Der Geschäftsführer der Hochschwarzwald Tourismus Gesellschaft (HTG), Thorsten Rudolph, ist sich sicher: Nach weiterem Wachstum mit „sensationellen Zahlen“ – Steigerungen um drei und vier Prozent bei Ankünften und Übernachtungen – und einem guten Start 2020 „gehen jetzt gerade elf Jahre Arbeit kaputt“. Demnach ist in Sachen Tourismus Untergangsstimmung angesagt. Es wird jedoch eine Zeit nach der Corona-Krise geben. Wie bereiten sich die Gemeinden und Hotels in der Ferienregion Rothauser Land abseits der Urlaubshochburgen im Hochschwarzwald auf die Zukunft vor? Vorsichtiger Optimismus steht bei den Verantwortlichen im Mittelpunkt.

Angesichts der Corona-Pandemie ist der Tourismus auch in der Ferienregion Rothauser Land von heute auf morgen eingebrochen. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben wurden die Grenzen zu den Nachbarstaaten dicht gemacht, Übernachtungen nicht nur in allen Beherbergungsbetrieben, sondern auch auf Campingplätzen untersagt. Alles steht still. Die Politik sucht mit Hochdruck nach Möglichkeiten, um das öffentliche Leben nach dem Osterfest wieder langsam anzufahren. Um über die Zukunft zu beraten, plant die HTG im April eine Strategiesitzung. Im Mai soll dann beurteilt werden, worin die touristischen Chancen bestehen.

Gemeinde Grafenhausen

Auf Anfrage zeigte sich Grafenhausens Bürgermeister Christian Behringer optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass am 20. April zumindest eine Lockerung der derzeitigen Beschränkungen beginnt.“ Bisher zeigt sich der Rathauschef recht zuversichtlich, dass die beiden anstehenden Großveranstaltungen Dorffest und Künstlersymposium stattfinden werden. Absagen hat es bisher weder an die beteiligten Vereine noch an die ausgewählten Künstler des Symposiums gegeben. „Wir stellen uns den Herausforderungen mit einer positiven Grundeinstellung, den Kopf in den Sand stecken, nutzt schlussendlich keinem“, sagte Behringer. Er geht jedoch davon aus, dass sich die sozialen Kontakte bei den Veranstaltungen vermutlich anders gestalten.

Es kann aus seiner Sicht davon ausgegangen werden, dass sich die Schalter bei den Menschen nach der Corona-Krise nicht so einfach umlegen lassen. Vonseiten der Verwaltung wurden alle Kleinunternehmer angeschrieben, die ab sofort Unterstützungsanträge bei den zuständigen Stellen einreichen können.

Ühlingen-Birkendorf

„Wie lange geht es noch?“ Das ist für Ühlingen-Birkendorfs Bürgermeister Tobias Gantert derzeit die Kernfrage. Er ist sich sicher, dass getroffene Maßnahmen sich dann wieder lockern, sofern die Zahlen der Infektionen zurückgehen. „Wir werden ganz langsam zur Normalität zurückkehren“, zeigt sich der Rathauschef überzeugt. Anordnungen der Behörden würden von der Bevölkerung eingehalten, in diesem Bereich gebe es vonseiten der Kommune keine Sorge. Kontrolliert werden nicht nur von der Verwaltung, sondern auch von den Ortsvorstehern in den Ortsteilen ebenso die Spielplätze. Obwohl die Wirtschaftskrise auch die Kommune treffen wird, so ist für den Rathauschef Pessimismus nicht das Gebot in der schwierigen Zeit.

Besonders hart trifft es im gesamten Rothauser Land den Tourismus. Nicht ganz einfach sei es derzeit, mit dem Gemeinderat zu diskutieren. Zum ersten Mal in der Gemeinde wurde mit dem Gremium eine Videokonferenz getestet. „Ungewöhnlich, aber machbar“, resümierte Tobias Gantert und fügte an: „Nicht nur Entscheidungen müssen getroffen werden, auch sollen geplante Projekte vorangebracht werden.“

Zukunftspläne

So werde weiter an der Kugelbahn, die in Birkendorf vom Oberholz zum Naturena-Badesee verlaufen soll, geplant. Die Kosten belaufen sich auf 135.000 Euro, 81.000 Euro Zuschüsse sind bereits bewilligt. Ob die optimistischen Planungen mit der Fertigstellung im Herbst zu realisieren sein werden, ist nach den Worten von Gantert nicht gesichert. Mit dem Start der touristischen Attraktion für alle Altersgruppen rechnet er erst im Frühjahr 2021. Auch der Naturena Badesee werde, wie in jedem Jahr, gereinigt und auf die Badesaison vorbereitet, ungeachtet vom Eröffnungszeitpunkt. „Wir wissen nicht wann, sind aber vorbereitet“, sagte Rathauschef Tobias Gantert.

„Sonnenhof-Sonnhalde“

„Wenn man sich aufgibt und nichts probiert, hat man schon verloren. Dem aber werden wir uns im Hotel ‚Sonnenhof-Sonnhalde‘ nicht beugen“, so die Reaktion der Hotelverantwortlichen auf die pessimistischen Äußerungen des Geschäftsführers der Hochschwarzwald Tourismus Gesellschaft (HTG). „Eine starke Tourismusregion kann und darf sich nicht aufgeben“, hob Hotelchef Uli Blatter hervor und fügte an: „Man muss etwas tun, anpacken und Dinge vorantreiben – Resignation bringt keinen weiter, schafft keinen Mut, kein Vertrauen und keine Zuversicht.“

Nach seinen Worten bestehen im Rothauser Land viele Betriebe bereits seit Generationen und stehen womöglich vor dem Verlust der Existenz. Im Hotel „Sonnenhof-Sonnhalde“ bereiten sich die Verantwortlichen intensiv auf die Zeit nach Corona vor. An der begonnenen Modernisierung der Hotelzimmer und des Wellnessbereichs werde mit Hochdruck weitergearbeitet. „Unsere letzten Jahre waren erfolgreich. Sie sind angesichts der derzeitigen Krise nicht kaputt, wir werden darauf mit aller Zuversicht aufbauen“, betonte der Hotelier in Birkendorf.

Hotel „Tannenmühle“

Obwohl sich die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie nicht absehen lassen, so steht der Optimismus im Hotel „Tannenmühle“ im Vordergrund. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass der touristische Betrieb nach der Lockerung der derzeitigen Einschränkungen nicht von Null auf Hundert gehen wird. Angesichts der vielen Unbekannten wird die Familie Baschnagel aber den geplanten Anbau an das Hotel „Schlüchtmühle“, bei dem am 4. Mai die Bagger anrollen sollten, um ein Jahr verschieben. „Wir sind auf die Zeit nach der Krise vorbereitet“, betonten Guido und Lorenz Baschnagel unisono.

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