Scharfe Kritik, viel Lob und am Ende eine deutliche Mehrheit. Der Gemeinderat der Stadt Waldshut-Tiengen hat am Montagabend das neue Feuerwehrgerätehaus für die Abteilung Waldshut sowie gleichzeitig eine neue Kindertagesstätte (Kita) auf den Weg gebracht. Auf dem ehemaligen Güterbahnhofareal zwischen Bahnlinie und Ziegelfeld soll ein neues Gerätehaus gebaut werden. Und obendrauf eine Kita.

600 Quadratmeter Freifläche zum Spielen

Ein- oder zweistöckig, mit einer etwa 600 Quadratmeter großen Freifläche zum Toben und Spielen in freier Natur, wenn auch nicht – wie sonst üblich und gewohnt – ebenerdig. Vertreter der Feuerwehr-Abteilung zeigten sich mit der Lösung zufrieden.

  • Zum Hintergrund: In der Stadt Waldshut-Tiengen gibt es aktuell 21 Kitas mit 1100 Plätzen, die von fünf Trägern betrieben werden. Aufgrund der regen Bautätigkeit reichen die Plätze aber nicht mehr aus. Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl der Einwohner auf 25 500 steigen. Der größte Bedarf besteht an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren. Gleichzeitig wartet die Feuerwehr-Abteilung Waldshut seit etlichen Jahren auf einen Neubau ihres Gerätehauses. Ihr Domizil am jetzigen Standort Johannisplatz ist zu klein und vor allem baufällig. Zudem wird der Platz für weitere Angebote der Heinrich-Hansjakob-Schule gebraucht.
  • Das Blaulichtzentrum: Nachdem das Grundstück der Robert-Gerwig-Straße als Standort für das neue Feuerwehrhaus feststand, gab es alsbald Überlegungen dort ein sogenanntes Blaulichtzentrum für Feuerwehr, Polizei und Rotes Kreuz zu bauen. Aus diesen Plänen wurde jedoch nichts. Jetzt soll nur noch die Feuerwehr dorthin umziehen, eine Fläche für ein mögliches neues Polizeirevier ist weiterhin reserviert.
  • Das Feuerwehrgerätehaus: Unstrittig in der Sitzung war der Bau eines neuen Gerätehauses am Ende der Robert-Gerwig-Straße. Die Erschließung, sowohl für die Einsatzfahrzeuge als auch für die Autos der Einsatzkräfte, soll über Süden, also in Richtung Bahnlinie erfolgen. Die Vertreter der Abteilung Waldshut zeigten sich mit den Plänen einverstanden. Alle Wünsche der Wehr seien erfüllt. So soll das Gelände zur Wohnbebauung im Norden mit einem Zaun abgetrennt werden. Dieser diene, so Hochbauamtsleiter Lorenz Wehrle, sowohl als Sicht- wie auch als Lärmschutz. Alle Räume der Feuerwehr werden im Erdgeschoss eingerichtet.
  • Die Kindertagesstätte: Die neue Kita soll auf dem Dach des geplanten Gerätehauses entstehen. Eine Idee, der fast, aber nicht alle Stadträte folgen wollten oder konnten. Für Hochbauamtsleiter Wehrle jedoch eine nahezu ideale Lösung: „Es gibt nichts, was dagegen spricht. Aber es gibt extrem viel, was dafür spricht.“ So könnten drei Gruppen, auf ein oder zwei Etagen entstehen, sodass künftig zwischen 60 und 70 Kinder auf dem Dach der Feuerwehr toben und spielen könnten . Und das auch im Freien – ebenfalls über den Köpfen der Feuerwehrleute – natürlich geschützt durch entsprechende Geländer. Denn die Größe des Gerätehauses bietet Raum für eine Freifläche von etwa 600 Quadratmetern Größe.
<strong>So sieht es in anderen Städten aus:</strong> In Nürnberg gibt es bereits einen Kindergarten auf einem Hausdach. So oder so ähnlich könnte schon bald die neue Kita auf dem geplanten Feuerwehrgerätehaus in Waldshut an der Robert-Gerwig-Straße aussehen.
So sieht es in anderen Städten aus: In Nürnberg gibt es bereits einen Kindergarten auf einem Hausdach. So oder so ähnlich könnte schon bald die neue Kita auf dem geplanten Feuerwehrgerätehaus in Waldshut an der Robert-Gerwig-Straße aussehen. | Bild: querwärts ARCHITEKTEN, Nürnberg
  • Die Vorbilder: Waldshut-Tiengen würde mit dem Projekt Kita auf bestehendem Gebäude Neues wagen, aber mitnichten Neuland betreten. Vorbilder für solche Vorhaben gibt es. Auch wenn dafür der Blick deutlich über die Region hinaus gerichtet werden muss. Vorbilder gibt es beispielsweise in Nürnberg, Innsbruck und in Japan. Die Bilder dieser Kitas auf Dächern bereits existierender Gebäude beeindruckten das Ratsrund sichtlich und gaben möglicherweise auch den Ausschlag für die letztlich breite Zustimmung zu diesem Konzept. Die Idee überzeugte auch Oberbürgermeister Philipp Frank: „Das Thema begeistert mich. Es wäre ein Vorzeigeprojekt für die Stadt.“ Ungeachtet aller Vorfreude sagte er aber auch: „Wir bewegen uns in Sachen Kita-Neubau im Pflichtbereich. Wir müssen weitere Kita-Plätze vorhalten.“

