Die Landesstraße 154 durch das Albtal ist seit 26. Mai 2015 aus Gründen der Verkehrssicherheit zwischen dem Gasthaus Hohenfels und Tiefenstein gesperrt. Auch für Fußgänger. In der Felskulisse oberhalb der Fahrbahn wurden zahlreiche durch Verwitterung entstandene Felsblöcke entdeckt. Diese könnten sich jederzeit lösen und auf die Straße fallen. Ein geologisches Gutachten soll klären, ob und wie dieser gefährdete Abschnitt gesichert werden kann. In der Zwischenzeit darf aber auch an die Geschichte dieser „Schwarzwälder Axenstraße“ erinnert werden.

1854: Der Karlsruher Landtag beschließt die Albtalstraße

Bereits ab 1807, als in den leerstehenden Gebäuden des einstigen Klosters St. Blasien Fabriken eingerichtet wurden, plante man eine durchgehende Verbindung von St. Blasien nach Albbruck. Auch das damals gut gehende Eisenwerk in Albbruck drängte zur Abfuhr des benötigten Kohlholzes auf eine solche Straße.

Sicher spielte auch der vorgesehene Bahnhof in Albbruck eine große Rolle. So wurde im Karlsruher Landtag 1854 die Albtalstraße beschlossen. Dagegen waren die Orte am alten Klosterweg Waldshut – Höchenschwand – St. Blasien, die eine große Konkurrenz ahnten.

Doch die im Landtag genehmigte Straße stand nicht nur auf dem Papier, sondern wurde sofort auch begonnen. Dabei wurden die Mauern der verlassenen Iburg abgerissen, um dort ein gutes Niveau der neuen Straße zu erreichen. 1858 war bereits Tiefenstein erreicht. Der Weiterbau sollte ursprünglich über die dortige Brücke und weiter über Schachen führen. Doch das fand man ungeeignet, und so blieb nur die Möglichkeit durch das felsenreiche Albtal übrig.

1859: Die Strecke wird dem Verkehr übergeben

Als Planer gewann man Robert Gerwig, den Erbauer der Schwarzwaldbahn. Der Bau dieser 5,6 Kilometer langen kurvenreichen Straße wurde 1858 begonnen und konnte bereits am 1. Juli 1859 offiziell dem Verkehr übergeben werden. Hauptsächlich erstellten italienische Bauarbeiter diese Strecke mit den sechs Tunnels. 1866 musste der zunächst bei Tiefenstein gelegene Tunnel aus Sicherheitsgründen beseitigt werden.

Die Straße war geplant auf eine Breite von sechs Metern, die Fahrbahn auf 4,40 Meter. Der Nutzen der Strecke wurde bald sichtbar. Zählte man 1864 täglich 61 Zugtiere, waren es zehn Jahre später 134. Anno 1872 fuhr die erste vierspännige Postkutsche durch die nun gepflasterte Albtalstraße. Als 1872 die Papierfabrik Albbruck eröffnet wurde, entwickelte sich dieser Ort zu einem großen Umschlagplatz für Holz.

1924: Die Tunnels müssen erhöht werden

Der zunehmende Verkehr – in St. Blasien gründete man 1904 zur Beförderung von Personen eine „Motorwagengesellschaft“- machte eine Verbreiterung der Fahrbahn auf sechs Meter erforderlich, ebenso die Erhöhung der Tunnels im Jahr 1924.

Zwischenzeitlich gab es noch andere Pläne für diese Region. Im Mittelpunkt stand 1885 ein angedachter Drahtseilsteg über die Alb zwischen Hohenfels und Tiefenstein, der „in großartigster Szenerie die ganze Breite des Albtals mit einer Spannung von 230 Fuß in schwindelnder Höhe überbrücken“ sollte, „mit großem Nutzen auch für den Fremdenverkehr“ (Zeitung vom 12. Februar 1885 ). Doch es fand sich kein Unternehmer.

Später wurde eine Hängebrücke in 80 Meter Höhe über die Alb bei Hohenfels mit einer Spannweite von 72 Metern geplant. 30 000 Mark hätten dafür aufgebraucht werden müssen, doch im kommenden Ersten Weltkrieg wurde dieses Geld und die Idee verpulvert.

Immerhin kam dann der Studinger-Steg von Hohenfels nach Schachen mit einer Spannweite von 32 Metern. Aber statt des Voranschlages von 6000 Reichsmark belief sich die Gesamtherstellung nach der Einweihung 1928 schließlich auf 13 746 Reichsmark.

1984/85: Die Albtalstrecke wird wegen Sanierung für ein Jahr gesperrt

Nach einer einjährigen Sperrung 1984/85 wurde das Teilstück der Albtalstraße von Tiefenstein nach Albbruck „im alten Stil“ für 1,8 Millionen DM erneuert. Die alten Pflastersteine riss man aus, die Fahrbahn erhielt einen Asphalt-Belag. An Stelle der bisherigen Betonmauer gegen die Schlucht erbaute man eine ein Meter hohe Mauer aus Bruchsteinen.

Außerdem wurden 320 neue Wehrsteine gesetzt, im Volksmund „Hundsbrunzer“ genannt. Um den Gebirgscharakter der Straße zu erhalten, verzichtete man zudem auf Leitplanken. Nach der Eröffnung dieser „neuen“ Straße im Oktober 1985 zählte man im Durchschnitt 1100 Fahrzeuge pro Tag.