Die Zahlen lassen aufschrecken: 1955 Mal haben Kriminelle in Baden-Württemberg 2017 versucht, Senioren mit der Masche "falscher Polizeibeamter" am Telefon zu betrügen. Dabei ist ein finanzieller Schaden in Höhe von knapp 5,3 Millionen Euro entstanden. Auch im Landkreis Waldshut schlagen die Täter immer wieder zu. Das sagt Polizeipressesprecher Mathias Albicker: 34 solcher Fälle erfasste die Polizei hier im vergangenen Jahr. In zweien waren die Täter erfolgreich. Ein Anstieg um 1600 Prozent im Vergleich zu 2016.

Täter geben sich auch als Enkel aus

Dabei ist das Vorgehen der meist international agierenden Täterbanden perfide: Die Täter schafften es immer wieder, ältere Menschen am Telefon zu verunsichern, sagt Achim Hummel vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Freiburg. Dabei geben sie sich nicht nur als Polizisten aus, um das ersparte Geld der verunsicherten und überrumpelten Menschen zu erbeuten, sondern auch als Handwerker, Behördenangehörige oder Enkel.

Den Kreis Waldshut und damit Bad Säckingen scheinen die Betrüger zumindest im Moment nicht im Blick zu haben. "Es ist, als hätte jemand den Stecker gezogen", sagt Mathias Albicker. Im Frühjahr war das noch anders: Da sei der Polizei eine Vielzahl solcher Anrufe gemeldet worden.

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Trend im Landkreis Waldshut geht nach oben

Trotz der vermeintlichen Ruhe warnt Albicker aber davor, den Telefonhörer allzu sorglos abzuheben: "Es kann sich nämlich genauso schnell wieder ändern." Denn alles in allem gebe es eine steigende Tendenz bei derartigen Betrugsmaschen. "Deshalb schätzen wir, dass in diesem Jahr wieder mehr Fälle verzeichnen werden als noch 2017."

Um diesem Trend entgegenzuwirken, setzt die Polizei immer wieder auf Prävention und Aufklärung. So wird gezielt versucht, die besonders gefährdete Zielgruppe – in diesem Fall Senioren – über den Ablauf der Telefon-Betrugsmasche aufzuklären. Ein großes Problem, so Präventionsexperte Hummel, sei dabei jedoch, die älteren Menschen zu erreichen. Denn oftmals verfügen diese nicht über die notwendige Mobilität, um an öffentlichen Präventionsveranstaltungen der Polizei teilzunehmen.

Aufklärung potenzieller Opfer durch Flugblätter

Deshalb soll diese Form der Aufklärung nun auch zu den Senioren direkt gelangen – mit der Verteilung von Flugblättern und Aufklebern durch ambulante Pflegedienste und Sozialeinrichtungen. Im Breisgau ist dieses Präventionsmodell bereits angelaufen. "Wir arbeiten derzeit dran, weitere Kontakte auch im Landkreis Waldshut zu knüpfen", sagt Albicker.

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Die Botschaft auf Flugblatt und Aufkleber ist klar formuliert: "Vorsicht, Abzocke!", prangt darauf in fetten Lettern. Hier sind zudem in dem kurz und knackig die wichtigsten und wesentlichen Tipps enthalten: Sprechen Sie am Telefon nie über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse. Und: Wenn Sie unsicher sind, sollten Sie sofort über Notruf 110 die Polizei verständigen, sagt Achim Hummel.

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