Leere Schulbänke, verwaiste Klassenzimmer, fast schon gespenstische Stille auf den Fluren und auf dem Schulhof: Dieses Bild prägt die Grundschule Berau seit den Schulschließungen, bedingt durch Einschränkungen wegen des Coronavirus, nach wie vor. Seither ist einiges geschehen, nur das, worauf besonders die Eltern, Kinder und Lehrkräfte warten, noch nicht. Von Stillstand kann aber keine Rede sein.

Ein Rückblick

Es war am Montag, 16. März, als sich die Schüler und Lehrer der Grundschule Berau zum letzten Mal sahen. Niemand wusste, wie lange die Schule geschlossen sein würde. Die Kinder wurden an diesem Tag bestmöglich auf das Lernen zu Hause vorbereitet, erhielten Übungsmaterial und neue Themen und Inhalte wurden ein letztes Mal direkt besprochen und erklärt. Für drei Wochen bis zu den Osterferien – so war der Plan – sollten die Kinder versorgt sein.

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Die Grundschule Berau und die Gemeinde Ühlingen-Birkendorf reagierten sofort auf die Situation, die digitale Kommunikation nötig macht. Eine schnellere Datenleitung musste her, um die Schüler zu Hause digital mit Arbeits- und Übungsmaterialien zu versorgen. Um die Versorgung sicherzustellen, wurde von Stefan Ruh, Beraus Schulnetzberater des Kreismedienzentrums in Waldshut, eine sogenannte „Nextcloud“ eingerichtet. Dies ist eine freie und datenschutzkonforme Software für das Speichern von Daten und Materialien auf dem schuleigenen Server, auf den alle Eltern und Schüler der Grundschule Berau zugreifen können.

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Die digitale Plattform im Netz wird von der Schule rege genutzt, um die Kinder, aber auch die Eltern beim Lernen zu Hause bestmöglich zu unterstützen. Übungsmaterial mit Lösungshilfen, Lerntipps, Bastelanleitungen, Backrezepte, kleine Erklärvideos und vertonte Geschichten, aber auch Elterninformationen und Links zu aktuellen Lernprogrammen: Die Nextcloud muss derzeit den Unterricht in der Schule so gut es eben geht ersetzen. Die Zweitklässler erhielten so die Tipps für ihren Füllerführerschein per Video und die Viertklässler präsentierten die Ergebnisse ihrer Jahresarbeit ebenso vor der Kamera und schickten den Film an ihre Klassenlehrerin. Auch die Bewegung soll nicht zu kurz kommen. Dabei helfen „Bleib fit – mach mit“-Videos der Sportlehrerin.

Lernen zu Hause

Dass das Lernen zu Hause nicht immer reibungslos funktioniert, wissen inzwischen alle, die es nun schon seit fast acht Wochen tun. „Wir versuchen, unseren Alltag so zu gestalten, als ob Schule wäre“, erklärt Uwe Brutschin, der seit der Schulschließung sehr froh sei, in Schichtarbeit zu sein. So könnten er und seine Frau das Lernen zu Hause gut organisieren. Sein Sohn Leo geht in die erste Klasse der Grundschule Berau und hat wie seine Klassenkameraden im Moment auch Schule zu Hause.

Für Leo heißt das, jeden Morgen möglichst zeitig aufzustehen und zu frühstücken. Schnell noch anziehen und ab an den Schreibtisch. „Es macht Spaß, aber ich habe das Ganze auch unterschätzt“, sagt Uwe Brutschin über das Lernen zu Hause. Den größten Teil übernehme hier Leos Mutter. Leo selbst komme mit den täglichen Aufgaben gut zurecht, vermisse aber zunehmend seine Klassenkameraden und seine Lehrerinnen, erzählt Brutschin.

Mitschüler fehlen

Dass die sozialen Kontakte und das gemeinsame Lernen den Kindern sehr fehlen, ist den Lehrerinnen der Grundschule Berau und auch deren Schulleiter Michael Weeber bewusst. „Lernen ist auf diesem Weg durchaus auch möglich, aber der unmittelbare Kontakt und das soziale Miteinander in der Schule fehlt uns allen, vor allem den Kindern“, so Weeber. Seit der Schulschließung im März ist der Rektor täglich vor Ort, reagiert auf alle eingehenden Nachrichten und Anfragen und informiert Eltern über Neuigkeiten. Stets ist er auf der Suche nach Möglichkeiten, die unterschiedlichen Materialien noch kindgerechter anzubieten und testet immer wieder neue digitale Lernangebote.

Auch die Lehrerinnen bilden sich selbst fort, nehmen an zertifizierten Webinaren teil, um das neu Erlernte umgehend umsetzen zu können. Regelmäßige Telefonate und ein reger E-Mail-Kontakt mit Eltern und Schülern sind einerseits wichtige Basis für das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und Kind, andererseits aber auch Hilfestellung für das Lernen zu Hause.

Vorbereitung auf die Zeit danach

Keine Frage: Für das Schulteam, aber besonders auch für die Eltern, ist das Lernen zu Hause eine Mammut-Aufgabe, die es täglich zu meistern gilt. Britta Koch fühlt sich dabei aber von der Grundschule ihrer beiden Kinder gut unterstützt. Die Mutter einer Erstklässlerin und eines Viertklässlers aus Berau ist guter Dinge, dass ihre Kinder Jakob und Johanna in der momentanen Situation bestmöglich auf die Zeit danach vorbereitet werden.

Man brauche Geduld und Motivation, die sie als „Mutter zu Hause“ gut aufbringen könne. Sie habe allerdings riesigen Respekt vor berufstätigen Eltern. Angst, dass ihr Sohn Jakob einen schwierigen Start in der weiterführenden Schule haben könnte, hat Britta Koch nicht. „Alle sitzen doch im gleichen Boot und so werden sicher auch alle Kinder entsprechend an einem bestimmten Punkt abgeholt“, hofft die Mutter.

Während Jakob und die anderen Viertklässler vielleicht schon ein wenig an die Zeit nach der Grundschule denken, rüsten sich die Grundschulen für eine Zeit nach der Corona-Pandemie. „Wir sind kräftig dabei, Szenarien zu entwickeln, wie es wieder weiter geht“, sagt Michael Weeber, der im Moment eigentlich nur einen großen Wunsch hat, nämlich dass es schon möglichst bald wieder weiter geht für die Grundschule Berau.

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