Erleichterung, dass die Zwangspause vorbei ist, aber auch Sorge angesichts der nach wie vor bestehenden Virus-Bedrohung: Diese Stimmung ist im Einzelhandel der Einkaufsstädte Waldshut und Tiengen festzustellen, nachdem die Geschäfte dank Lockerung der Corona-Restriktionen wieder öffnen durften. Die allgegenwärtigen Hygiene-Anweisungen machen deutlich, dass nur ein Stück Normalität zurückgekehrt ist. Dass die Fußgängerzonen noch nicht wieder die übliche Frequentierung erreicht haben, hängt auch mit der wegen der Grenzschließung nach wie vor ausbleibenden Schweizer Kundschaft zusammen.

Doppelte Sicherung mit Plexiglasscheibe und Maske: Seniorchef Ralf Dockhorn steht an einer Ladentheke im Waldshuter Fotofachgeschäft Ringfoto Dockhorn.
Doppelte Sicherung mit Plexiglasscheibe und Maske: Seniorchef Ralf Dockhorn steht an einer Ladentheke im Waldshuter Fotofachgeschäft Ringfoto Dockhorn. | Bild: Gerard, Roland

Seit Montag dürfen auch wieder die Ladengeschäfte geöffnet haben, die nicht wie beispielsweise Lebensmittelmärkte, Apotheken und Dogerien unter die Ausnahmeregelung fielen. Voraussetzung war eine Verkaufsfläche von maximal 800 Quadratmetern. Praktisch alle Läden, die in den Innenstädten von Waldshut-Tiengen unter diese Regelung fallen, haben spätestens seit Mittwoch wieder geöffnet.

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Lösung für große Läden

Bisher sah es danach aus, dass keine Lösung gefunden wurde für Einzelhandelsbetriebe, die größer sind als 800 Quadratmeter. Die Überlegung, durch Absperrung von Flächen eine Öffnung zu ermöglichen, war zunächst an der konsequenten Haltung der Landesregierung gescheitert. In der Waldshuter Fußgängerzone betroffen waren davon das Modehaus und das Sportgeschäft der May-Gruppe. Auch beim Bekleidungshaus C&A in der Kaiserstraße blieb der Verkauf weiterhin eingestellt.

In der Hauptstraße von Tiengen musste das Modegeschäft May Fashion, das unternehmerisch nicht mit der Waldshuter May-Gruppe verbunden ist, geschlossen bleiben. Auch das City-Haus, das ungeachtet seiner drei einzeln geführten Läden als Gesamt-Geschäftshaus gewertet wird, durfte vorerst nicht öffnen. Am Mittwochnachmittag jedoch informierten die Bundestagsabgeordneten Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) und Felix Schreiner (CDU) über eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Sigmaringen. Demzufolge sei eine Öffnung des Geschäfts auch bei Abtrennung eines Teilbereichs zulässig.

Noch spärlich besucht sind in den ersten Tagen nach der Lockerung der Corona-Restriktionen die Einkaufsstraßen in Tiengen (Foto) und Waldshut.
Noch spärlich besucht sind in den ersten Tagen nach der Lockerung der Corona-Restriktionen die Einkaufsstraßen in Tiengen (Foto) und Waldshut. | Bild: Gerard, Roland

Stammkunden kommen wieder

Erleichtert nach der rund vierwöchigen Zwangspause zeigen sich die Geschäftsleute, die bereits am Montag wieder öffnen durften. Zu ihnen zählt Gitta Maier-Wehrle vom Sporthouse in Waldshut. „Allerdings sind wir die nächste Zeit personell nur in einer kleineren Besetzung im Laden“, merkt die Einzelhändlerin an. Thomas Wartner (Modegeschäfte Stulz in Waldshut) sieht die Fußgängerzone wieder relativ gut frequentiert und meint: „Da fällt vieles auf die Stammkunden zurück, die durch Social Media und App Marketing gepflegt wurden und nun wieder in die Stadt kommen.“

Allgegenwärtig sind die Hygienevorkehrungen in den Ladengeschäften, hier am Eingang einer Boutique in der Fußgängerzone von Waldshut.
Allgegenwärtig sind die Hygienevorkehrungen in den Ladengeschäften, hier am Eingang einer Boutique in der Fußgängerzone von Waldshut. | Bild: Gerard, Roland

Sprecher Jochen Seipp vom Werbe- und Förderungskreis Waldshut vermisst unterdessen eine politische Perspektive zu der Frage, wann alle Geschäfte sowie die Gastronomie wieder vollständig öffnen können. Und für die Kundenfrequenz entscheidend sei eine baldige Wiederöffnung der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz. Weiterer Aspekt: „Wie und wann geht es mit der Kindergartenbetreuung weiter?“. Das sei für Arbeitgeber genauso wichtig wie für Arbeitnehmer und bisher immer noch völlig ungewiss.

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„Es ist noch weniger los in den Geschäften“, zieht Geschäftsführerin Nikola Kögel von der Aktionsgemeinschaft Tiengen eine erste Bilanz. Zwar freuten sich die Händler, dass sie nun wieder Kunden bedienen dürfen, doch die Stimmung sei angesichts der Virus-Gefahr gedrückt: „Es ist kein normaler Verkauf.“ Ihr Eindruck: „Das Kundenverhalten ist momentan eher auf Bedarfsdeckung ausgerichtet.“

Mit einem Trommelwirbel am Schlagzeug freut sich Inhaber Wolfgang Meier vom Musik-Atelier Tiengen über die Wiederöffnung der Verkaufsräume.
Mit einem Trommelwirbel am Schlagzeug freut sich Inhaber Wolfgang Meier vom Musik-Atelier Tiengen über die Wiederöffnung der Verkaufsräume. | Bild: Gerard, Roland

In Tiengen zählt Wolfgang Meier, Inhaber des Fachgeschäfts Musik-Atelier, zu den Einzelhändlern, die sich über das Ende der Zwangspause freuen können. Gleich bei der Wiederöffnung am Montagmorgen sei schon der erste Kunde vor der Ladentür gestanden. Der gelernte Instrumentenbauer: „Ich sehe gute Chancen, bald wieder aus der Kurzarbeit herauszukommen.“

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