Die „Schlüchtmühle“ in Grafenhausen mit ihrer wechselvollen Geschichte soll in ein Familien- und Kinderresort umgestaltet werden. Für das Großprojekt wird Familie Baschnagel rund 7 Millionen Euro in die Hand nehmen. Bürgermeister Christian Behringer hatte bei der Besichtigungstour, an der der CDU-Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner teilnahm, einen Zuschussbescheid über 200.000 Euro aus dem ELR-Sonderprogramm „Dorfgaststätten/Grundversorgung“ dabei.

Die Bagger sind an der „Schlüchtmühle“ in Aktion. Das Seminarzentrum gehört bereits der Vergangenheit an.
Die Bagger sind an der „Schlüchtmühle“ in Aktion. Das Seminarzentrum gehört bereits der Vergangenheit an. | Bild: Wilfried Dieckmann

Bei einem Rundgang, an dem auch Juniorchef Lorenz Baschnagel von der „Tannenmühle“ teilnahm, ließ Guido Baschnagel die Geschichte der „Schlüchtmühle“ Revue passieren. 1950 zog die Familie Rettenmeier in den Schwarzwald, wo der Vater der heutigen „Tannenmüllerin“ Hildegard Baschnagel die damals als Sägerei betriebene „Schlüchtmühle“ übernahm.

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Im April 1952 fiel das Wohnhaus des Sägebetriebs einer Brandstiftung zum Opfer. Weil Fremdenzimmer fehlten, wurde das Gebäude ein Jahr später als Pension wieder aufgebaut. „Mein Opa war aber kein Gastronom. Er war ein Säger durch und durch, der morgens um 5 Uhr aufstand und bis in die Nacht arbeitete“, sagte Guido Baschnagel. So wurde der Hotel- und Pensionsbetrieb verkauft, die Familie zog nach Königsberg in Bayern.

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Danach folgten einige Besitzerwechsel, bis sie der Verband der Kriegsheimkehrer (VdK) übernahm. Bedingt durch den Generationenwechsel musste der VdK jedoch Insolvenz anmelden, das große Anwesen stand zum Verkauf. „Nachdem lange kein Interessent gefunden wurde, konnten wir das Objekt zu einem recht günstigen Preis ersteigern“, sagt Guido Baschnagel. Zu diesem Zeitpunkt stand noch nicht fest, wie das Hotelgebäude mit den zu kleinen und nicht mehr zeitgemäßen Zimmern genutzt werden kann. So wurden Busgruppen untergebracht, auch fanden viele Jahre die Prüfungen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Konstanz in den gastronomischen Berufen Küche und Hotelbetrieb statt.

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Laut Guido Baschnagel wurde mit dem Architekten lange an einem Umbau geplant. Nachdem weder die Statik noch die Stockhöhe für eine Veränderung passten, war nur ein neuer Anbau eine sinnvolle Lösung. Bürgermeister Christian Behringer rief die damit verbundene Änderung des Flächennutzungsplanes und das Aufstellen eines Bebauungsplans in Erinnerung. Ohne dies wäre nur eine Erweiterung der Nutzfläche von 30 Prozent möglich gewesen. Die Planungen mit dem Regierungspräsidium und dem Landratsamt verliefen laut Baschnagel dank Mithilfe der Gemeindeverwaltung – allen voran Gemeinderat und Bürgermeister – recht gut, auch wenn nicht alle Ideen umzusetzen waren, wie es hieß.

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In dem neuen Hotelkomplex wird ein Familien- und Kinderresort mit Familienzimmern, Hallenbad und Sauna entstehen, das im Herbst 2021 fertig sein soll. „Alle Einrichtungen sind auf Kinder abgestimmt“, so Guido Baschnagel. „Das Sonderprogramm ‚Dorfgasthäuser‘ ist genau für derartige Investitionen im ländlichen Raum gedacht“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner, der Familie Baschnagel zu diesem Schritt beglückwünschte. Auch dankte er Guido Baschnagel für den Rückblick und räumte ein, dass er viel Neues erfahren habe. Bürgermeister Christian Behringer empfahl dem CDU-Bundestagsabgeordneten das von Hildegard Baschnagel herausgegebene Geschichtsbuch „Die Tannenmühle einst und jetzt“, für das als Autor Stefan Blanz aus Meßkirch gewonnen werden konnte.

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