Der Gemeinderat Stühlingen befasste sich jüngst mit dem Thema Weizener Ortsmitte und gab seine volle Zustimmung zu den Plänen eines Bürgers aus Weizen zum Umbau des Alten Rathauses.

„Er hat ein schlüssiges Konzept vorgelegt, es stellt eine Aufwertung der Ortsmitte dar“, freut sich Bürgermeister Joachim Burger im Pressegespräch. Aktuell befinden sich dort die Räume der Ortsverwaltung sowie drei Wohnungen, davon eine Obdachlosenwohnung. Die Mieter werden anderweitig unterkommen, die Ortsverwaltung wird sich im Vereinsheim im Raum des Frauenvereins/Singkreis einrichten.

Wie das Schild wird die Ortsverwaltung eine neue Bleibe im Vereinsheim Weizen finden, im Raum des Frauenvereins/Singkreis.
Wie das Schild wird die Ortsverwaltung eine neue Bleibe im Vereinsheim Weizen finden, im Raum des Frauenvereins/Singkreis. | Bild: Yvonne Würth

„Die Schränke des leider aufgelösten Singkreises werden dann der Ortsverwaltung zur Verfügung stehen, Sitzungen werden ebenfalls im Vereinsheim abgehalten“, erläutert Ortsvorsteherin Gaby Fischer auf Nachfrage. Wahlen sollen künftig im Foyer der Ehrenbachhalle stattfinden, welches barrierefrei zu erreichen ist.

Zeitgemäßer Umbau

Vier Wohnungen, altersgerecht und barrierefrei, sollen künftig im Alten Rathaus untergebracht werden, auch von außen wird es zeitgemäß saniert, unter anderem gibt es Balkone.

Ausschlaggebend für die Räte war das schlüssige Konzept des heimischen Bauherren. Bürgermeister Joachim Burger spricht von einer transparenten Planung: „Es ist kein Papierkonzept, sondern soll zeitnah umgesetzt werden.“

Zuvor mussten sich die Räte allerdings einig werden: „Grundsätzlich ist die Meinung des Ortschaftsrates, dass ein solches Gebäude eigentlich nicht verkauft werden sollte. Da jedoch die Stadt keine Rundumsanierung vornehmen wird, das Gebäude sehr ortsbildprägend ist und der Käufer ein schlüssiges Konzept vorgelegt hat, war man der Meinung, dass dies für Weizen und für das Gebäude die bessere Lösung ist und man hat schweren Herzens dem Verkauf zugestimmt“, fasst Ortsvorsteherin Gaby Fischer die Lage zusammen.

„Die viel genutzte Rundbank und der Baum müssen und werden auf jeden Fall stehen bleiben“, fügt sie hinzu.

Historisches Gebäude

Im Archiv wird der „Vogt zu Witzen mit Namen Götz“ um das Jahr 1500 erwähnt. Als „Gemeindehaus“ ohne nähere Beschreibung wird das Alte Rathaus Weizen erstmals 1726 im Archiv bezeichnet.

Witzig ist die Erwähnung von 1770: „Franz Geng ist beim letzteren Gemeindstrunk über die decretmäßige Zeit im Gemeindshaus verblieben.“

Über die Art der Nutzung folgen weitere Aufzeichnungen, so gibt es einen Eintrag aus dem Jahr 1789, hier wird es als Haus samt Scheuer und Stallung sowie einer Schmitten (Schmiede) und Kohlenkammer bezeichnet.

Der erste Lehrer, der im Gebäude wohnt, wird 1799 erwähnt: Martin Hamburger. 1802 war es ein zweistöckiges Haus von Stein und Riegel mit Scheuer, Stall und Spritzenschopf, 1828 dieselbe Beschreibung, jedoch jetzt als Gemeinds- und Schulhaus bezeichnet. Der Ökonomieteil wird vom Lehrer genutzt.

1846 erhöht sich die Feuerwehrversicherungssumme um 1350 Gulden durch die Aufstockung: Ein drittes Stockwerk wurde gebaut. Die erste Bezeichnung als Rathaus erfolgt 1876: Dreistöckiges Wohnhaus, Schul-, Rats- und Wachtzimmer sowie eine angebaute Scheuer und Stallung.

Ortsvorsteherin Gaby Fischer fand im Archiv ein Bild vom Alten Rathaus Weizen vor der Ortssanierung. Daraus wird nun ein altersgerechtes Mehrfamilienhaus.
Ortsvorsteherin Gaby Fischer fand im Archiv ein Bild vom Alten Rathaus Weizen vor der Ortssanierung. Daraus wird nun ein altersgerechtes Mehrfamilienhaus. | Bild: Archiv Stühlingen

Ortsvorsteherin Gaby Fischer ergänzt die Daten des Archivs: 1958 wurde das Gebäude saniert, 1968 wurden Garagen angebaut. Seit diesem Zeitpunkt wurde außer dem Einbau einer Elektrospeicherheizung nichts mehr investiert. Renovierungsarbeiten im kleineren Umfang wurden in Eigenregie von Weizener Bürgern ausgeführt.