Deutliche Kritik an der Verwaltung

In der Diskussion um eine Kita auf dem geplanten Feuerwehrhaus gab es harsche Kritik, aber auch Lob für die Stadtverwaltung.

Das sagen die Kritiker

  • Harald Würtenberg, FW: Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler legte als erster so richtig los. In seiner vorherigen Sitzung, so Würtenberger, habe der Gemeinderat die Dach-Lösung abgelehnt. Jetzt stehe das Thema erneut auf der Tagesordnung. Mangels ausliegender Protokolle (wie im Kreistag üblich, so Würtenberger) könne er dies nicht beweisen. Deshalb drohte er: „Ich werde mich weigern, an Sitzungen teilzunehmen, wenn künftig keine Protokolle ausliegen.“ Außerdem vermisse er das immer wieder angesprochene Lärmschutz-Gutachten. Würtenberger: „Ich fühle mich nicht Ernst genommen.“ Und: „Ich möchte nicht mehr über ungelegte Eier beschließen, das ist für mich vorbei.“ Ungeachtet der Kita-Diskussion sei der Feuerwehr-Neubau für ihn gesetzt.
  • Helmut Maier, CDU: Auch der Vorsitzende der CDU-Fraktion kritisierte die Verwaltung. „Ich störe mich an der Art und Weise, wie die Verwaltung mit uns umgeht.“ Bislang gebe es nur eine Freihandskizze. Zudem monierte Maier, dass der Gemeinderat über einen Architekten-Wettbewerb abstimmen soll, obwohl bereits 20 bis 30 Architekturbüros diesbezüglich angeschrieben worden seien. Dies, so Hochbauamtsleiter Lorenz Wehrle, habe nichts mit dem Beschluss über die Kita zu tun. Aufgrund des Zeitdrucks – bis Februar 2019 müssen Pläne für die Zuschussanträge vorliegen – habe die Bauverwaltung unverbindlich Architekturbüros angefragt.
  • Joachim Tröndle, FDP: Obwohl es viele Lösungsansätze gebe, stelle die Verwaltung lediglich einen Vorschlag vor. Tröndle: „Das geht nicht!“ Außerdem sprach er sich klar gegen eine Kita auf dem Dach des Feuerwehrhauses aus. Tröndle: „Unsere Eltern haben mehr zu erwarten als eine Kita auf dem Dach.“
  • Gerhard Vollmer, SPD: Auch wenn er gerne mehr Informationen gehabt hätte, insbesondere was den finanziellen Aufwand anbelangt, befürwortete der SPD-Fraktionschef die angedachte Lösung: „Das ist eine zukunftsgerichtete Lösung.“

Das sagen die Befürworter

  • Harald Ebi, FDP: Der Fraktionschef der Liberalen fand die Idee „super“. Ebi: „Wir haben nicht so viel freie Fläche in der Stadt, deshalb müssen wir in die Höhe bauen. Außerdem leben wir im 21. Jahrhundert.“ Deshalb sollten „wir das Projekt starten“.
  • Sylvia Döble, SPD: „Eine Kita im Obergeschoss kann für Kinder wahnsinnig interessant sein.“ Gut sei auch, dass sich Feuerwehr und Kita nicht ins Gehege kämen.
  • Rita Mosel, CDU: „Wir haben einen großen Bedarf an Betreuungsplätzen in der Stadt. Deshalb werde ich dem Projekt zustimmen.“
  • Eugen Schupp, CDU: „Eine elegante, neue Lösung für die Stadt.“