Wehr (kf) Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen kommen überall hin. Christine Schmid ist zweifelsohne eine sehr gute Sängerin und Akkordeonspielern. In ihren Chansons ist sie dagegen gerne mal böse, verrucht oder hinterhältig. Mit ihrem Programm „Ich bereue nichts“ kam die Chansonnette am Freitag in „Brandls Kulturscheune“ ins Wehrer Enkendorf. Es war eine Veranstaltung im Rahmen des Wehrer Kultursommers.

„Wie findet man sich, wie bleibt man zusammen, oder wie wird man sich auch wieder los?“ Lauter Fragen, die die Trägerin des deutsch-französischen Chansonpreises in ihren Liedern stellt. Dabei wolle sie gar keine Antworten geben, sondern Verwirrung stiften, gibt sie bei ihrem Auftritt im Enkendorf zu. Schmidt singt und spielt Lieder von Edith Piaf, Jacques Brel, Astor Piazzolla, Helen Vita und vielen anderen. Sie singt auf Französisch, Spanisch, Italienisch und Deutsch, schwätze tuet sie uff Alemannisch. Schließlich wurde sie in Basel geboren und ist in Rheinfelden aufgewachsen, daher ist Alemannisch ihre Sprache und die verleiht ihrem divenhaften Auftreten eine freche Note.

Männer wie Frauen kleben gleichermaßen an ihren Lippen, wenn Christine Schmid von der großen Liebe singt. Der Moment des Glücks ist flüchtig in ihren Liedern, meist endet die Liebe tragisch oder bleibt von Anfang an unerwidert. Wie Marlene Dietrich gesteht auch Christine Schmid „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ und in „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ stellt Schmid genau wie die große Dietrich fest, dass so etwas Schönes wie sie nicht einem alleine gehören sollte.

Es sind vor allem die 20er, 30er und 40er Jahre, denen sich Christine Schmid musikalisch verschrieben hat – nicht nur in Sachen Liebe schwierige Zeiten. Auf der Bühne inszeniert sich die Rheinfelderin als Frau, die die Männer und die Liebe liebt, aber keinen Mann halten kann oder will, belogen und betrogen wird und auch selbst belügt und betrügt. „Mit der Ehe tauscht eine Frau die Aufmerksamkeit vieler Männer gegen die Unaufmerksamkeit eines einzelnen“, ist eine der Weisheiten, die sie zwischen den Liedern zum Thema Liebe und Beziehung kokett preisgibt und so mit ihrem Publikum spielt.

Schmid genoss eine klassische Gesangsausbildung in Basel, besuchte außerdem die Jazzschule Basel, studierte Akkordeonstilistik in Trossingen und absolvierte die Jazz-Varieté-Schule in Paris. Als klassische Sopranistin sammelte sie Erfahrungen in Oper und Operette. Christine Schmid ist eine Vollblutmusikerin, der ihre Weltoffenheit und gleichzeitige Heimatverbundenheit anzumerken ist.

Viele Stücke, die sie am Freitag in "Brandls Kulturscheune" präsentierte, hat sie auch auf ihrer neuesten CD „Paris – Berlin“ veröffentlicht. Dort gesteht sie „Ich will nen Mann“ und dass sie viele Dinge tut „Weil’s verboten ist“. Für einige der Titel, die im Original im Französischen erschienen sind, habe sie sich die Erlaubnis eingeholt, deutsche Texte zu schreiben, erzählt sie. Christine Schmid ist vielseitig, weitgereist, verführerisch und anrüchig – eine perfekte Mischung für ihr die Person, die sie auf der Bühne verkörpert.