Waldshut – Gabriela Bahll aus Waldshut kann es immer noch nicht glauben, was ihr Mann in den vergangenen Monaten geschaffen hat. In ihrem Wohnzimmer stehen auf einem Tisch und einem kleinen Schränkchen zwei selbst gebaute Krippen – mit viel Liebe zum Detail. Rund 160 Stunden hat Hans-Jürgen Bahll dafür benötigt. Das Material hat der 76-Jährige zusammen mit seiner Frau im Wald gesammelt: Reisig, Moos, Holz, kleine Äste und Flechten. Rund 60 Stunden hat der 76-Jährige für den Bau seiner ersten Krippe benötigt, rund 100 Stunden für seine zweite Krippe. Die Größte Herausforderung war für ihn dabei die Berechnung des richtigen Maßstabs. „Aber ich habe mir dabei Hilfe aus dem Internet geholt, wo es bestimmte Programme gibt, die einem dabei helfen.“ Seine Frau verrät: „Meinen Mann liegt Mathe nicht so sehr.“ Dafür spreche er fünf Sprachen.

Rund 100 Stunden Arbeit hat Hans-Jürgen Bahll in diese Krippe gesteckt. Bild: Susann Duygu-D‘Souza
Rund 100 Stunden Arbeit hat Hans-Jürgen Bahll in diese Krippe gesteckt. Bild: Susann Duygu-D‘Souza | Bild: Duygu-D'Souza, Susann

Zu seinem neuen Hobby ist der Rentner über einen Bericht im Fernsehen gekommen. „Auf dem Weihnachtsmarkt in der Ravennaschlucht wurde ein Krippenbauer gezeigt und das hat mich sofort fasziniert.“ Er habe sich dann Stück für Stück darüber informiert und mit dem Bau seiner ersten Krippe nur wenige Monate danach begonnen. In seiner Werkstatt im Keller des Hauses sitzt er seitdem regelmäßig und verbringt dort Stunden für die feinen Arbeiten. „Ich hätte nie gedacht, dass mein Mann so etwas kann, war er doch eigentlich nie für solche feinmotorischen Arbeiten zu haben“, sagt Gabriela Bahll und lächelt. „Ich bin so stolz auf ihn.“

Je länger man die Krippen betrachtet, desto mehr Details fallen auf: Fensterscheiben mit kleinen Sprüngen, hunderte von Schindeln, filigrane Treppen, Dachrinnen, selbst gebaute Beile, Besen, und kleine Riegel für die Gatter, Brunnen mit fließendem Wasser aus Silikon und sogar eine Beleuchtung. „Nur die Figuren schnitzt der 76-Jährige nicht selbst. Das kann ich leider nicht, da komme ich an meine Grenzen“, sagt er.

Hans-Jürgen Bahll im Keller seines Hauses: Dort hat der Rentner eine kleine Werkstatt, in der er die Krippen herstellt. Er hat auch eine kleine Guillotine gebaut, damit er die kleinen Dachschindel schneiden kann. Bild: Susann Duygu-D‘Souza
Hans-Jürgen Bahll im Keller seines Hauses: Dort hat der Rentner eine kleine Werkstatt, in der er die Krippen herstellt. Er hat auch eine kleine Guillotine gebaut, damit er die kleinen Dachschindel schneiden kann. Bild: Susann Duygu-D‘Souza | Bild: Duygu-D'Souza, Susann

Im kommenden Jahr will Hans-Jürgen Bahll dann eine dritte Krippe bauen. „Wir könnten uns vorstellen, wenn jemandem eine Krippe besonders gut gefällt, sie auch zu verschenken. Gerne auch in eine caritative Einrichtung. Ich liebe zwar die Arbeit, aber wir haben nicht so viel Platz und anderen eine Freude damit zu machen, wäre für mich das Schönste“, sagt Bahll. Generell achtet Hans-Jürgen Bahl auf seine Mitmenschen. Seine Frau sagt: „Er kümmert sich gerne um Menschen, hat sogar zu seinem Geburtstag einen Obdachlosen mit nach Hause gebracht und ihm Kaffee und Kuchen gegeben. Er ist einfach ein Guter“, beschriebt Gabriela Bahll.

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Außerdem kümmert sich der Krippenbauer auch um einen Senior im Tiengener Pflegeheim. Mindestens ein Mal pro Woche besucht er den nur drei Jahre älteren Mann, um mit ihm Zeit zu verbringen. Bis vor kurzem hat sich Bahll auch um einen Jungen im Rollstuhl gekümmert, ist mit ihm Zug gefahren und Essen gegangen. Auch zwei Afghanische Flüchtlinge hat das Ehepaar schon aufgenommen. Und für Bahlls Frau, die noch berufstätig ist, kocht er täglich frisch – auch nach 13 Jahren Ehe.

Die Bahlls leben seit 2013 in Waldshut, zuvor haben sie in Berlin gewohnt. In den Süden hat es das Ehepaar gezogen, weil Gabriela Bahll hier eine Ausbildung zur Lokführerin absolviert hat. „Aber das war nichts für mich – psychisch sehr schwer zu verkraften. Mittlerweile arbeite ich aber als Sachbearbeiterin beim Landratsamt.“ Hans-Jürgen Bahll hat eine Ausbildung zum Koch absolviert, war in Südamerika, Amerika und kam nach einiger Zeit aber wieder nach Berlin zurück. Dort war er Mitglied bei der Feuerwehr und hat bei den Berliner Verkehrsbetrieben gearbeitet. Gabriela Bahll: „Als mich mein Mann dann das erste Mal in Waldshut besucht hat, war für ihn schnell klar, dass er hier leben möchte und ist früher als geplant hierher gezogen. Hier ist die Lebensqualität gut. Außerdem lieben wir den Wald und gehen gerne dort zusammen spazieren.“

Weihnachten verbringen die beiden aber in ihrer neuen Heimat bei einer Freundin, die an diesem Tag Geburtstag hat. „Dort gibt es dann Kartoffelsalat und Würstchen. Wenn wir dann wieder zu Hause sind, liest mir mein Mann mir die Weihnachtsgeschichte. Das ist für mich ein Highlight, denn er kann Geschichten so toll vorlesen. Das ist für mich das Schönste am Heiligabend.“

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