Geschickt legt Mathilda den Stoff unter die Nadel der Nähmaschine, Thea Kahnert blickt ihr über die Schulter, gibt ihr Tipps, wie sie eine schöne Naht hinbekommt. Mathilda ist mit ihren sieben Jahren die Jüngste in diesem Kurs der Siedlergemeinschaft Klettgau.

Sie ist dankbar, dass sie von der reichen Erfahrung der 83-jährigen Thea Kahnert lernen kann. Und so hebt und senkt sich die Nadel bedächtig, die Naht sitzt perfekt.

Als Mathildas fünfjähriger Bruder sie mit ihrer Mutter in der Nähstube besuchte, wollte der unbedingt bleiben. Weil das nicht ging, hat er zu Hause Topflappen für seine Mama genäht, erzählt Gabi Zeller, Vorsitzende der Klettgauer Siedlergemeinschaft, die den Kurs angeboten hat.
„Ein Kollege aus dem Vorstand unser Gemeinschaft hat mich gefragt, ob wir einen Nähkurs für Kinder anbieten können“, erzählt Gabi Zeller. Sonst surren im Vereinsraum in Grießen nämlich die Maschinen der Patchworkgruppe. Hier entstehen Herzkissen für die Uni-Klinik Freiburg, wo sie an Frauen verteilt werden, die an Brustkrebs erkrankt und operiert sind.
Der Kindernähkurs hat einen ganz anderen Hintergrund: Handarbeit und nähen werden in der Schule nicht mehr als Unterrichtsfach angeboten, was manche Eltern bedauern. „Ich habe meine acht Frauen in der Gruppe gefragt, ob sie mitmachen, alle haben sofort zugesagt“, sagt Gabi Zeller.
Im monatlich erscheinenden Info-Blatt der Siedlergemeinschaft wurde für den Kurs geworben. Sieben Mädchen und zwei Jungen kommen nun seit November regelmäßig ins Vereinshaus, um ihre Ideen in die Tat umzusetzen.

„Eigentlich hatten wir einen Wäschekorb voller Muster vorbereitet, kein Kind hat sich das bisher angeschaut, alle kamen mit ihren eigenen Ideen“, berichtet die SG-Vorsitzende und begeisterte Näherin.
So entstanden mit der Zeit Kissen in vielen Formaten mit und ohne aufgenähte Figuren. Stolz zeigen sie ihre selbst entworfenen Stofftaschen und Turnbeutel. Als ein Mädchen mit einem kleinen Kissen vorbeikommt, durftet es im Raum gleich nach Lavendel.

Marianne Heide ist eine der Frauen, die den Kindern unter die Arme greifen. Ihre Mutter war Damenschneiderin, sie selbst erstand von ihrem ersten Lehrlingsgeld ihre erste Nähmaschine.
Ihren reichen Erfahrungsschatz gibt sie an diesem Tag an die neunjährige Linea weiter. Das Mädchen zeigt ein Herz und eine liebevoll genähte Socke, in die sie ein Geschenk stecken möchte. Sina (9) seht daneben. Sie hat einen Hasen genäht und mit Watte gefüllt – schließlich ist bald Ostern.
Kreativität ohne Grenzen
Linus (9) schaut unterdessen gebannt auf die Naht, die er gerade macht. Er schneidert einen Organizer mit vielen Taschen. Der soll einmal an der Wand in seinem Zimmer hängen und dort für Ordnung sorgen.

Ihm schaut Samuel (8) gespannt zu, die beiden wechseln sich an der Nähmaschine ab – jeder wartet geduldig darauf, dass er den Platz übernehmen kann. „Die Nähmaschine rattert so schön“, sagt Samuel und lächelt dabei.
Maria (9) schneidet gerade mit viel Geschick und noch mehr Konzentration aus einem Stoff mit Fußballmuster einen Kreis aus. Die runde Naht bekommt sie sehr gut hin und befüllt ihr Werk mit Watte – fertig ist der Soft-Fußball. „Nähen macht mir viel Spaß und Bügeln auch.“

Klar, nach dem Zuschnitt muss der Stoff geglättet werden, sonst sieht das gute Stücke ziemlich zerknittert aus. Stolz erzählt sie, dass sie für ihre Eltern zu Weihnachten einen Tannenbaum mit weihnachtlichen Motiven geschneidert hat.

Die neunjährige Caroline ist mit ihren Gedanken schon mehrere Schritte weiter: „Beim Nähen kann man kreativ sein und etwas machen, das man später anziehen kann …“ Sie hat sogar schon eine eigene Nähmaschine zu Hause – ihre Mutter hat ihr ihre überlassen, weil sie eine neue bekam.