Die Steina ist ein 37 Kilometer langer Fluss im Landkreis Waldshut. Sie entspringt etwa 1,6 Kilometer nordöstlich des Ortsrandes von Schluchsee auf über 1060 Metern über dem Meeresspiegel und fließt mehr oder weniger parallel zur westlich gelegenen Schlücht in einem weiten Rechtsbogen durch das Steinatal – wenn sie denn fließt. Denn bevor die Steina ihre Mündung zwischen Tiengen und Lauchringen erreicht, ist sie meistens bereits versickert. Besonders in den Sommermonaten liegt das steinige Flussbett meistens – in der Vergangenheit immer früher – trocken.

Zwischen Tiengen und Lauchringen liegt das Flussbett der Steina bereits trocken. Ein Pegel erinnert daran, wie hoch das Wasser hier ...
Zwischen Tiengen und Lauchringen liegt das Flussbett der Steina bereits trocken. Ein Pegel erinnert daran, wie hoch das Wasser hier steigen kann. | Bild: Peter Rosa

Wenige Kilometer von der Quelle entfernt, schneidet sich die Steina bereits in ein Tal von 100 Metern Tiefe. Auf seinem weiteren Weg windet sich der Fluss stark in ausgeprägten Mäandern. Er durchfließt dabei im Oberlauf zwischen den Orten Bonndorf und Detzeln ein Tal zwischen steilen, felsdurchsetzten Hängen des Schwarzwald-Grundgebirges. Unterhalb von Detzeln trifft die Steina bei Lauchringen auf ausgeprägte Muschelkalkschichten der sogenannten Mettauer Überschiebung. Der gesamte Unterlauf des Flusses in diesem kleinen Canyon ist als Geotop ausgewiesen.

Unweit der Mündung unterquert die Steina ein Spitzbogenviadukt.
Unweit der Mündung unterquert die Steina ein Spitzbogenviadukt. | Bild: Peter Rosa

Lange Zeit war es den Menschen ein Rätsel, wie ein Fluss, der durchschnittlich zwischen 200 und 1500 Liter Wasser pro Sekunde führt, plötzlich versickern kann, nur um an einer anderen Stelle wiederaufzutauchen. Hinter dem Phänomen steckt die poröse und ausgewaschene Muschelkalkformation im Unterlauf. In den heißen und trockenen Sommermonaten versickert hier mehr Wasser, als dem Fluss zufließt. Zurückbleiben oft nur einzelne, voneinander getrennte Wasserstellen. Ein ähnliches Phänomen zeigt sich bei der Möhlin in Bad Krozingen und bei der Dreisam in Freiburg, die beide im Kies versickern und ihre Flussbetten daher in den Sommermonaten ebenfalls vorübergehend trockenliegen.

Wenige Hundert Meter von der Mündung entfernt fließt die Steina noch sichtbar überirdisch.
Wenige Hundert Meter von der Mündung entfernt fließt die Steina noch sichtbar überirdisch. | Bild: Peter Rosa

Wo das Wasser der Steina nach dem Versickern hinfließt, ist nicht restlos geklärt. Es wird teilweise zu einem Teil des großen Grundwasserstroms, der aus dem Klettgau kommend in das Wutachgrundwasser und weiter Richtung Ettikon und Rheintal fließt. Ein anderer Teil tritt am rechten Ufer der Wutach in teils kräftigen Karstquellen wieder hervor und bildet nach rund 1,6 Kilometern im Untergrund den Siechenbach, der kurze Zeit später ebenfalls in die Wutach mündet.

Bis vor wenigen Jahren speiste der Siechenbach die Fischzuchtanlage des Klettgauer Angelsportvereins. „Vor ungefähr zwei Jahren hat sich die Situation drastisch verschlechtert“, sagt Kurt Vesper, Vorsitzender des Vereins. Der Siechenbach führe seitdem nicht mehr genügend Wasser, um die Becken der Anlage zu füllen. Peter Meier, Gewässerwart des Vereins, sieht Zusammenhänge zur immer früher im Jahr versickernden Steina: „Früher versickerte der Fluss erst im August, heute geschieht dies bereits im Mai.“ Die möglichen Ursachen reichen laut Meier von höheren Temperaturen durch den Klimawandel, über die Veränderung des Grundwasserspiegels durch Wasserentnahme, bis hin zu Tiefbaumaßnahmen, die ebenfalls einen Einfluss die Strömung des Grundwassers haben könnten.

Die Brutbecken des Klettgauer Angelsportvereins können mit dem versiegenden Siechenbach nicht mehr betrieben werden.
Die Brutbecken des Klettgauer Angelsportvereins können mit dem versiegenden Siechenbach nicht mehr betrieben werden. | Bild: Peter Rosa

Die Versickerung bedeutet für viele Fische in der Steina selbst den sicheren Tod. Sie sammeln sich in den übrig gebliebenen Wasserlöchern. Trocknen auch diese aus, verenden sie. Vor allem die Äsche ist betroffen. Die Muttertiere schwammen früher zum Laichen aus der Wutach kommend die Steina hinauf zu ihren Laichgebieten. Regelmäßig werden die Tiere vom Angelsportverein aus den Löchern abgefischt und zurück in die Wutach gesetzt. Ob und wie die Situation vor allem am Siechenbach verbessert werden kann, wird zurzeit mit dem Veterinäruntersuchungsamt Freiburg beraten.

Der Fluss

Die Steina hat ein Einzugsgebiet von 96,5 Quadratkilometern. Ihre Länge beträgt 37 Kilometer. Der Höhenunterschied zwischen der Quellhöhe auf über 1060 und der Mündungshöhe auf unter 330 Metern über dem Meeresspiegel beträgt 730 Meter. Der Fluss besitzt ein durchschnittliches Gefälle von 2,1 Prozent. Im Jahresdurchschnitt besitzt die Steina an ihrer Mündung einen Abfluss von 1,58 Kubikmetern Wasser pro Sekunde. Der höchste gemessene Abfluss betrug 130 Kubikmeter pro Sekunde. Die Mündung in die Wutach befindet sich zwischen Tiengen und Lauchringen. In der Steina leben verschiedene Fischarten, darunter Bach- und Regenbogenforellen, Schneider, Schmerle, Döbel, einzelne Aale und bis vor wenigen Jahren Äschen.

Peter Meier, Kurt Vesper und Francois Gerhardt vom Klettgauerangelsportverein machen sich Sorgen, wie es mit der zunehmenden ...
Peter Meier, Kurt Vesper und Francois Gerhardt vom Klettgauerangelsportverein machen sich Sorgen, wie es mit der zunehmenden Versickerung der Steina und somit auch dem Siechenbach weitergeht, der ihre Fischzucht speist. | Bild: Peter Rosa

Die Serie

Wasser ist Lebensader und Lebensraum – bei uns in der Region begegnet uns Wasser auf vielfältige Art und Weise – seien es die 13 Kraftwerke am Rhein, die Brücken und Fähren, idyllische Seen und natürlich auch als Trinkwasser. Welche Rolle das Wasser bei uns für Mensch, die Wirtschaft, Natur, Umwelt und die Entwicklung der Region spielt, wollen wir in unserer Sommerserie beleuchten.