Kreis Waldshut Marc Friedrich: „Der Euro ist lediglich eine Währung auf Zeit“

Die beiden Ökonomen Marc Friedrich und Matthias Weik haben gemeinsam mit dm-Gründer Götz Werner das Buch „Sonst knallt’s!" geschrieben. Am Mittwoch sind die drei Gast beim fünften Hochrhein-Forum des SÜDKURIER Medienhauses im Kursaal in Bad Säckingen. Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Marc Friedrich gewährt einen ersten Einblick in das Buch.

Herr Friedrich, der Buchtitel „Sonst knallt’s. Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“, ist ziemlich provokativ. Was wollen Sie damit erreichen?

Wir möchten die Menschen aufwecken und sie zugleich sensibilisieren. Denn wir merken, dass in unserem Land einiges aus den Fugen geraten ist. Mit unserem Buch wollen wir die Bürger auf die dringendsten Probleme aufmerksam machen. So macht die Digitalisierung im Zuge der Industrie 4.0 viele Arbeitsplätze in Zukunft obsolet. Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank macht die Altersvorsorge unsicher bis unmöglich. Der Euro ist lediglich eine Währung auf Zeit welche gegenwärtig noch künstlich auf unsere Kosten am Leben gehalten wird. Diese Probleme betreffen jeden.

Glauben Sie wirklich, dass – wenn sich nichts ändert – es zu einem wirtschaftlichen Kollaps kommt?

Ja, aber sicher. Der Kollaps ist nur eine Frage der Zeit. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, pumpt jeden Tag 2 Milliarden Euro in den Markt; 2,5 Billionen Euro sind bisher geflossen – ohne dass es den Menschen in Südeuropa besser geht. Wir erleben ein einmaliges Notenbankexperiment gepaart mit der größten Insolvenszverschleppung in der Geschichte der Menschheit. Und: Es gibt keinen Plan B. Die Politik hat die Zeit nicht genutzt, entscheidend etwas zu ändern. Die Tatsache ist doch, dass wir tagtäglich enteignet werden. Und Sie können sicher sein, dass die Nullzinsphase noch ewig anhalten wird. Wir sind gefangen in diesem System, das letztlich dazu führt, dass unsere Demokratie und unser Wohlstand auf dem Spiel stehen. Denn die Politiker trauen sich nicht an die heißen Eisen ran. Das Ganze wird in einem Riesenschlamassel enden, denn noch niemals wurden Probleme nachhaltig mit der Notenbankpresse gelöst.

Und wie können wir den Schlamassel noch abwenden?

Zum Beispiel, in dem wir den Euro kontrolliert abschaffen, den Ländern Südeuropas ihre Schulden erlassen, welche sie sowieso niemals zurückbezahlen können und endlich dafür sorgen, dass Superreiche und international agierende Konzerne ihre Steuern bei uns bezahlen und keine unermesslichen Reichtümer in Steueroasen anhäufen.

Wie hat die wirtschaftliche Öffentlichkeit auf Ihr Buch reagiert?

Viele Menschen haben unsere Thesen bestätigt. Aber das Interesse von Seiten der Politik und der großen Medien war doch eher gering. Vielleicht, weil man unsere Wahrheiten nicht hören will.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dm-Gründer Götz Werner?

Herr Werner ist auf unser 2012 erschienenes Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“ aufmerksam geworden und fand es gut. Es folgte eine gemeinsame Podiumsdiskussion. Während Götz Werner damals bereits für ein bedingungsloses Grundeinkommen plädierte, waren wir noch dagegen, fanden die Idee aber schon damals charmant. Aber mit der immer rasanter Einzug haltenden Digitalisierung kommen wir an einem bedingungslosen Grundeinkommen überhaupt nicht herum. Gemeinsam wollen wir Lösungen aufzeigen – für die Leser, für die Gesellschaft und für die Politik.

Matthias Weik, Götz Werner und Sie gelten als Querdenker. Wie einfach oder schwer war es, hier einen gemeinsamen Nenner zu finden?

Überhaupt nicht. Das war super einfach, da wir alle gleich ticken. Wir alle drei hatten das gleich Bauchthema: Es läuft etwas schief. Und, wir benötigen Lösungen für das Zeitalter der Digitalisierung, für die Euro-Krise und den dramatischen Wegfall von Arbeitsplätzen. Aus unserer Sicht kann hier nur ein bedingungsloses Grundeinkommen weiterhelfen. Die Zusammenarbeit unter uns Dreien war effizient und konstruktiv.

Kommen wir zu Ihren Kernthesen. Sie fordern die Abschaffung aller Steuerarten. Stattdessen fordern Sie die Einführung einer Konsumsteuer. Und das soll funktionieren?

Wir haben uns die Frage gestellt, was die fairste Steuerart ist. Nach vielen Diskussionen mit renommierten Steuerexperten kamen wir zum Ergebnis, dass dies ohne Wenn und Aber die Mehrwertsteuer ist. Dann sieht nämlich jeder sofort, wieviel Steuern er tatsächlich bezahlt. Allerdings braucht es dann Abstufungen. Güter des täglichen Bedarfs müssen natürlich deutlich niedriger besteuert werden, als Luxusgüter. Bei etwaigen Unwuchten kann der Staat auch sehr schnell regulierend eingreifen.

Ihre zweite Kernthese ist die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Haben Sie nicht Angst, dass Deutschland dann ein Land der Faulenzer wird?

Nein! Für 1000 Euro im Monat hört niemand auf zu arbeiten. Ergebnisse von zahlreichen Fallstudien beweisen das Gegenteil. Aber es ist richtig, dass die ein oder zwei Prozent die jetzt nicht arbeiten wollen, werden es auch danach nicht wollen. Auch ist ein bedingungsloses Grundeinkommen keine Einladung zu einer lebenslangen Rente.

Nennen Sie bitte ein konkretes Beispiel. Wie könnte das funktionieren?

Ganz einfach. Jeder Bürger bekommt jeden Monat 1000 Euro überwiesen. Damit kann er machen, was er möchte. Eltern können ihren Kindern damit beispielsweise einen guten Start ins Leben ermöglich. Allerdings entfällt dadurch der Abzug des steuerfreien Existenzminimums bei der jährlichen Steuererklärung. Denn auch diese soll nach unseren Ideen künftig überflüssig sein.

Was erwartet die Besucher des Hochrhein-Forums am Mittwochabend?

Das wird eine unglaublich spannende, informative Reise durch den Wahnsinn unserer Welt mit konkreten Lösungsmöglichkeiten.

Fragen: Kai Oldenburg

 

Diskutieren Sie mit!

Das fünfte Hochrhein-Forum des SÜDKURIER Medienhauses steht ganz im Zeichen der wirtschaftlichen, wie politischen Herausforderungen der Zukunft. Zu Gast sind die drei Querdenker und Buchautoren Marc Friedrich, Matthias Weik und dm-Gründer Götz Werner. Die Veranstaltung findet statt an diesem Mittwoch, 6. Dezember, im Kursaal in Bad Säckingen. Beginn ist um 19.30 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Nach einem Vortrag diskutieren die drei Autoren mit SÜDKURIER-Politikchef Dieter Löffler und Regionalleiter Kai Oldenburg. Im Anschluss ist ausreichend Zeit für Publikumsfragen an das Trio. Für eine bessere Planung bitten wir um eine Anmeldung per E-Mail (hochrhein.aktion@suedkurier.de).

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