Die Aufgabenstellung war eindeutig: unten die Feuerwehr, auf dem Dach darüber die Kinder. Zehn Architekturbüros hatten sich in den vergangenen Monaten damit beschäftigt, ein städtisches Gebäude an der Robert-Gerwig-Straße in Waldshut zu planen, das sowohl das neue Gerätehaus der Feuerwehr als auch eine Kindertagesstätte beherbergt. Neun von zehn Büros reichten schließlich ihre Entwürfe beim Architektenwettbewerb ein, den der Gemeinderat ausgelobt hatte.

Wodurch der Entwurf des Wettbewerbsiegers besticht

Am Ende sei es "eine klare Sache" gewesen, sagte Hochbauamtsleiter Lorenz Wehrle und verkündete in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats den Sieger des Verfahrens: Den ersten Platz belegt das Konstanzer Architekturbüro Bächle/Meid. Das 15-köpfige Preisgericht hatte sich nach eintägiger Beratung einstimmig für den Entwurf des zweigeschossigen Gebäudes ausgesprochen. "Es war eine spannende Diskussion", sagte Wehrle über die Entscheidungsfindung der Jury, die sich aus fünf Stadträten, Oberbürgermeister Philipp Frank, Bürgermeister Joachim Baumert, vier Architekten sowie Vertretern von Feuerwehr und Kindertageseinrichtungen zusammensetzte.

Der Wettbewerb wurde anonym durchgeführt. Das bedeutet, dass die Jurymitglieder erst nach ihrem Urteil erfuhren, welches Modell von welchem Büro entworfen worden war. "Das war richtig spannend", erinnerte sich Bürgermeister Joachim Baumert.

So könnte das neue Gerätehaus mit Kita (rechts im Bild) aussehen.
So könnte das neue Gerätehaus mit Kita (rechts im Bild) aussehen. | Bild: Bächle/Meid

Und was macht das Modell des Konstanzer Büros zum Gewinner? "Der Entwurf konzentriert sich aufs Wesentliche und landet damit einen Volltreffer", beschrieb es Lorenz Wehrle. Und Bürgermeister Baumert ergänzte: "Das Projekt besticht dadurch, dass es wirtschaftlich und funktional ist." Außerdem füge es sich laut Wehrle städtebaulich gut in die Umgebung ein.

Das schlichte, zweigeschossige Gebäude soll die Feuerwehr und eine Kita unter einem Dach vereinen, ohne dass sich beide Nutzer ins Gehege kommen. Möglich machen dies getrennte Zugänge. Während die Feuerwehr eine kreuzungsfreie Zu- und Abfahrt an der Südseite zur Bahnlinie bekommen soll, ist die Kita per Treppe und Aufzug von der Nordseite zum Ziegelfeld hin erreichbar.

Platz zum Spielen und Toben auf der Dachterrasse

Die Fahrzeughalle der Feuerwehr bekommt ein großes Vordach, das die Feuerwehrkameraden vor Wind und Wetter schützt. Rechts daneben, von der Südseite aus gesehen, ist die Funkleitstelle vorgesehen. Hinter der Fahrzeughalle sowie Schulungs- und Aufenthaltsräumen soll es eine weitere Garage für Autos geben. Auf der großen Dachfläche des Gerätehauses wird es Platz für drei Kindergartengruppen geben. Platz zum Spielen und Toben haben die Kinder nicht nur in den hellen Räumen, sondern auch auf der Dachterrasse.

<strong>So sieht es in anderen Städten aus:</strong> In Nürnberg gibt es bereits einen Kindergarten auf einem Hausdach. So oder so ähnlich könnte schon bald die neue Kita auf dem geplanten Feuerwehrgerätehaus in Waldshut an der Robert-Gerwig-Straße aussehen.
So sieht es in anderen Städten aus: In Nürnberg gibt es bereits einen Kindergarten auf einem Hausdach. So oder so ähnlich könnte schon bald die neue Kita auf dem geplanten Feuerwehrgerätehaus in Waldshut an der Robert-Gerwig-Straße aussehen. | Bild: querwärts ARCHITEKTEN, Nürnberg

Lorenz Wehrle empfahl dem Gemeinderat, den Beschluss zur baulichen Realisierung des Siegerentwurfs zu fassen. Der Hochbauamtsleiter mahnte zur Eile: Damit der Baubeginn noch 2019 erfolgen kann, müssen zur Beantragung von Fördermitteln bis zum 15. Februar baureife Unterlagen vorliegen.

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Harald Würtenberger, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, fragte im Gemeinderat nach den Kosten für die Realisierung des Gebäudes. Wehrle entgegnete, dass man zum jetzigen Zeitpunkt "kein Preisschild dranhängen" könne, dass der Entwurf aber "äußerst wirtschaftlich ist, weil er sparsam im Flächenverbrauch ist".

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Parkplätze müssen weichen

Das Feuerwehrgerätehaus soll auf dem Gelände an der Robert-Gerwig-Straße zwischen dem Rewe-Einkaufsmarkt und dem Betriebshof der Südbaden Bus GmbH errichtet werden. "Das ist ein wertvolles Grundstück, das bebaut werden muss", sagt Lorenz Wehrle. Derzeit befindet sich dort ein Park-and-Ride-Parkplatz. Wohin mit den Autos, wenn das Feuerwehrhaus gebaut wird? "Das Thema ist erkannt und wird bearbeitet", sagt der Hochbauamtsleiter auf Nachfrage dieser Zeitung. Derzeit sei ein Parkraumkonzept in Arbeit.

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Das Projekt und der Wettbewerb

  • Wozu braucht es den Neubau? Aufgrund der regen Bautätigkeit in der Stadt reichen die Kita-Plätze nicht mehr aus. Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl der Einwohner auf 25 500 steigen. Der größte Bedarf besteht an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren. Gleichzeitig wartet die Feuerwehrabteilung Waldshut seit etlichen Jahren auf einen Neubau ihres Gerätehauses. Ihr Domizil am jetzigen Standort Johannisplatz ist zu klein und vor allem baufällig. Zudem wird der Platz für weitere Angebote der Heinrich-Hansjakob-Schule benötigt.
  • Wo kann man die Entwürfe des Architektenwettbewerbs anschauen? Alle eingereichten Entwürfe werden im Feuerwehrgerätehaus Tiengen, Molkereistraße 2, öffentlich ausgestellt. Öffnungszeiten sind täglich bis kommenden Freitag, 28. September, jeweils 15 bis 18 Uhr.