Wie es ist, am Hochrhein aufzuwachsen, dann wegzuwollen, wegzugehen, Heimweh zu bekommen und wieder zurückzukehren, erzählen junge Menschen aus der Region im Gespräch mit dieser Tageszeitung.

Einmal Großstadtluft schnuppern

  • Romina Kraus (28) ist in Riedern am Sand aufgewachsen. Während es als Kind für sie noch toll war, so naturverbunden aufzuwachsen, empfand sie den kleinen Ort als Teenager dann teilweise als „wirklich öde“. Für die weiterführende Schule in Jestetten nutzte sie den öffentlichen Nahverkehr, doch für Besuche bei Freundinnen und Verabredungen, mussten die Eltern als Fahrdienst einspringen. Jestetten selbst, so erinnert sie sich heute, war in dieser Zeit perfekt. „Mein ganzer Freundeskreis war hier und man hatte eigentlich alles vor Ort, was in diesem Alter wichtig ist“ erinnert sie sich.
Romina Kraus ist zurück in die Regio gekommen.
Romina Kraus ist zurück in die Regio gekommen. | Bild: privat/Kraus

Mit Beginn der Ausbildung wuchs dennoch der Wunsch nach mehr. Romina Kraus wollte den familiären und ländlichen Charakter komplett hinter sich lassen und etwas Neues erleben. Die Ausbildung brachte dann die Möglichkeit, Stadtluft zu schnuppern. Sie zog für ein berufliches Projekt nach Karlsruhe. Nach einer kurzen anfänglichen Begeisterung, stellte die junge Frau schnell auch Nachteile des Stadtlebens fest. „Das soziale Umfeld war ein ganz anderes“, berichtet sie.

Einen Schlüsselmoment hatte sie während eines Besuchs in der Heimat beim Einkaufen. War es in Karlsruhe ein einfacher Vorgang für die Versorgung, spürte Romina Kraus in Jestetten ganz deutlich: „Man ist hier willkommen, hier ist man zu Hause.“ Schon bei dem Betreten des Lebensmittelmarktes traf sie erste Bekannte, wurde an der Theke mit Namen begrüßt und es entstanden schnell Gespräche. Bereut hat sie den Abstecher nach Karlsruhe nie, denn er hat ihr rechtzeitig die Augen geöffnet, wie viel Wert für sie die Heimat und ihr soziales Umfeld haben.

Einfach was Neues erleben

  • Julian Fesser (35) ist zusammen mit seiner Familie nach Küssaberg gezogen als er fünf Jahre alt war. Bewusst hatten sich die Eltern für ein Leben auf dem Land entschieden. Für Julian Fesser stand schon nach seinem Abitur fest, die Heimat zu verlassen. Es war der Wunsch nach etwas Neuem, der ihn antrieb. Er reiste zunächst für ein Jahr mit einem Work-and-Travel-Ticket durch Kanada. Im Anschluss daran ging es für den jungen Mann weiter nach Garmisch-Patenkirchen, da er „schon immer mal in den Bergen wohnen wollte“. Bereits nach guten neun Monaten zog er weiter nach Heidelberg.
Julian Fesser hat sich mit seiner Partnerin Nadja Klausmann gleich zwei Wünsche erfüllt. Sie sind nach Hause gezogen an den Hochrhein und haben sich gemeinsam selbstständig gemacht.
Julian Fesser hat sich mit seiner Partnerin Nadja Klausmann gleich zwei Wünsche erfüllt. Sie sind nach Hause gezogen an den Hochrhein und haben sich gemeinsam selbstständig gemacht. | Bild: Tina Prause

Dort erfüllte sich der gelernte Landschaftsgärtner einen weiteren Traum und absolvierte seinen Fach-Agrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung. Er lernte über den Beruf seine Partnerin Nadja Klausmann kennen, die ursprünglich aus dem Schwarzwald stammt. „Wir wussten immer, Heidelberg ist noch nicht das Ende“, erinnert sich Julian Fesser an diese Zeit. Nach und nach wuchs der Wunsch bei beiden, wieder näher an der Familie zu wohnen und sich mit ihrem Traumberuf selbstständig zu machen.

Julian Fesser ist seit seinem Umzug in die Heimat selbstständig. Zusammen mit seiner Partnerin Nadja Klausmann hat er ein Unternehmen gegründet und ist zudem in der Nähe seiner Familie.
Julian Fesser ist seit seinem Umzug in die Heimat selbstständig. Zusammen mit seiner Partnerin Nadja Klausmann hat er ein Unternehmen gegründet und ist zudem in der Nähe seiner Familie. | Bild: Tina Prause

Vor gut zwei Jahren erfolgten dann der Umzug in die Heimat und der Schritt in die Selbstständigkeit. „Es ist vielleicht die Nähe zum südlichen Ausland und auch die Ruhe, die mir hier so gut gefällt“, überlegt Julian Fesser. Nicht zu vergessen, die Nähe zur Familie. Die Zeit unterwegs möchte er dennoch nicht missen. „Es gibt einem viel, wenn man weg war und auch, wenn man wiederkommt“, schließt er.