"OHA" ist die Abkürzung für Obere Hauptstraße. Ziel der gleichnamigen Initiative, die sich als Arbeitsgruppe innerhalb der Aktionsgemeinschaft Tiengen sieht und die sich bereits vor etwa drei Jahren gegründet hat, ist die Aufwertung und Belebung des Quartiers nördlich der Oberen Hauptstraße.

"Auch wenn wir das Zentrum als Ganzes im Blick haben, machen wir uns Sorgen, dass bei aller Zustimmung für die in der Südstadt anlaufenden Entwicklungsmaßnahmen der nordwestliche Teil des Tiengener Zentrums ins Hintertreffen gerät und aus dem Blickfeld des Interesses verschwindet", sagt Joachim Friede, der im Quartier aufwuchs. Mit seinen Mitstreitern, allen voran Werner Dörflinger, Maximilian Reich und Erich Bercher, hat er Ideen für das Quartier entwickelt, das im Süden von der Oberen Hauptstraße, im Norden von der Weilheimer Straße, im Westen von der Schwarzenbergstraße und im Osten von der Peter-Thumb-Straße begrenzt wird.

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Neuordnung des Verkehrs

"Ohne Verkehrsberuhigung wird sich kein neues Leben ansiedeln", ist Joachim Friede überzeugt. Deshalb fordert die OHA-Initiative in der Oberen Hauptstraße und in der Peter-Thumb-Straße eine Fahrbahnverengung oder eine Einbahnstraßenregelung sowie eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 20 Stundenkilometer.

Außerdem wünschen sich die Mitglieder eine Beseitigung des Bahnübergangs in der Peter-Thumb-Straße mit dem Ziel, den Verkehr über die Weilheimer Straße und eine neu zu bauende Unterführung über die Schwarzenbergstraße zu führen. "Jedes Mal bildet sich ein Stau bis in die Obere Hauptstraße und bis zum Friedhof, wenn die Schranken sich senken", sagt Friede. Der bestehende Bahnübergang soll nur noch für Radfahrer und Fußgänger offen bleiben. Außerdem regt die Gruppe eine zweite, südöstliche Erschließung des Mittleren Bergs an.

Statt des Bahnübergangs in der Peter-Thumb-Straße (Bild) will die OHA-Initiative den Verkehr durch eine Unterführung unter der Bahnlinie zur Schwarzenbergstraße leiten.
Statt des Bahnübergangs in der Peter-Thumb-Straße (Bild) will die OHA-Initiative den Verkehr durch eine Unterführung unter der Bahnlinie zur Schwarzenbergstraße leiten. | Bild: Juliane Schlichter

Parksituation

"Das Parkplatzangebot muss angepasst werden", lautet eine weitere Forderung der OHA-Initiative. Unter anderem schlagen die Mitglieder vor, die Schlossgarage, die teilweise von Dauermietern belegt sei, komplett für Kunden der Innenstadtgeschäfte frei zu geben. Für Dauerparker müsse an anderer Stelle Ersatz geschaffen werden. "Die Schlossgarage wird den Bedarf aber allein nicht decken", fährt Friede fort und findet klare Worte: "Tiengen braucht viel dringender ein Parkhaus als Waldshut."

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Weitere Vorschläge

"Neben den mittel- und langfristig wirkenden Impulsen beinhalten unsere Überlegungen auch kurzfristig realisierbare Verbesserungen", sagt Joachim Friede und nennt einige Beispiele: So soll der Schlossgarten durch eine Minigolfanlage, Wasserspiele, eine Blumenuhr oder Ähnliches aufgewertet werden. Als unattraktiv empfinden die Mitglieder die Südseite der Schlossmauer. "Man könnte sie mit Blumen beleben", schlägt Erich Bercher vor. "Eine Möglichkeit wäre auch, Nischen in die Mauer zu brechen, um kleine Boutiquen unterzubringen", sagt Friede.

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Die OHA-Initiative wünscht sich außerdem einen separaten Ein- und Ausgang von der Schlossgarage in die Fußgängerzone, die Öffnung des kleinen Schlossgartens für die Öffentlichkeit, eine Verbesserung der Straßenbeleuchtung sowie einen besseren Belag in der Weihergasse. "Dort bricht man sich fast die Füße", merkt Werner Dörflinger an.

Den Mitgliedern der OHA-Initiative sei bewusst, dass nicht alle Vorschläge in absehbarer Zeit realisiert werden können. "Aber es darf nicht sein, dass wir uns keine Gedanken machen dürfen, selbst wenn jetzt kein Geld da ist", sagt Maximilian Reich. "Ich erwartete, dass in Tiengen mit der gleichen Dynamik an die Stadtentwicklung herangegangen wird", sagt der frühere Erste Beigeordnete der Stadt, Werner Dörflinger, und Joachim Friede fügt hinzu: "Jeder Ortsteil hat das gleiche Recht sich zu entwickeln."

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Die aktuelle Stadtentwicklung in Tiengen sieht die Gruppe positiv – aber, so Becher: "Wir brauchen neben dem Klettgau-Carree weitere Highlights, damit die Fußgängerzone von oben bis unten belebt wird."

Treffen: Die OHA-Initiative, eine Untergruppe der Aktionsgemeinschaft Tiengen, trifft sich jeden ersten Montag im Monat im Hotel Bercher, Peter-Thumb-Straße 11, in Tiengen.

Das sagt die Stadt zu den Ideen der OHA-Gruppe

Bei einem Treffen Ende des vergangenen Jahres hat die OHA-Initiative Oberbürgermeister Philipp Frank ihre Vorschläge für eine Aufwertung des Quartiers nördlich der Oberen Hauptstraße in Tiengen vorgestellt. Wir haben bei ihm nachgefragt, was er von den Plänen hält.

"Wir schätzen bürgerschaftliches Engagement sehr und finden die OHA als bürgerschaftlich getragene Ideenwerkstatt durchaus interessant", schreibt Philipp Frank in seiner Stellungnahme. Was die von der Initiative verfolgten Themen anbetrifft, könne man diese für die Zukunft sicher im Blick behalten, was der OB gegenüber der Initiative zum Ausdruck gebracht habe. "Aktuell ist es allerdings so, dass die Projekte aus dem Sanierungsprogramm Tiengen Innenstadt Süd für uns Vorrang haben müssen – weil sie bereits laufen oder angeschoben und stets mit konkreten Fördermitteln verbundenen sind. Von der hohen Auslastung unseres Bauamts und dem Fehlen eines etatmäßigen Stadtplaners ganz zu schweigen", erklärt Frank, warum eine schnelle Realisierung der Vorschläge nicht möglich sei. Die nächsten Projekte aus dem Sanierungsprogramm Tiengen Innenstadt Süd sind die komplette Neuordnung sämtlicher Verkehrsbeziehungen rund um das geplante Klettgau-Carree, die Neugestaltung von Unterer Hauptstraße und Heckerstraße sowie die Überplanung des Marklatzes. "Selbstverständlich spricht nichts dagegen, sich heute schon mit der Zukunft zu befassen. Darum habe ich Bürgermeister Joachim Baumert gebeten, zur OHA Kontakt aufzunehmen, um die Situation und mögliche Wege zu erörtern", schreibt der OB.