Stück für Stück verschwand in Tiengen das Haus, das über 50 Jahre lang die Ecke von unterer Hauptstraße und Heckerstraße in Tien-
gen geprägt hat. Der Abriss des alten Volksbank-Gebäudes war bis zum Wochenende fast abgeschlossen, nur ein Teil des Eingangsbereichs stand noch. Für den nun folgenden Neubau liegt inzwischen die Baugenehmigung vor, informierte auf Anfrage dieser Zeitung Klaus-Dieter Ritz, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Hochrhein. Nach seiner Auskunft steht nach wie vor nicht fest, durch wen die im Erdgeschoss entstehenden Ladenflächen genutzt werden.

Unter Einbeziehung des Areals von zwei Nachbargebäuden, die bereits abgerissen wurden, errichtet die Volksbank an der exponierten Lage vor der Pforte zur Fußgängerzone ihr neues Geschäftshaus. Es wird zu großen Teilen von dem Geldinstitut selbst genutzt, daneben sind Wohnungen, Büros, Arztpraxen und Flächen für Einzelhandel vorgesehen. Die reinen Kosten für dass Gebäude beziffert Klaus-Dieter Ritz mit gut 16 Millionen Euro. Noch hinzugerechnet werden müsse der Aufwand für die Inneneinrichtung der Bankräume.

Voraussichtlich zu Beginn des Jahres 2022 soll das dreigeschossige und in L-Form angelegte Gebäude fertig sein. Das Projekt liegt nach Auskunft von Ritz bisher im Zeitplan. Der mögliche Unsicherheitsfaktor, die Corona-Krise, führe zumindest nach jetzigem Stand zu keinen Verzögerungen. Wie bei älteren Gebäuden üblich, tauchten auch im vorliegenden Fall unerwartete Erschwernisse auf. So wird bei Betondecken, die mit Spanplatten verbunden waren, die Entsorgung komplizierter. Der Volksbank-Chef: „Da haben wir gewisse Mehraufwendungen, die sich aber im Rahmen halten.“

Viele Interessenten gebe es bereits für die in dem neuen Gebäude entstehenden Wohnungen. Noch nicht vergeben seien die übrigen Räumlichkeiten für Büros, Arztpraxen sowie Einzelhandel. Als Ladenfläche stehen insgesamt 1400 Quadratmeter zur Verfügung, die nach Bedarf aufgeteilt werden können.
Bevorzugte Einzelhandelsbranchen sind nach den Worten von Klaus-Dieter Ritz die Sparten Bekleidung oder Schuhe. „Wir wollen mehr Laufkundschaft nach Tiengen holen“, sagt der Vorstandsvorsitzende.

Im Zusammenhang mit den ursprünglichen und dann nicht realisierten Plänen, die Modekette H&M als Mieter zu gewinnen, stand eine mögliche Verlängerung der Fußgängerzone bis vor das neue Geschäftshaus. Diesen autofreien Bereich wird es im Rahmen des neuen Verkehrskonzepts für die südliche Innenstadt jedoch nicht geben. Dies liegt daran, dass die untere Hauptstraße, an der das Volksbank-Grundstück steht, eine wichtige Achse im innerstädtischen Verkehr ist. Diese Funktion wäre nach einer Unterbrechung durch eine Fußgängerzone nicht mehr gegeben. Die Folge, so Bürgermeister Joachim Baumert auf Anfrage, wäre während der Hauptverkehrszeit eine Überlastung des Knotenpunkts Landesstraße 159/Klettgaustraße (Ortsdurchfahrt) mit der Heckerstraße gewesen. Ein Verkehrskonzept mit einer verlängerten Fußgängerzone wäre daher durch das Land als Träger der L 159 nicht genehmigt worden. Dementsprechend hat der Gemeinderat eine modifizierte Planvariante beschlossen. Baumert: „Wesentlicher Bestandteil der Neuordnung des innerstädtischen Verkehrssystems ist die direkte Verkehrsanbindung der Weihermattstraße an die Klettgaustraße (L 159) mit geänderter Verkehrsführung im Bereich Sulzerring/Heckerstraße/untere Hauptstraße.“

Das Volksbank-Projekt, so Klaus Dieter Ritz, soll den Standort Tiengen zusammen mit dem Klettgau-Carree stärken. Für das zweite große Geschäftshaus, das in der Nachbarschaft am Sulzerring geplant ist, steht zwar noch kein Termin für den offiziellen Spatenstich fest. Laut Auskunft von Investor Claus Schleith ist der Baubeginn jedoch für dieses Jahr geplant. Damit würden dann beide Großprojekte zumindest teilweise parallel laufen.

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