Frau Granacher, hat die Corona-Krise für Sie zu persönlichen Einschränkungen geführt?

Es gab Einschränkungen, die aber für mich gut zu verkraften waren. Beim RSV fielen die Übungseinheiten in meiner Aerobic-Gruppe aus und mit der Schließung der Gaststätten ist mein Nebenjob als Bedienung im Waldshuter Café „Ratsstüble“ weggefallen. Dagegen gab es im Pfarrbüro einen enormen Mehraufwand, etwa durch die vielen Erlasse der Erzdiözese Freiburg zur Umsetzung der Hygienevorschriften und der Kontaktdatenerhebung bei den Gottesdiensten. Viele Aktionen wurden geplant, wieder abgesagt oder umgeändert.

Sie sind seit sechs Jahren Vorsitzende des RSV Schmitzingen. Welche Auswirkungen hatte die Krise auf Ihren Verein?

Die Corona-Krise hat den RSV vom Frühjahr bis in den Sommer 2020 lahmgelegt. Durch die Schließung des Gerätehauses waren keine sportlichen Aktivitäten in den sieben Untergruppierungen möglich. Alles musste abgesagt werden, das traditionelle Eierlesen mit Hindernisfahren am Ostermontag, die Frühjahrs- und Herbstwanderung und das Theater am ersten Adventswochenende.

Manfred Dinort
Manfred Dinort | Bild: privat

Die Theaterabende des Radsportvereins waren immer sehr erfolgreich. Woran lag das?

Ja, das Theater war immer ein großer Erfolg und auch eine wichtige Einnahmequelle für den Verein. Aufgrund der großen Nachfrage fanden vier Aufführungen statt. Wir profitierten von den langjährigen Stammspielern, der guten Theaterauswahl, der Platzreservierung und den stetigen Verbesserungen. Seit 2016 hatten wir jährlich 600 Gäste aus nah und fern. Ich hätte mir vorstellen können, auch in diesem Jahr Theater zu spielen, mit Konzertbestuhlung, nur mit 50 Zuschauern, dafür aber mit mehr Aufführungen. Das scheiterte aber an der Sorge einzelner Spieler wegen Corona. Im November kam es dann erneut zur Schließung des Gerätehauses.

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Danach kam die Fasnacht....

Ja, und dafür gab es den Narrenrat. Inzwischen wurde aus steuerlichen Gründen ein Förderverein gegründet, der für die Schmitzinger Fasnacht und den Bunten Abend zuständig ist. Die Fasnacht 2020 konnte noch erfolgreich durchgeführt werden.

Eine Rarität in der Region war der Eierlauf...

Das ist eine Traditionsveranstaltung des RSV, die jedes Jahr am Ostermontag Hunderte Besucher nach Schmitzingen lockt. Der Lauf wird bei jeder Witterung durchgeführt, zwei Läufer treten gegeneinander an und müssen je 50 Eier unversehrt ins Ziel bringen. Anschließend findet ein Hindernisfahren auf einem Fahrradparcours statt, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

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Gab es in den Abteilungen ebenfalls Einschränkungen?

Alle sieben Unterabteilungen waren lahmgelegt. Besonders leid tat es mir um die drei Jugendgruppen. Sie hatten nach den Sommerferien gerade wieder Fahrt aufgenommen, da kam der erneute Stopp, obwohl wir alle Hygienevorschriften eingehalten hatten. Als Vorsitzende musste ich mit meiner Unterschrift bei der Stadt Waldshut-Tiengen die Verantwortung übernehmen.

Könnte sich die Corona-Krise nachteilig auf den Verein auswirken?

Ja, in sportlicher als auch in finanzieller Hinsicht. Den Mitgliedsbeitrag beim Markgräfler Hochrhein Turngau, sowie die Versicherungen decken wir immer durch die jährlichen Mitgliedsbeiträge ab. Im Moment können wir auf Reserven zurückgreifen, die meine Vorgänger und mein jetziges Vorstandsteam durch solides Wirtschaften erarbeitet haben.

Was wäre Schmitzingen ohne seinen RSV?

Der frühere Ortsvorsteher Siegmar Mutter hat immer wieder betont, wie wichtig der RSV für Schmitzingen ist. Mit seinen vielen Untergruppierungen und Veranstaltungen bringt er Leben ins Dorf und fördert den Zusammenhalt. Diese positive Einstellung hat auch mich geprägt.

Ist der Verein auch manchmal eine Last?

Ja, nicht nur manchmal. Einen Verein mit 380 Mitgliedern zu führen, macht fast täglich Arbeit. Viele Entscheidungen sind umstritten. Schlaflose Nächte hat mir auch das Finanzamt bereitet, unter anderem wegen der Gemeinnützigkeit. Als Vorsitzende braucht man Standfestigkeit und Überzeugungskraft. Andrerseits darf man nicht alle Äußerungen persönlich nehmen, da muss man darüberstehen. Was mir, ehrlich gesagt, manchmal noch schwerfällt. Als positiv empfinde ich die ständigen Kontakte zu den Mitgliedern und den Geburtstagsjubilaren. Als gebürtige Schmitzingerin bin ich mit dem RSV groß geworden, der Verein liegt mir sehr am Herzen.

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Haben Sie auch Erfahrungen in anderen Vereinen gesammelt?

Ich war vier Jahre Vorsitzende des Musikvereins Gaiß-Waldkirch und ich habe 17 Jahre aktiv im Verein mitgespielt.

Wie steht es um die nächste Hauptversammlung?

Die Hauptversammlung 2020 haben wir am 4. Januar durchgeführt. Bei der Hauptversammlung 2021 stünde die Wahl der/des ersten Vorsitzenden an.

Und wie sieht es um die Zukunft des RSV aus?

Da steht ein besonderes Ereignis an: 2022 feiert der RSV sein 100-jähriges Jubiläum und dazu haben wir uns schon viele Gedanken gemacht und auch einiges geplant, etwa die Bewerbung um den Gauturntag des Markgräfler-Hochrhein-Turngaus, dem wir als Mitglied angehören.

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