Herr Apel, Sie sind zwar im Ruhestand, haben aber reichlich zu tun – wie kommt das?

Ich habe das ganze Jahr über Auszeichnungen für schwalbenfreundliche Häuser vergeben und habe für Schwalben gekämpft, wo deren Nester entfernt worden sind. Ich habe Vorträge gehalten und viele Beratungsgespräche geführt. Außerdem habe ich Architekten und Hausverwalter informiert, wie sie Schwalbennester anbringen können.

Die Schwalben kamen dieses Jahr spät zu uns. Woran lag das?

Ja, sie sind lange nicht gekommen, erst um Pfingsten herum, weil über Spanien lange Zeit schlechtes Wetter herrschte, was zu einem so genannten Zugstau führte, worauf sie kaum Nahrung fanden und viele von ihnen verendeten.

Die, die es hierher schafften, fanden dann aber nicht unbedingt optimale Bedingungen vor.

Stimmt. Ein Beispiel: in Görwihl gibt es nur drei Häuser mit Schwalbennestern. Das sind sehr wenige, gegenüber früher, als viele Häuser Nester hatten. Aber wenn ein Haus renoviert wurde, kamen auch die Nester weg. Kommt hinzu, dass die Schwalben kaum noch Baumaterial wie Lehm finden und dass die Häuser heute schmutzabweisende Putze und Farben haben, an denen die Nester nicht haften bleiben.

Was wollen Sie dagegen unternehmen?

Die Menschen wieder verstärkt für die wichtige Rolle der Schwalben, der Vögel überhaupt, in unserem Ökosystem sensibilisieren. Eine Schwalbe frisst 1200 Mücken am Tag. Stellen Sie sich vor, es gibt keine Schwalben mehr.

Was kann der Einzelne tun?

Wenn es denn schon kein Schwalbennest aus Lehm am Haus sein kann, dann wenigstens eine künstliches Schwalbennest, das ohne großen Aufwand angebracht werden kann. Aber es sollten mindestens drei Nester sein, weil Schwalben Koloniebrüter sind. In Bad Säckingen sind zum Beispiel an Wohnblöcken rund 100 derartige Nester angebracht worden.

Und die werden von den Schwalben angenommen?

Ja. Wenn schon ein Nest vorhanden ist, werden die anderen problemlos angenommen. Wir haben beobachtet, dass junge Schwalben vor ihrem Abflug – der ja meist um Maria Geburt erfolgt – die Nistplätze anfliegen und sie sich fürs nächste Jahr einprägen.

Wie kamen Sie dazu, die Auszeichnung „Schwalbenfreundliches Haus“ zu vergeben?

Durch eine Kollegin aus Mecklenburg-Vorpommern, von der ich die Idee übernommen habe. 2008 habe ich begonnen, die Auszeichnung in Baden-Württemberg zu vergeben – wodurch der Nabu-Landesverband Baden-Württemberg der erste Verband nach Mecklenburg-Vorpommern in Deutschland mit dieser Aktion war. Allein in den ersten acht Jahren konnte ich die Auszeichnung 650 Mal vergeben. Seit 2017 ist daraus eine bundesweite Aktion vom Nabu geworden. In den letzten zwei Jahren konnte ich weitere 670 Plaketten vergeben. Das macht jetzt insgesamt über 1300 Auszeichnungen. Im Landkreis Waldshut habe ich 70 Häuser ausgezeichnet.

Alles ehrenamtlich?

Ja. Ich erhalte lediglich Fahrgeld, Spesen und Porto für den Versand von Plaketten erstattet.

Wie steht es um die Vögel generell?

Nicht gut. Es gibt eindeutig einen Vogelrückgang. Die Feldlerche zum Beispiel ist nahezu verschwunden. Die hat ja keine Zeit mehr zu brüten, weil die Wiesen so oft gemäht werden. Oder die Meise, das Rotkehlchen, der Hausrotschwanz – viele Vogelarten werden weniger.

Woran liegt das?

An mehreren Faktoren. Mehr Siedlungen, mehr Verkehr, mehr intensive Landwirtschaft, weniger Blumen auf den Wiesen, mehr Pestiziden. Ich will das nicht alleine der Landwirtschaft zuschieben, viel mehr sind Fehlentscheidungen der Politik dafür verantwortlich. Aber es ist nun mal ganz einfach: Wenn es keine Blumen mehr gibt, gibt es keine Insekten mehr und haben die Vögel nichts zu fressen.

Was können wir im Kleinen besser machen?

Wer einen Garten hat, kann einen unordentlichen Bereich, in dem alles Mögliche wachsen kann, lassen. Oder Schmetterlingsflieder pflanzen. Ich bin über jeden Blumenkasten, in dem heimische Blumen blühen, froh. Wassertränken, das können auch einfach nur Schalen sein, sind jetzt ganz besonders wichtig, damit die Vögel zu trinken haben.