Wie überall in Deutschland war auch in Laufenburg die nationalsozialistische Herrschaft 1933 bis 1945 eine Zeit staatlich organisierten Schreckens und Verbrechens. In der bisherigen Lokalgeschichtsschreibung allerdings blieb die NS-Epoche bisher weitgehend ausgeblendet. Nun wollen die beiden Autoren Martin Blümcke und Franz Schwendemann endlich das Augenmerk darauf legen, was in jener Zeit in Laufenburg geschah.

Luftbild von Laufenburg im September 1949, vier Jahre nach dem Ende der NS-Herrschaft. Bild: ETH-Bibliothek Zürich
Luftbild von Laufenburg im September 1949, vier Jahre nach dem Ende der NS-Herrschaft. Bild: ETH-Bibliothek Zürich | Bild: ETH-Bibliothek Zürich

Ende des Jahres soll in einer Auflage von 300 Exemplaren Blümckes und Schwendemanns Buch über die „Laufenburger Heimatbriefe„ erscheinen. Mit den Heimatbriefen informierte die Stadt Laufenburg von Kriegsbeginn 1939 bis 1944 all jene Bürger über lokale Geschehnisse, die als Soldaten an der Front, in den besetzten Ländern oder aber beispielsweise auch als Krankenschwestern in Lazaratten fern der Heimat Dienst taten. In den nur wenige Seiten umfassenden Heftchen war zu lesen, wer geheiratet und wer Nachwuchs bekommen hat, wer daheim gestorben oder im Krieg gefallen war. Vereine berichteten über ihre Aktivitäten, Fotografien zeigten Ansichten der Stadt und ihrer Umgebung.

Trotz dieser scheinbar unverfänglichen Themen kontrollierte das Regime die Veröffentlichung der Heimatbriefe streng. „Der damalige Bürgermeister musste jedes Heft vor der Veröffentlichung der Gestapo (Geheime Staatspolizei, d. Red.) in Karlsruhe vorlegen“, berichtete Franz Schwendemann am Montag bei der Vorstellung des Buchprojekts im Gemeinderat. Die Auflage der Heimatbriefe betrug bis zu 550 Exemplare. Das bedeutete, dass während des Zweiten Weltkriegs ein Viertel der Einwohner Laufenburgs über Europa und Nordafrika verstreut war.

Insgesamt 45 Heimatbriefe erschienen im Lauf der Kriegsjahre. Blümcke und Schwendemann ist es in zehnjähriger Forschungsarbeit gelungen, sie lückenlos zusammenzutragen. In ihrem Buch veröffentlichen sie sämtliche Briefe als Faksimile, was 350 der 450 Seiten in Beschlag nimmt. Die Stadt Laufenburg finanziert mit 6700 Euro den Druck des Werks.

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Auf den ersten 100 Seiten ihres Buchs versuchen die beiden Autoren eine Einordnung der Heimatbriefe in die damaligen Zeitumstände. Dafür haben sie nicht nur im Staatsarchiv Freiburg Akten über die in Laufenburg führenden Nationalsozialisten eingesehen. Sie sprachen auch mit über 20 Zeitzeugen. Ausnahmslos Frauen hätten hier Auskunft gegeben, so Martin Blümcke gegenüber unserer Zeitung. „Die Männer haben nicht mehr gelebt – oder haben geschwiegen.“

Franz Schwendemann (links) und Stadtarchivar Martin Blümcke zeigen hier zwei der 45 Laufenburger Heimatbriefe, die die Stadt 1939 bis 1944 an Soldaten und andere Dienstleistende verschickte. Bild: Brigitte Chymo
Franz Schwendemann (links) und Stadtarchivar Martin Blümcke zeigen hier zwei der 45 Laufenburger Heimatbriefe, die die Stadt 1939 bis 1944 an Soldaten und andere Dienstleistende verschickte. | Bild: Brigitte Chymo

Stumm blieb auch das Stadtarchiv. Als 1945 sich die französischen Streitkräfte näherten, vernichteten die Laufenburger Nazis fast alle Dokumente, die Zeugnis von ihrem Treiben gaben.