Die politische Landschaft in der Gemeinde Rickenbach wird bunter. Noch vor den ersten Nominierungsversammlungen für die Kommunalwahl 2019 der örtlichen Parteien und Gruppierungen (CDU, Grüne, Freie Wähler) macht ein neues Bündnis auf sich aufmerksam. „WIR“ heißt es, ein auf drei Buchstaben reduziertes Überbleibsel des früheren Arbeitstitels „Wir für Rickenbach“.

Auf die Beine gestellt haben die neue Liste zwei Rickenbacher Gemeinderäte: Martina Lütte und Peter Kermisch. Lütte gehörte dem Gemeinderat 1994 bis 2009 an, machte eine Pause und kandidierte 2014 erneut – mit Erfolg, konnte sie doch die dritthöchste Stimmenzahl aller CDU-Kandidaten auf sich vereinen. Auch Peter Kermisch kennt das Geschäft gut. Seit 2004 gehört er dem Gemeinderat an, 2014 erlangte er sogar das drittbeste Ergebnis nach Stimmenkönig Hubert Strittmatter (Freie Wähler) und Hubertus Matt (CDU).

Peter Kermisch Bilder: Peter Schütz
Peter Kermisch | Bild: Peter Schütz

Kermisch befand sich quasi als Gast auf der Liste der Grünen, denen er nie beigetreten ist. Anders Martina Lütte: Sie ist eine gestandene CDU-Frau, die der Partei aber nach dem Beschluss des Kreistages, das Bad Säckinger Spital dichtzumachen, ausgetreten war – „aus einer bitteren Enttäuschung heraus, denn eine 100-prozentige Zustimmung hätte es nicht geben müssen“, wie sie im Rückblick festhält. Und: „Das war die letzte Form des Protests, die mir geblieben ist.“ Ihre Entscheidung habe nichts mit dem Rickenbacher CDU-Ortsverband zu tun. Klar war, dass sie wieder für den Gemeinderat kandidieren will, aber eben unter anderer Flagge. Ähnlich argumentiert Peter Kermisch. „Von meiner inneren Einstellung her bin ich grün“, erklärt er, „es gibt auch keinen bösen Grund dem Ortsverband Hotzenwald gegenüber“. Aber: „Ich bin mit der Landes- und Bundespolitik der Grünen nicht einverstanden“, sagt er.

Dass jetzt Lütte und Kermisch, zwei vom Charakter her völlig unterschiedliche Kommunalpolitiker, gemeinsame Sache machen wollen, sehen beide entspannt. „Wir sind zwar nicht immer einer Meinung, aber wir schauen in dieselbe Richtung“, sagen sie. Kermisch fügt hinzu: „Unser Ziel ist deckungsgleich, unsere Ideen, wie wir Rickenbach voran bringen können, überschneiden sich, wir ziehen am gleichen Strang.“ Die in Rickenbach vorrangigen Themen – Schule, Kindergarten, Bauplätze, Soziales – haben sie sich beide auf die Fahne geschrieben. „Wichtig ist für uns: Es muss für Rickenbach sein“, betont Kermisch.

Martina Lütte
Martina Lütte | Bild: Peter Schütz

Nun suchen Kermisch und Lütte gleichgesinnte Mitstreiter, jedoch niemanden mit AfD-Hintergrund. „Wer das Gefühl hat, er oder sie möchte etwas für Rickenbach tun, ist bei uns richtig“, sagen sie. „WIR“ soll keine Partei und kein Verein mit einem Vorstand werden, sondern eine lose Wählerliste. Das Ziel lautet: Mit 14 Listenplätzen in die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 eintreten.