz für 1784 Menschen. Stadtplanerisch ist dieser Entwurf eher langweilig, alle Häuser stehen in Reih und Glied.