Fast zwei Drittel der 1200 bis Anfang März beim Schweizer Bundesamt für Energie (BfE) eingegangenen Stellungnahmen zum geplanten Schweizer Atomendlager kommen aus Deutschland. "Die eingegangenen Stellungnahmen werden in den nächsten Monaten ausgewertet und in einem Bericht zusammengefasst", erklärt BfE-Sprecherin Marianne Zünd. Auf Grundlage dieses Berichts entscheide die Schweizer Regierung Ende 2018 über den Abschluss der zweiten Etappe des Sachplanverfahrens Geologisches Tiefenlager. Dessen Ziel ist es, bis etwa 2030 den für ein Atomendlager geeignetsten Standort zu benennen. Das Tiefenlager für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA) soll etwa 2050, das für hochaktive Abfälle (HAA) etwa 2060 in Betrieb gehen.

Ins weitere Auswahlverfahren für ein HAA- und SMA-Tiefenlager sollen drei Regionen: das Zürcher Weinland östlich Jestetten, Nördlich Lägern auf der Hohentengen gegenüberliegenden Rheinseite sowie der zwölf Kilometer südöstlich Laufenburg gelegene Bözberg. Die Schweizer Behörden erkennen einige benachbarte deutsche Gemeinden offiziell als betroffen an. Sie sind in das die Endlagersuche begleitende Partizipationsverfahren einbezogen. Doch konnten sich in der dreimonatigen Vernehmlassung auch andere Gemeinden, Gebietskörperschaften, Organisationen oder auch einzelne Personen zu den Standortvorschlägen und dem bisherigen Verfahren äußern.

Wie das BfE erklärte, liegen aus der Schweiz insgesamt rund 460 Stelllungnahmen vor, aus Deutschland rund 740. Davon sind 300 aus der Schweiz und 700 aus Deutschland Stellungnahmen von Privatpersonen. Außerdem haben sich 71 Schweizer und 19 deutsche Gemeinden, 18 Kantone, vier Landkreise, 47 Organisationen, neun Planungsverbände und 36 Parteien beziehungsweise deren Gliederungen geäußert.

So lehnen die Gemeinderäte von Laufenburg, Murg, Bad Säckingen und Albbruck den Bau und den Betrieb eines Endlagers in Grenznähe wegen möglicher Umweltauswirkungen und insbesondere aus Gründen des Grundwasserschutzes ab. Sie fordern, dass die deutschen Grenzgemeinden beim Mitwirkungsverfahren und der finanziellen Abgeltung den Schweizer Gemeinden gleichgestellt sein müssten.

Die Landräte der vier Landkreise Waldshut, Lörrach, Konstanz und Schwarzwald-Baar erklären in einem gemeinsamen Schreiben, dass sie akzeptierten, "dass es die geologischen Gegebenheiten in der Schweiz sind, die eine sichere Endlagerung der Schweizer Atomabfälle in Grenznähe rechtfertigen". Sie kritisieren aber insbesondere, dass die aus Sicherheitsaspekten besonders sensiblen Oberflächen- und Nebenzugangsanlagen aller drei möglichen Endlagerstätten in unmittelbarer Nähe zum Landkreis Waldshut liegen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) Südlicher Oberrhein stellt in seiner Stellungnahme die Eignung der gewählten Standortregionen grundsätzlich in Frage: "Wäre die Schweiz ,ein wenig größer' und hätte zusätzlich zu den 26 Kantonen auch noch 16 nördliche Bundesländer, dann käme kein Mensch auf die Idee, langstrahlenden Atommüll in eine dünne Schicht Opalinuston im Gebiet der heutigen Schweiz zu packen." Diese Grundsatzfrage habe bei den bisherigen Planungen fast keine Rolle gespielt.