Wer ist schuld am Arten- und Insektensterben? Vielerorts wehren sich Landwirte gegen Vorwürfe von Umweltschützern, sie seien durch den Chemieeinsatz auf ihren Feldern verantwortlich. Symbol des Protests sind grüne Kreuze, die erstmals in Nordrhein-Westfalen zum Einsatz kamen und auch an das Sterben zahlreicher Familienbetriebe und Existenzen erinnern sollen, Betriebe, die den Leistungs- und Preisdruck nicht länger standhalten konnten. Jetzt haben zwei Landwirte vom Bodensee eine neue Aktion ins Leben gerufen, eine Staffelfahrt mit dem grünen Kreuz, um damit überall im Lande ein Zeichen zu setzen.

So fand jüngst auf dem Hölzlebachhof im Albbrucker Ortsteil Schadenbirndorf ein Übergabetreffen statt, an dem rund 30 Landwirte teilnahmen. Von hier ging die Staffel weiter in Richtung Lörrach. Fernziele sind Stuttgart und Berlin. Auslöser der Aktion war das von den Naturschutzverbänden in Gang gesetzte „Volksbegehren zum Schutz der Bienen“. Die Fronten verhärteten sich, an einigen Orten wurden die grünen Kreuze zerstört.

Inzwischen hat sich aber wohl die Einsicht durchgesetzt, dass die zunehmenden Umwelt- und Klimaprobleme nur in enger Zusammenarbeit mit den Landwirten gelöst werden können: Die radikal formulierten Ziele des Volksbegehrens wird es in der bisherigen Form nicht geben. „Hoffentlich nicht“, wie sich Barbara Winkler vom Hölzlebachhof äußerte. Ist es überhaupt möglich, ganz auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten? Und wie beurteilen das die Obstbauern? Verwiesen wurde bei dem Treffen auf die Kirschessigfliege, die problemlos in der Lage wäre, ganze Kirschen- oder Traubenernten zu vernichten. „Erst stirbt der Landwirt, dann die Natur“, so hieß es auf den Plakaten bei den verschiedenen Demonstrationen.

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Die Bauernverbände versichern: „Auch wir möchten die Natur und Umwelt schützen, das Tierwohl im Auge behalten und die Landwirtschaft zeitgemäß weiterentwickeln.“ Aber im Moment sei es zu viel, was den Bauern zugemutet werde. Ziel müsse es sein, alltagstaugliche Vorgaben zu entwickeln. Da helfe auch der Trend zur Bio-Produktion nicht weiter, wenn letztlich die Waren in den Regalen liegen bleiben. Hier seien auch die Verbraucher in der Pflicht, die Entwicklung in vernünftige Bahnen zu lenken und sich dabei nicht von Billigangeboten aus dem Konzept bringen zu lassen.

Ein Symbol des Widerstandes: das grüne Kreuz der Landwirte.
Ein Symbol des Widerstandes: das grüne Kreuz der Landwirte. | Bild: Manfred Dinort

Hinzu komme der Preisdruck, der durch Billigimporte aus Übersee verstärkt werde. Dieser Argumentation schlossen sich auch die Landwirte in Schadenbirndorf an. Eindringlich warnte der Organisator der Veranstaltung, der BLHV Kreisvorsitzende Oswald Tröndle: „Wenn wir unsere Kulturpflanzen nicht mehr schützen können, sind sie schon bald für den Verzehr nicht mehr geeignet. Ohne Schutzmittel stirbt die Produktion.“ Christina Burkard, Bio Landwirtin aus Wutöschingen, warnte: „Wenn zu viel Bio produziert wird, bleiben wir auf unseren Produkten sitzen.“ Auch die Landschaftspflege wurde angesprochen. „Wir sind an einem Scheideweg angelangt“, sagte Claus Schlachter aus Birndorf. „Wenn wir nicht mehr in der Lage sind, kostendeckend Nahrungsmittel auf der Fläche zu produzieren, dann wird das zulasten der Landschaft gehen.“ Hingewiesen wurde auch darauf, dass viele Betriebe im Südwesten kleinstrukturiert sind und damit eine große Arten- und Anbauvielfalt aufweisen. Oswald Tröndle sagte: „Wichtig ist uns, dass nicht über unsere Köpfe hinweg entschieden wird.“

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Inzwischen seien zwar viele Vorgaben geändert worden, aber nicht so, dass die Landwirte wirklich damit leben könnten. „Die Kontrollen, Vorschriften und Gängeleien nehmen kein Ende, obwohl wir ja auch das Beste für Natur und Landschaft wollen“, klagte er. „Jedenfalls ist es hart für uns, wenn wir beschuldigt werden: ‚Ihr Landwirte zerstört die Natur und vergiftet unsere Böden‘.“ Das Gegenteil sei richtig: „Auch uns geht es um die Lebensgrundlagen von uns allen.“ Was im Moment in der Natur und beim Klima geschehe, hätten alle mitzuverantworten und jeder müsse versuchen, seinen eigenen Beitrag zu leisten.