Herr Klein, was können Partnerschaften von Gemeinden aus unterschiedlichen Nationen bewirken?

Das wichtigste Ziel sollte es sein, das Alltagsleben, Rituale und Eigenarten „der anderen“ kennen zu lernen. Daraus erwächst gegenseitiges Verständnis und Bekanntschaften oder Freundschaften.

Die Städtepartnerschaften sollen zu einem besseren gegenseitigen Verständnis zwischen zwei Partnerländern beitragen. Funktioniert das? Wie ist Ihre Erfahrung?

So unterschiedlich wie die Strukturen von Partnergemeinden sind, gibt es sehr gelingende Beispiele, aber auch gegenteilige, wo die Partnerschaft völlig eingeschlafen ist. Bei unserer Partnerschaft Rickenbach mit Plombières les Bains liegen wir irgendwo in der Mitte. Weil es in der Vogesenstadt wenig Vereine gibt, gestaltet sich die Partnerschaftsarbeit nicht immer einfach. Wir freuen uns aber über jeden Interessenten, egal ob Einzelperson oder Gemeinschaft, der die Beziehungen zur Partnerstadt pflegt.

Viele Städtepartnerschaften sind nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Ist diese Form der Beziehung nicht langsam überholt?

Ich glaube, die Jugend geht völlig unverkrampft mit dem Besuch anderer Länder um. Ob Paris, Mittelmeer, Atlantikküste, alles hat besonders für die Jugend einen Reiz. Ich fürchte, da muss es nicht unbedingt die entsprechende Partnerstadt sein, die man besucht. Doch gerade für die, die vielleicht Vorbehalte wegen der Sprache oder Berührungsängste mit den Einheimischen haben, für die wäre ein Besuch über einen Verein oder über die Gemeinde (Verschwisterungskomitee), eine gute Gelegenheit zum Schnuppern. Ja, es gibt noch einiges an Entwicklungspotenzial. Was mich immer wieder erstaunt: Viele bringen Schul-Französisch mit und trauen sich nicht einmal im kleinen Kreis ein paar Worte zu wechseln. Da wäre noch einiges mehr herauszuholen.

Frankreich und Deutschland galten aufgrund der Kriege in der Vergangenheit lange als „Erzrivalen“. Wie ist Ihr Eindruck: Haben Partnerschaften einen Beitrag geleistet, dass sich das Verhältnis zwischen beiden entspannt hat?

Auf jeden Fall. Unsere Schulen, Feuerwehren, Musikvereine und einige weitere Vereine haben Eindrücke über unsere Partnerstadt gesammelt und in ihrem Kreis weitergegeben. Auch die Plombinois schätzen unsere Touristenlandschaft. Wenn das im Kleinen bei unzähligen weiteren Partnerschaften so geschieht, dann werden viele Mosaiksteine zu einem prächtigen Gebilde. Für mich der eindrücklichste Moment unserer Partnerschaft war, als sich 1980 bei der Verschwisterungsfeier die Kriegsveteranen Monsieur Bofit aus Plombières und Reinhard Hartecker aus Rickenbach umarmten. Besser und emotionaler kann man den Wandel in den Beziehungen nicht darstellen. Die Szene hat mich tief berührt und berührt mich heute noch.

Sie leben in Rickenbach, das eine Partnerschaft mit Plombières les Bains in den Vogesen eingegangen ist. Was gefällt Ihnen an dieser Partnerschaft?

Unsere Partnergemeinden sind sehr unterschiedlich. Hier die ländliche Struktur, drüben Geschichte pur. Große Namen sind mit Plombières verbunden: Napoleon III. mit seiner Frau Eugénie, der Musiker Hector Berlioz , der polnische Graf Stanilaus und viele andere Personen und Völker von Bedeutung präg(t)en das Bild der Vogesenstadt. Die unterschiedliche Struktur der Gemeinden hat ihren Reiz. Wer diesen durch den Magen gehen lassen möchte, muss „drüben“ unbedingt ein „Glace de Plombières“ probiert haben. Das ist ein Eisbecher, dessen Inhalt aus Verlegenheit erfunden wurde. Napoleon III. hat den Küchenjungen sehr gelobt dafür. Ich persönlich bin mit den Musikern der „epinettes des vosges“ befreundet.

Was ist mit der Jugend – macht sie mit? Wird sie die Tradition weiterführen?

Wenn man die Jungholzer Urrinder, die Hotzehüüler, und einige Jungmusiker aus verschiedenen Vereinen als Jugend ansieht, dann macht sie mit. Ein Dauerstandbein ist allerdings auch der Schüleraustausch, den wir gerne weiterführen möchten.

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