Die Stadthalle Tiengen stand am Montagabend ganz im Zeichen der Jugend. Nach einem Jahr des intensiven Informierens, Debattierens, Abwägen und Auswerten präsentierten die Mitglieder des 8er-Rates ihre Vorschläge, was in der Doppelstadt alles getan und verändert werden könnte.

Oberbürgermeister Philipp Frank und die Stadträte würdigten die Arbeit der Nachwuchspolitiker mit jeder Menge Lob und Anerkennung.

220 Achtklässler machen Politik

Ende 2015 hatte die baden-württembergische Landesregierung die Vorgabe gemacht, Jugendliche besser in kommunalpolitische Entscheidungsprozesse einzubinden. Den Weg hatte sie offen gelassen. Die Stadt Waldshut-Tiengen hatte sich vor gut einem Jahr entschlossen, dieser Vorgabe mit der Gründung eines 8er-Rates Leben einzuhauchen.

Dabei handelt es sich um einen schulübergreifenden Zusammenschluss aller Achtklässler der Doppelstadt – 220 an der Zahl. Am Ende dieser zwölf Monate standen 13 Projekte, die die Schüler am Montagabend den Stadträten präsentierten.

Ideales Instrument für Jugendbeteiligung

Für Oberbürgermeister Philipp Frank hat sich der 8er-Rat als das genau richtige Instrument entpuppt, Jugendliche nicht nur mit der Kommunalpolitik vertraut zu machen, sondern sie auch darin einzubinden. „Ich habe viel gelernt, manches erwartet, anderes wiederum nicht“, lobte der OB die in der Regel 14 Jahre alten Schüler aus ganz Waldshut-Tiengen.

MdL Sabine Hartmann-Müller (CDU) besucht OB Philipp Frank. Bild: Stadt Waldshut-Tiengen
MdL Sabine Hartmann-Müller (CDU) besucht OB Philipp Frank. | Bild: Stadt Waldshut-Tiengen

Damit die Premiere auch ein Erfolg wurde, mussten laut Philipp Frank rund 30 Schulstunden umgestellt und teilweise nachgeholt werden. Dafür dankte er den Schulleitern, die sich unter ihre Schüler gemischt hatten. Gemeinsam mit seinem Team wolle der die Vorschläge nun aufbereiten und sie dem Gemeinderat nochmals in komprimierter Form vorstellen und gegebenenfalls Geld für einzelne Ideen in den nächsten Haushalt einstellen.

Lob und Anerkennung von allen Seiten

Udo Wetzel, Koordinator und Betreuer des 8er-Rates, lobte „die wirklich tolle Atmosphäre“ in den Sitzungen und dankte dem Team des städtischen Kinder- und Jugendreferats sowie den Schulsozialarbeitern für ihre Unterstützung. 30 Experten aus Politik, Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Gruppen seien den Schülern beratend zur Seite gestanden.

Lob bekamen die Nachwuchspolitiker auch von den Stadträten, auch wenn aufgrund des frühen Sitzungsbeginns nicht alle „großen“ Kommunalpolitiker anwesend waren.

Allen voran die beiden Grünen-Stadträte Petra Thyen und Axel Knoche, Peter Kaiser und Markus Ebi (CDU) sowie Gerhard Vollmer und Adelheid Jäger (SPD) und Harald Würtenberger (Freie Wähler) nutzten die Gunst der Stunde, um intensiv mit ihren möglichen Nachfolgern zu diskutieren, die Ideen zu hinterfragen und Verbesserungsvorschläge einzubringen.

Die Projektideendes 8er-Rats

Vier Mal hat der 8er-Rat Waldshut-Tiengen getagt. Das sind die Ergebnisse, die die Jugendlichen dem Gemeinderat vorstellten.

  • Liedermatte: Der dortige Bolzplatz soll mit einer umlaufenden Sitzgelegenheit aus Steinen ergänzt werden.
  • Schule am Hochrhein: Optische und strukturelle Aufwertung der Schule – Gestaltung des Außenbereichs, der sanitären Anlagen und Veränderungen, die den Unterricht betreffen.
  • Mobilität: Verschönerung und mehr Sicherheit am Bahnhof/Busbahnhof Waldshut sowie Entwicklung einer Mitfahr-App für Jugendliche in den Dörfern der Doppelstadt.
  • Skate-/Bikepark: Bau einer Downhillstrecke im Bürgerwald in Tiengen.
  • Jugendtreffs: Verschönerung des Jugendcafés Waldshut und des Jugendzentrums Tiengen, längere Öffnungszeiten, bessere Ausstattung und mehr Werbung für Angebot der Jugendtreffs.
  • Einkaufen in Tiengen: Mehr Einkaufsmöglichkeiten für Jugendliche, namentlich New Yorker, H&M, KFC, Starbucks, Snipes.
  • Pfandstofftaschen: Umweltfreundliche Stofftaschen sollen Plastiktaschen überflüssig machen.
  • Sportplatz Tiengen: Neue Anordnung der Basketballkörbe und Fußballtore.
  • Trampolinhalle: Bau einer Trampolinhalle durch die Stadt, inklusive detaillierter Kostenberechnung.
  • Schule: Trinken im Unterricht; neue Pausenregelungen.
  • Flüchtlinge: Bessere Integration von Flüchtlingen im Jugendalter.
  • Fluglärm: Untersuchung, wie sich der Fluglärm auswirkt.
  • Bolzplatz Aarberg: Erweiterung durch eine Flutlichtanlage. (kol)

Zahlen rund um den Waldshut-Tiengener 8er-Rat

In der gemeinsamen Sitzung von Gemeinderat Waldshut-Tiengen und 8er-Rat ging es auch um viele Zahlen. Hier ein kleiner, nicht vollständiger Überblick.

 

1Der 8er-Rat der Stadt Waldshut-Tiengen dient ab sofort als Vorbild für den geplanten 8er-Rat in Rheinfelden im Landkreis Lörrach.

 

3Der 8er-Rat der Doppelstadt war erst der dritte in ganz Baden-Württemberg. Inzwischen folgen zahlreiche weitere Gemeinden dem Vorbild.

4Die Achtklässler aus allen Schulformen der Stadt trafen sich im vergangenen Jahr zu insgesamt vier Sitzungen.

 

13Aus den Sitzungen sind am Ende 13 Projektvorschläge hervorgegangen, die am Montagabend in der Stadthalle von den Jugendlichen selbst präsentiert wurden.

 

30Mit im Boot waren natürlich die Schulleiter der einzelnen Bildungseinrichtung. Sie machten es möglich, dass die Nachwuchspolitiker auch vormittags tagen konnten. Dafür mussten 30 Schulstunden (pro Schule) umgestellt oder nachgeholt werden.

 

30Die Jugendlichen waren nicht allein. 30 Experten aus Politik, Wirtschaft und beispielsweise auch von der Polizei standen den 8er-Ratsmitgliedern beratend zur Seite.

 

220Alles in allem beteiligten sich mehr als 220 Schülerinnen und Schüler aus Waldshut-Tiengen an dem Projekt 8er-Rat.