Drei Anbieter – Ratio Neue Energie, Badenova Wärmeplus und die die Stadtwerke – betreiben in Lörrach Fernwärmenetze und versorgen grob geschätzt rund fünf Prozent der Haushalte in der Stadt. 2016 haben sie sich zur Arge Fernwärme zusammengeschlossen und bereiten die Gründung einer Gesellschaft vor. „Es geht uns allen um die Energiewende und diese große Aufgabe ist nur in Kooperationen zu schaffen“, begründet Klaus Preiser, Geschäftsführer von Badenova Wärmeplus, warum aus Konkurrenten Partner werden.

Lörrach ist anders. In vielen großen Städten gibt es, oft historisch und industriell bedingt, große Blockheizkraftwerke, die große Bereiche mit Fernwärme versorgen. „Wir haben eher einen Flickenteppich“, sagt Wolfgang Droll, Leiter der Stadtwerke. Die Geschichte der Fernwärme in Lörrach begann, als Regiotherm und Badische Gas- und Elektrizitätsversorgungs AG Lörrach (die später mit fünf weiteren Versorgern zu Badenova fusionierte) das Neubaugebiet Stetten-Süd mit Erdwärme aus Riehen und 2006 mit einem Blockheizkraftwerk erschlossen. Die Stadt nahm die Holzhackschnitzelanlage, die das Hallenbad und den Schulcampus versorgt, Ende 2007 in Betrieb. Ratio Neue Energie GmbH hatte als Ingenieurbüro und Wärmedienstleister bereits zahlreiche Fernwärmeprojekte lanciert, ehe es 2009 auch in Lörrach so weit war und die Nordstadt mit Fernwärme erschlossen wurde. Ratio Neue Energie betreibt das Holzheizwerk in der Wölblinstraße und die Heizzentrale „Gaba“, Badenova die Heizzentralen Stetten-Süd und Hotel Stadt Lörrach, die Stadtwerke haben die Anlage beim Hallenbad.

Die frühere Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm initiierte Gespräche unter den „Marktbegleitern“, sagt Peter Blaser, Geschäftsführer von Ratio Neue Energie. Die Stadt hatte sich unter anderem durch die Beteiligung am European Energy Award ehrgeizige Klimaziele gesetzt, durch eine Kooperation sollte die Wärmewende geschafft werden. „Die Rahmenbedingungen haben damals aber nicht so gestimmt“, sagt Blaser. Konkret wurden die Gespräche erst mit den Plänen für den Bau des Steigenberger-Hotels, in dem es ein von Badenova Wärme-Plus betriebenes Blockheizkraftwerk gibt. Für jedes Projekt brauche es eine solche Keimzelle, einen Anker, von dem aus die Netze ausgebaut werden, erklärt Michael Pilgermayer. Ratio Neue Energie wird den nächsten großen Anker auswerfen, und zwar im Wohn- und Geschäftshaus „Lö“ am Bahnhofsplatz.

Ein kooperativer Ausbau des Netzes sei sinnvoll, befanden die Anbieter, und gründeten die Arge Fernwärme im Dezember 2016. Seitdem haben sich die Unternehmen mit ihren Vorstellungen und Interessen auf inhaltlicher Ebene angenähert, sagt Peter Blaser. Druck oder wirtschaftliche Notwendigkeit gab es nicht, deswegen habe man sich Zeit gelassen, miteinander gesprochen, das Vertrauen wachsen lassen. Die damals eben erst gegründeten Stadtwerke seien dabei nicht als Konkurrent gesehen worden, sagt Wolfgang Droll. Bei laufenden Projekten arbeiten die Unternehmen der Arge schon Hand in Hand. Max Elias, stellvertretender Leiter der Stadtwerke, koordiniert Anfragen und gibt sie innerhalb der Arge weiter.

Bis zum 1. Januar 2020 soll aus der Arge eine Gesellschaft werden. Vor allem juristische Fragen müssten noch geklärt werden, sagt Pilgermayer. Und ein Businessplan erstellt, fügt Preiser hinzu: „Zum Schluss muss diese Gesellschaft natürlich Geld verdienen.“ Für die Unternehmen ist die Effizienz in der Zusammenarbeit reizvoll. Angesichts fehlender Ingenieure seien sie froh, wenn Ressourcen gebündelt werden können. Die nächsten Großprojekte, die für die Arge spannend sind, sind der Neubau des Landratsamtes auf dem Areal Conrad sowie der Bau des Zentralklinikums. Auch wenn die gemeinsame Gesellschaft gegründet sei, bedeutet das nicht, dass damit nicht auch andere Anbieter mit Fernwärme in Lörrach Fuß fassen könnten, sagt Klaus Preiser. Ein juristisches Monopol, wie bei Strom oder Gas, könne nicht entstehen. Auch sei es denkbar, dass sich weitere Unternehmen der Gesellschaft anschließen: „Diese müssten jedoch einen Mehrwert mitbringen, den wir drei als Partner bisher nicht abdecken.“

Wärme zu verkaufen sei ein kompliziertes Geschäft, sagt der Geschäftsführer von Badenova Wärmeplus: „Man muss zum richtigen Zeitpunkt beim Kunden sein, sonst ist die Chance für die nächsten zwanzig Jahre vertan.“ Über ihre Heizung machen sich Immobilienbesitzer dann Gedanken, wenn sie kurz davor ist, den Geist aufzugeben. Ein Fernwärmeanschluss kann allerdings nicht einfach so eingebaut werden wie eine neue Gastherme. Deswegen betreibt die Arge offensiv Akquise. Wird ein Netz ausgebaut, dann wird jeder Hauseigentümer informiert. Auch das sei ein Vorteil der Arge, sagt Michael Pilgermayer: „Sie hat die Fernwärme schon ins Bewusstsein der Leute gebracht.“ Rund 800 Haushalte werden aktuell von Ratio Neue Energie beliefert, Badenova hat 120 Kunden (für die sie rund 1000 Wohnungen versorgt). In der Regel seien Mehrfamilienhäuser an das Fernwärmenetz angeschlossen, sagten die Anbieter.

Innerhalb der Region sei Lörrach recht weit, sagt Pilgermayer. Grob geschätzt sind es aber dennoch erst rund fünf Prozent der Haushalte, die in der Stadt Fernwärme beziehen, die Arge sieht noch ein beachtliches Potential. Für die Kunden sei Fernwärme interessant, weil sie umweltfreundlich ist, weil sie direkt mit dem fertigen Produkt beliefert werden und keinen Stress und keine Kosten für die Wartung einer Anlage haben.

Zur Zusammenarbeit der Unternehmen gehören auch die technische Komponente und die Frage, ob und wie die bestehenden drei Netze sinnvoll verbunden werden könnten. „Sie nur zu koppeln, dass sie gekoppelt sind, macht keinen Sinn, da muss es Vorteile geben. Wenn da Synergien genutzt oder Effizienzen gehoben werden, dann machen wir das“, sagt Klaus Preiser. Es sei nur dann sinnvoll, wenn die Netze eine unterschiedliche Leistung haben, sagt Peter Blaser, und gegebenenfalls Ausfälle einer Anlage mit den anderen kompensiert werden könnten. Auf jeden Fall, darin ist man sich in der Arge einig, sei Fernwärme sicher und zukunftsweisend.