Der Ausnahmezustand, der das
Bild in den noch geöffneten Ladengeschäften angesichts der Corona-Pandemie prägt, wird auch die Ostereinkäufe bestimmen. Händler in Waldshut-Tiengen und Umgebung haben diverse Maßnahmen getroffen, um Kunden und Personal vor einer möglichen Ansteckung zu schützen. Allen Betrieben gemeinsam sind Hinweise auf die Abstandsregel.

Wie einschneidend sich das Alltagsleben verändert hat, zeigt exemplarisch ein Aushang im Edeka-Markt der Nachbargemeinde Dogern. Der von Bürgermeister Fabian Prause unterstützte Appell, zwecks Ansteckungs-Vorsorge möglichst alleine zu kommen, lautet: „Einkaufen ist kein Familienausflug.“

Trotz der Pandemie weiterhin geöffnet haben dürfen beispielsweise Lebensmittelmärkte, Drogerien und Apotheken. Die Rechtsverordnung des Landes Baden-Württemberg schreibt in Bezug auf Verkaufsräume unter anderem vor: Die Betriebe müssen dafür sorgen, dass zwischen Personen ein Abstand von möglichst zwei Metern und mindestens 1,5 Metern eingehalten wird, sofern es keine geeigneten Trennvorrichtungen wie etwa Plexiglasscheiben gibt. Dementsprechend finden sich vor und in den Geschäften entsprechende Hinweise. Und an Kassen und Theken sind Plexiglasscheiben, der sogenannte Spuck- und Niesschutz, weitgehend zum Standard geworden.

Für Menschen, die zur Risikogruppe zählen und lieber gar nicht einen Ladenraum betreten möchten, bieten mehrere Lebensmittelmärkte einen Lieferservice an.

Desinfektion für Wagen

Einzelheiten zu der Frage, wie eine Überfüllung eines Geschäfts und damit eine Gefährdung des Mindestabstands zu verhindern ist, sind in der Landesverordnung nicht geregelt. Dementsprechend unterschiedlich sind die Maßgaben in den geöffneten Verkaufsräumen in Waldshut-Tiengen.

Während ein Großteil der Geschäfte keine speziellen Hinweise zur Zutrittsregelung gibt, verteilt beispielsweise ein Drogeriemarkt in Waldshut Nummernkärtchen an Kunden, um stets über die Zahl der Personen im Laden informiert zu sein. Zum gleichen Zweck schreibt ein Discounter in Tiengen als einziger Supermarkt in Waldshut-Tiengen vor, dass Kunden grundsätzlich einen Einkaufswagen benutzen müssen.

In der Nachbargemeinde Dogern hat sich der Edeka-Markt Schulz, wo auch Kunden aus Waldshut regelmäßig einkaufen, ebenfalls zur Einkaufswagenpflicht entschieden. Falls kein Karren mehr frei ist, müssen neue Kunden vor dem Eingang warten. Willkommener Nebeneffekt der Maßnahme: Wer das Gefährt vor sich herschiebt, hält damit in der Regel auch genug Abstand zu anderen Kunden ein. Inhaberin Nina Schulz sagt auf Anfrage dieser Zeitung: „Wir wollen sicherstellen, dass die Hygieneregeln eingehalten werden.“

Doch wie steht es um die Ansteckungsgefahr, wenn der Griff eines Einkaufswagens angefasst wird? Bisher gibt es dazu zwar keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Doch laut Äußerungen von Virologen ist es eher unwahrscheinlich, dass das Virus über solche Oberflächen, etwa auch Türklinken, übertragen wird. Gleichwohl weist der Tiengener Discounter mit Einkaufswagenpflicht darauf hin, dass die Karren regelmäßig desinfiziert würden.

Der Schulz-Markt in Dogern geht noch einen Schritt weiter: Neben den Einkaufswagen, ohne die man ja nicht mehr in den Laden darf, stehen Behälter mit Desinfektionsmitteln, damit Kunden die Haltegriffe vor dem Einkauf selbst reinigen können. Dazu liegen auch die erforderlichen Papiertücher bereit.

Wer mit Beschäftigten im Einzelhandel spricht, erfährt: Nicht alle Kunden reagieren auf die Vorschriften und Einschränkungen mit Verständnis. Eine Mitarbeiterin eines Betriebs in Waldshut, die nicht genannt werden möchte, drückt es diplomatisch aus: „Die Leute sind überwiegend nett. Manche sind halt angespannt.“ Und Nina Schulz meint: „Es gibt auch Kunden, die von den Vorsorgemaßnahmen überzeugt werden müssen.“