Beim Thema Mobilfunk scheiden sich die Geister: Während viele Menschen vor allem im ländlichen Raum auf eine moderne Kommunikations-Infrastruktur hoffen, waren Skeptiker vor den gesundheitlichen Gefahren durch die Mobilfunkstrahlung. Nicht zuletzt deshalb hatten die Gemeinden Görwihl, Rickenbach und Herrischried zu einem Informationsabend Mobilfunk Hotzenwald in die Eishalle nach Herrischried eingeladen.

Dabei kamen sechs Referenten zu Wort. Durch die Veranstaltung führte Thomas Uhlendahl als neutraler Moderator. Zu Beginn und am Ende konnten sich die interessierten Besucher an verschiedenen Ständen zum Thema informieren, unmittelbar im Anschluss an die zeitlich begrenzten Fachvorträge gab es eine speziell für die anwesenden Gemeinderäte anberaumte Fragerunde.

Die Referenten Jörn Gutbier, Cornelia Waldmann-Selsam, Wolfgang Bergmann, der Sprecher der Bürgerinitiative für Herrischried, Reinhard ...
Die Referenten Jörn Gutbier, Cornelia Waldmann-Selsam, Wolfgang Bergmann, der Sprecher der Bürgerinitiative für Herrischried, Reinhard Lang, und Sebastian Döbele (von links). | Bild: Karin Steinebrunner

Nicht anwesend war der Vertreter von Mobilfunkbetreiber Telefonica. Er möchte demnächst einen gesonderten Termin anbieten. Zum Thema Strahlenschutz war Alexander Leymann vom Bundesamt für Strahlenschutz digital zugeschaltet, das Thema Baurecht deckte Sebastian Döbele vom Bauamt des Landratsamtes ab. Für die Mobilfunkkritiker referierten Cornelia Waldmann-Selsam, der Arzt Wolfgang Bergmann und Jörn Gutbier von Diagnose Funk. Die Begrüßung übernahm Manfred Krüger in Vertretung des erkrankten Bürgermeisters Christian Dröse.

Gemeinden haben nur wenig Einfluss

In den Fachvorträgen befasste Döbele zunächst mit den Möglichkeiten der Einflussnahme auf den Bau von Mobilfunkanlagen durch die Kommune. Dabei machte er deutlich, dass die Gemeinde lediglich aus baurechtlichen Gründen ihr Einvernehmen verweigern darf, da beim Bauantrag lediglich die Bewertung der Bundesnetzagentur sowie die gesicherte Erschließung als Kriterien zur Erteilung des Einvernehmens gelten.

Mit einem Rückstellungsantrag bei gleichzeitiger Ausweisung einer Konzentrationsfläche hat die Gemeinde zwar einen gewissen Einfluss auf den Standort, nicht aber auf den Bau einer Anlage überhaupt.

Alexander Leymann betonte in seinem Vortrag, dass 5G weder neue Frequenzbereiche nutzt, noch wird die Strahlung stärker als bei den Vorgängersendern, im Gegenteil. Da sie zielgerichteter eingesetzt werden könne, wären jeweils nur diejenigen betroffen, die den Mobilfunk gerade auch tatsächlich nutzen. Aus diesen Gründen seien bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse auf 5G übertragbar, und diese hätten lediglich eine thermische Beeinflussung nachweisen können, die jedoch weit unter den geltenden Grenzwerten rangiere.

Kritiker fürchten Auswirkungen

Wolfgang Bergmann argumentierte in seinem Vortrag gegen diese Einschätzung, indem er verdeutlichte, dass die Kommunikation menschlicher Zellen in genau demselben Frequenzspektrum stattfindet, das Mobilfunknetze nutzen.

Daher komme es beim Kontakt mit dem technischen Frequenzspektrum zu Irritationen und Falschmeldungen im biologischen Übertragungsnetzwerk, was schließlich zu Schädigungen der Mitochondrien als der Kraftwerke der Zellen führen könne. Dies hätte eine Schwächung des Immunsystems zur Folge, sogenannte „Multisystemerkrankungen“, unter die auch die Elektrosensibilität zählt, seien die sichtbaren Zeichen davon.

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Jörn Gutbier bezeichnete 5G überspitzt als Feldversuch am Menschen. Vorsorge sei überfällig, internationale Gremien forderten tiefere Grenzwerte, teilweise seien diese bereits umgesetzt. Das Mobilfunknetz funktioniere auch dann noch einwandfrei. Auch die Ausweisung strahlungsfreier Zonen sei möglich. Daher appellierte er an die Versammlung, in das aktive Dialogverfahren einzusteigen.

Sorge vor Schäden an Bäumen

Cornelia Waldmann-Selsam schließlich berichtete über ihre Dokumentation von Baumschäden bei direkter Sichtverbindung zu einem Funkmast. Sie hatte auch Beispiele aus allen drei Hotzenwaldgemeinden aufgelistet und Materialien hierzu ausgelegt. Sie betonte die existenzielle Bedeutung der Bäume für den Menschen, die es erforderlich mache, bei einem Verdacht sofort zu reagieren, und bemängelte, dass bereits in den 80ern Dokumentationen erstellt worden seien, bis heute aber seitens der amtlichen Stellen keine Studien in Auftrag gegeben wurden.

Auf diese Aussage bezog sich auch eine Frage in der anschließenden Fragerunde, die Alexander Leymann mit dem Hinweis kommentierte, es fänden sehr wohl Workshops und Tagungen zum Einfluss des Mobilfunks auf Flora und Fauna statt, die bisherigen Arbeiten zu diesem Thema entbehrten indes noch der wissenschaftlichen Systematisierung.

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Auf die Nachfrage nach der Möglichkeit der Ausweisung von Schutzzonen betonte Gutbier nochmals, die 98-prozentige Netzabdeckung sei eine rein politische Vorgabe und somit auch vertraglich veränderbar, wenn das entsprechende Betroffenheitspotenzial deutlich gemacht werde. Damit verwies er an die Veranstalter und die Anwesenden.

Görwihls Bürgermeister Carsten Quednow sprach am Ende von einem gelungenen Bürgerdialog, Reinhard Lang bedankte sich für die Möglichkeit, das Für und Wider vorgestellt bekommen zu haben.